Trotz seiner rund 1700-jährigen Geschichte war das Judentum in Deutschland fast vollständig durch die Verbrechen der Nationalsozialisten vernichtet – nur wenige überlebten nach 1945. Erst mit dem Zuzug jüdischer Flüchtlinge aus den Ländern der Sowjetunion kam es zu einem Wiederaufleben. Heute gibt es wieder eine lebendige jüdische Gemeinschaft. Doch diese Blüte ist durch den wachsenden Antisemitismus, besonders seit dem 7. Oktober 2023, gefährdet.
Kirche darf Beteiligung lieben. Aber sie sollte Hierarchie nicht fürchten, meint unsere Online-Kolumnistin Katharina Scholl. Denn es geht auch darum, Verantwortung zu übernehmen.
Als ein US-KI-Unternehmen jüngst militärische Grenzen verteidigte und dafür abgestraft wurde, ging es um mehr als einen Tech-Streit. Der Hamburger Theologe Constantin Gröhn ist Referent beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt in Hamburg. Er fragt, was das für Kirchen, Behörden und soziale Einrichtungen bedeutet, die auf amerikanische Cloud-Dienste setzen.
Hiob ist kein Trostpflaster – eher ein Prüfstein. Das biblische Buch zerlegt die fromme Logik, nach der gute Taten belohnt und Schuld bestraft wird, und zwingt dazu, das eigene Wissen über Gott kleinzureden. Angelika Nothwang, Theologin aus Oldenburg, liest Hiob als geistlichen Impuls: Bescheiden reden – und dennoch verantwortlich handeln.
Warum die Fahrt auf einem Karnevalswagen für einen Historiker besonders spannend ist, hat unser „z(w)eitzeichen“-Kolumnist Christoph Markschies in diesem Jahr in Bonn erfahren.
Die katholische Kirche in Deutschland hat Historisches vor. Und unter ihren Bischöfen einen neuen Vorsitzenden. Am Ende der Tagung der Bischofskonferenz in Würzburg ist aber eine Warnung vor der AfD am lautesten zu hören, berichtet Philipp Gessler.
Wie kann evangelische Kirche in Zeiten struktureller Erosion neu Gestalt gewinnen? In Auseinandersetzung mit den Beiträgen von Johannes Krug und Gregor Etzelmüller zum evangelischen Netzwerk plädiert Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland und Herausgeber von zeitzeichen, dafür, Kirche als sozialraumorientiertes Gefüge eigenständiger Partner zu verstehen – geistlich verankert und organisatorisch neu justiert.
Donald Trumps Aufstieg ins Weiße Haus ist ohne das evangelikal-fundamentalistische Christentum kaum zu verstehen. Ein Blick in die Religionsgeschichte der USA zeigt, wie apokalyptische Deutungsmuster, religiöses Sendungsbewusstsein und politische Machtansprüche seit Langem ineinandergreifen. Unser Autor Peter Lampe, Seniorprofessor für Neues Testament in Heidelberg, zeigt, warum diese Verbindung demokratisch wie theologisch hoch problematisch ist.
Der Journalist Arnd Henze analysiert in seinem neuen Buch "Mit Gott gegen die Demokratie" vor allem den christlichen Nationalismus und seine Verbindungen zur MAGA-Bewegung. Aber er beschreibt auch den wachsenden Widerstand, der sich an Martin Luther King und Dietrich Bonhoeffer orientiert.
Im vergangenen Sommer hat eine Berliner Pfarrerin vier Männer im Rahmen eines „Pop-up-Hochzeitsfestivals“ gesegnet. Friedhelm Meier, Privatdozent am Lehrstuhl für Systematische Theologie in Tübingen, analysiert die Schwierigkeit polyamorer Beziehungen.
Gespräch mit Sabena Donath, Direktorin der derzeit in Frankfurt am Main entstehenden Jüdischen Akademie des Zentralrats der Juden in Deutschland, über Identität, Antisemitismus und Israel.
Sexualisierte Gewalt ist auch in der evangelischen Kirche Realität – und ihre Aufarbeitung stößt noch immer auf Abwehr, Wie können Gemeinden lernen, Betroffenen wirklich zuzuhören?
