Die elektrischen Reiter

Berichte von der Klimafront (II): Elektroautos in Kirche und Diakonie
Ladestelle für Elektroautos
Foto: Jörg Brinckheger /pixelio.de

Elektroautos allein retten nicht das Klima, aber sie sorgen für sauberere Luft, weniger Lärm und viel Spaß beim Fahren. Wie wäre es also mit einem neuen Dienstwagen für Ihre Gemeinde oder Sozialstation? Manche Landeskirchen helfen dabei!

Jedes zweite Auto in New York fährt elektrisch.  Zu schön, um wahr zu sein? War aber schon mal wahr. Und zwar im Jahr 1901. Dann aber machte der Benzinmotor das Rennen und rund einhundert Jahre später klingt eine solche Quote von E-Autos wie eine ferne Zukunftsvision, mal abgesehen vielleicht von Norwegen, wo etwa jedes dritte Auto batteriebetrieben fährt. Dabei ist klar: Elektroautos machen nicht nur Spaß, sondern sorgen für sauberere Luft und weniger Lärm in den Städten. Um das aber auch gleich klarzustellen: Sie sind keineswegs die alleinige Lösung für den klimaschonenden Verkehr der Zukunft.  Denn dazu reicht es nicht, aus jedem Auto mit Verbrennungsmotor eines mit E-Motor zu machen. Eine zukunftsfähige Mobilität braucht grundsätzlich weniger Autos auf den Straßen, viel weniger Autos im Privatbesitz, mehr Fahrräder, Busse und Bahnen, kein Kohle- und Atomstrom im Netz, andere Treibstoffe, mehr Video- und Telefonkonferenzen usw. usf.. An einer grundsätzlichen Neuausrichtung unseres Verkehrssystems führt kein Weg vorbei. Schließlich hat ja niemand behauptet, dass Klimaschutz eine einfache Sache ist.

Aber es wird auf absehbare Zeit auch weiterhin diejenigen geben, die zum Beispiel in ländlichen Regionen arbeiten und beruflich weite Strecken zurücklegen müssen. Pfarrer und Pfarrerinnen auf dem Land etwa. Für sie kann ein Elektroauto unter bestimmten Umständen eine klima- und umweltschonende Alternative zum Benziner oder Diesel sein. Und es gibt Landeskirchen, die den Kauf eines Dienstwagens mit Stromantrieb  finanziell fördern. Zum Beispiel die Hannoversche Landeskirche. Die hat im vergangenen Jahr mit einem entsprechendem Programm begonnen, für das jährlich 20.000 Euro bereitstehen. Damit richtet sie sich vor allem an die Kirchengemeinden, in denen die Pfarrer und Pfarrerinnen oder auch andere Mitarbeitende mindestens 10.000 Kilometer im Jahr dienstlich unterwegs sind.  Dann übernimmt die Landeskirche alle Kosten, die über die Fahrtkostenpauschale von 30 Cent pro Kilometer hinaus anfallen – also auch die Leasingraten für ein neues E-Mobil. Die Einrichtung einer Ladesäule wird mit 1.000 Euro bezuschusst, ob das reicht, hängt von den Installationskosten ab. Zwei Pfarrer im Landkreis Lüchow-Dannenberg haben im vergangenen Jahr bereits von dem Programm profitiert, auch in diesem Herbst können wieder Anträge gestellt werden.

Auch in der Evangelischen Kirche von Mitteldeutschland verfolgt man weiterreichende Pläne über die Produktion und den Vertrieb von eigenem Ökostrom hinaus. Im Kirchenkreis Egeln im Südharz läuft seit Februar 2017 ein Modellprojekt. Hier werden VW-Golfs mit Elektromotor als Dienstfahrzeuge getestet. Auf acht bis zehn Fahrzeuge soll die Flotte wachsen, der Versuch soll über vier Jahre laufen.

Apropos laufen, bzw. fahren: Wer ein Elektroauto fährt, braucht natürlich ein Netz von Ladestationen, denn noch kommt man ja mit einer vollen Batterie lange nicht so weit wie mit einem vollem Tank. Die Nordkirche hat sich daher zum Ziel gesetzt, möglichst viele eigene Ladepunkte einzurichten. Gemeinden, die auf dem Parkplatz vor der Kirche oder anderen Gebäuden eine solche Steckdose installieren wollen, finden Beratung über Fördermöglichkeiten bei Klaudia Morkramer, die sich als Klimaschutzmanagerin für den Bereich Mobilität bei der Landeskirche um das Thema kümmert. Tipps zur Anschaffung eines Elektroautos gibt sie ebenfalls, als erster Einstieg in das Thema eignet sich dieser Flyer der Nordkirche.  

Zum Schluss noch ein Beispiel aus der katholischen Welt, das den Blick auf die Sozialstationen lenkt. Denn für deren Einsatz wären Elektroautos ziemlich gut geeignet. Für die tägliche Fahrtstrecke von Pflegerinnen und Pflegern dürfte eine Batterieladung in der Regel reichen, und nachts könnten die Autos an die Steckdose auf dem Parkplatz der Sozialstation auftanken. So dachte man wohl auch in der Erzdiözese Freiburg. Die hat sich zum Ziel gesetzt, schon bis 2030 klimaneutral zu werden. Auch deshalb lief zwischen 2014 und 2017 das Pilotprojekt „elektrisch mobil“. In acht Sozialstationen und drei Verrechnungsstellen wurden Elektrofahrzeuge im Alltag der mobilen Pflege und bei den Service-Einrichtungen für die Kirchengemeinden erprobt.

Mittlerweile sind 17 Elektrofahrzeuge als Dienstwagen im Betrieb. Und weil man feststellte, dass der Einsatz von Elektrofahrzeugen in der häuslichen Krankenpflege häufig an zu wenigen Ladestationen scheitert, bietet die Erzdiözese gemeinsam mit der kircheneigenen Energieversorgerin KSE den Sozialstationen eine kostenfreie Beratung an. Dabei wird ermittelt, ob sich eine Zapfsäule für Strom auf dem Hof rechnen würde oder nicht und wie hoch die Kosten sind. Das Förderprogramm ist bis März 2021 befristet, alle 100 Sozialstationen in der Erzdiözese Freiburg können Anträge stellen. Gibt es so etwas auch in der Diakonie? Oder kennen Sie weitere spannende Klimaschutzprojekte in der kirchlichen Welt? Sachdienliche Hinweise bitte an kosch@zeitzeichen.net.

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Stephan Kosch

Stephan Kosch ist Redakteur der "zeitzeichen" und beobachtet intensiv alle Themen des nachhaltigen Wirtschaftens.


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