Die EKD hat mit ihrem Maßnahmenplan viel erreicht. Aber die bleibende Schwäche des Systems ist und bleibt die fehlende flächendeckende Verbindlichkeit.
Das Gebetshaus Augsburg macht derzeit Schlagzeilen. Es zieht vor allem viele junge Menschen an, die sich unter anderem von „Lobpreis und Anbetung“ bewegen lassen. Doch die als eingetragener Verein organisierte Institution ist auch umstritten.
Am 25. März wird das Fest Mariä Verkündigung begangen. In der Bibel reagiert Maria auf die Botschaft ihrer unverhofften Schwangerschaft mit einem Lobgesang, dem berühmten Magnificat. Davon ausgehend, zeichnet Ines Bauschke ein neues Bild von Maria.
Wir sind nicht zuletzt Hüterinnen und Hüter der Werte, die den Schutz des Mitmenschen in seiner Verletzlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Zedakah, Nächstenliebe, Solidarität.
Tiefe Frömmigkeit, ein großes Herz und eine Prise Rebellion machen die irische Seele aus. Die Stadt Cork, im Südwesten der Insel, hat offenbar besonders spannende Charaktere hervorgebracht, wie der Arzt und Journalist Martin Glauert bei einem Besuch entdeckte.
Glaube soll sich lohnen. Er soll tragen, stärken, verändern. Ausgerechnet der „religiös unmusikalische“ Philosoph Jürgen Habermas mahnte hier zur begrifflichen Klarheit. Das veranlasst Thies Gundlach zu fragen, worin die eigentliche Relevanz des Glaubens liegt.
Die schrecklichen Bilder von dem von der russischen Armee verübten Massenmord an Zivilisten in Butscha haben gewaltfreien Widerstand als sinnlos erscheinen lassen. Doch aus dem Ukrainekrieg sind nicht wenige Aktionen sozialer Verteidigung bekannt geworden. Wir sollten davon lernen.
Seit rund 1 700 Jahren gibt es jüdisches Leben auf deutschem Boden. Über Jahrhunderte waren die deutschen Juden zu einer Existenz in latenter Bedrohung gezwungen – bis zum schrecklichen Tiefpunkt des Holocausts. Doch auch nach 1945 blieb ein vorurteilsfreier Umgang mit Juden Wunschdenken. Das Wohl und Wehe des Judentums in Deutschland beschreibt der Autor Rafael Seligmann.
Juden werden hierzulande vor allem in drei Rollen wahrgenommen: als Maskottchen im interkulturellen Dialog, als Hassobjekt im Kontext Israels oder als Opfer des Holocaust. Dadurch bleibt das deutsch-jüdische Verhältnis verkrampft.
Der Antisemitismus ist in den vergangenen Jahren vor allem in bestimmten Milieus salonfähiger und anerkannter geworden. Oder er gehört sogar zum „Auf-der-richtigen-Seite-Stehen“. Der Judenhass erfüllt zudem weiterhin die Funktion der Selbstidealisierung.
Die AfD gibt sich öffentlich meist juden- und israelfreundlich. Das aber ist nur Fassade. So wie sie sich im Ganzen seit Jahren in einer stetigen Radikalisierungsdynamik befindet, so verstärkt sich auch die antisemitische Schlagseite der Partei, analysiert Lars Rensmann, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Passau.
Was für eine Kindheit! Wer Betty Taubes Erinnerungen liest, kann dies nicht tun, ohne Mitgefühl zu entwickeln. Erschüttert, betroffen, ja bisweilen auch empört bleibt man nach der Lektüre zurück.
Trotz der Schwere des Themas ist dieses Buch ein zauberhaftes Plädoyer für unverstelltes Sehen und umfassende Wahrnehmung, wie es in der Literatur nur alle Jahre einmal derart eindrücklich aufscheint.
Insgesamt ist dieses Buch ein Bildungsereignis gerade für diejenigen, die sich nicht fortlaufend in der nationalen und internationalen Presse informieren können.