In Ulm und um Ulm herum

Was die zeitzeichen-Redaktion aktuell vom Treffen der EKD-Synode berichtet hat
Synodale strimmen  mit gelben Karten ab
Foto: EKD
Abstimmung auf der Synode in Ulm

Die Tagung der EKD-Synode in Ulm war geprägt von den Diskussionen um einen möglichen und später vollzogenen Rücktritt der Ratsvorsitzenden Annette Kurschus. Aber es gab noch andere Themen, über die die zeitzeichen-Redaktion aktuell  berichtet hat. Hier alle Texte auf einen Blick:

Klarheit ohne Entweder-Oder

Ratsvorsitzende Kurschus will in krisengeschüttelter Welt Hoffnung durch Glauben vermitteln

 

STEPHAN KOSCH

 

Zum Auftakt der EKD-Synode in Ulm hat die Ratsvorsitzende Annette Kurschus zu den großen gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart deutlich Stellung bezogen und dabei trotz aller Krise Hoffnung aus dem Glauben vermittelt. Die Synodalen klatschten Beifall. Kontrovers wurde es allerdings beim Thema Schwangerschaftsabbruch.

Die Zustandsbeschreibung ist nicht gerade ermutigend: „Selten war die Hoffnung so kleinlaut und schwindsüchtig, selten waren unsere Gewissheiten so labil und zerbröselt wie in diesen Zeiten, da sich Krise an Krise reiht und Unheil auf Unheil türmt.“ Annette Kurschus, Ratsvorsitzende der EKD, macht in ihrer Rede klar, dass die Welt, in der sich die 13. Synode zu ihrer vierten Tagung in Ulm trifft, vor großen Herausforderungen steht. Die dramatische Zuspitzung des Nahost-Konfliktes nach dem Terrorangriff der Hamas, der wieder offen zu Tage tretende Antisemitismus in Deutschland, die Debatte über den Umgang mit Asylsuchenden, der wachsende Rechtsradikalismus, die Debatte um Migrationspolitik, die an Schärfe zunimmt und nicht zuletzt die Klimakrise – die Welt brennt lichterloh. Und ausgerechnet jetzt beschäftigt sich die Synode mit dem Thema „Sprachfähigkeit im Glauben“?

Nicht ausgerechnet jetzt, sondern gerade jetzt: „Den Überschuss an Halt und Hoffnung und Gewissheit, der im Gotteslob schwingt und unser Tun beflügelt, bringt niemand in die Welt, wenn wir´s nicht tun.“ So formulierte es die Ratsvorsitzende gleich zu Beginn ihrer Rede, die alle genannten Punkte ansprach. Dabei zeigte sie im bekannten nachdenklichen, differenzierten und doch das klare Wort nicht scheuenden Kurschus-Sound Haltung. Und sie öffnete immer wieder auch Räume jenseits des gegenwärtig so oft geforderten „Entweder-Oder“.

Gegen Antisemitismus und Hass auf Muslime

Zum Beispiel mit Blick auf die Situation im Heiligen Land. Kurschus bezog klar Stellung, nannte die Hamas eine „antisemitische Terrororganisation“, und jeden Versuch, das Massaker vom 7. Oktober zu relativieren, Antisemitismus. Jedes „Ja, aber“ verharmlose, Israel habe das Recht, sich zu verteidigen, wie es jedem anderen Land auch zugestanden würde. Doch dann: „Es ist töricht, und darum mache ich dabei nicht mit, die Solidarität mit Israel und die Empathie für die palästinensischen Opfer in ein Entweder-Oder zu zwingen.“ Es bedeute keine Entsolidarisierung mit Israel, „wenn wir mit unseren christlichen Brüdern und Schwestern im Heiligen Land verbunden bleiben. Es ist keine Entsolidarisierung mit Israel, völkerrechtliches Augenmaß, humanitäre Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu fordern.“

Kein Entweder-Oder auch beim Kampf gegen den Antisemitismus im Inland, der nicht nur bei den anderen existiere. „Er kommt aus unserer christlichen Geschichte, er keimt auch in unserer Mitte, unter unseren Kirchenmitgliedern. (…) Lasst uns weiter dagegen arbeiten.“ Und dann sagte sie: „Lasst uns dabei dem antimuslimischen Ressentiment widerstehen! Auch das unbedingt.“ In der Debatte um Migration etwa tarne sich gegenwärtig „unverschämter Hass auf Muslime als Israelfreundlichkeit. In Wirklichkeit ist es purer Rassismus. Und unser Glaube drängt uns, dagegen sehr deutliche Worte zu sagen.“

Kritik an Scheinlösungen

Dem Thema Migration widmete sich Kurschus eine ganze Weile in ihrer Rede und übte Kritik an Bundeskanzler Olaf Scholz und den CDU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz – ohne diese freilich direkt beim Namen zu nennen.  „Wir werden niemals mitmachen, wo aus Angst vor weiteren Wahlerfolgen der AfD Scheinlösungen vorgetragen werden, die nichts austragen. Grenzkontrollen, Abschiebungen im großen Stil und ein paar Piesackereien, die Flüchtlingen das Leben schwerer machen sollen, lösen nichts, sie lösen lediglich noch mehr Ressentiments aus.“ Kurschus betonte: „Ich jedenfalls lasse mir die Barmherzigkeit nicht ausreden und werde andere weiterhin an die Barmherzigkeit erinnern.“ Und auch hier hinterfragte sie einen vermeindlichen Gegensatz, und zwar den zwischen „Idealisten“ und „Realisten“: „Wie realistisch ist eigentlich die Vorstellung, wir könnten uns die Wirklichkeit einer Welt, die lichterloh brennt angesichts globaler Konflikte und Kriege und einer sich zuspitzenden Klimakatastrophe, effektiv vom Halse halten?“

Streit um §218

Für all das, und auch für die theologischen Erläuterungen zur Thema „Apokalypse“ als „Protest- und Hoffnungsrede im Angesicht einer Welt, in der alles ins Chaos zu stürzen scheint“, gab es während der Rede und vor allem danach Zustimmung und langen Applaus, wenn auch weniger euphorisch als im letzten Jahr. Lag es vielleicht an den wenigen Zeilen, in denen Kurschus auf die Stellungnahme der EKD zur geplanten Reform der gesetzlichen Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch einging? „Wir ringen um eine verantwortliche, christlich gegründete Position, wenn es um die Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs außerhalb des Strafgesetzbuchs geht. Dazu haben wir eine Kommission auf den Weg gebracht, in der Argumente ausgetauscht und einer insbesondere innerkirchlich konsensfähigen Meinungsbildung zugeführt werden sollen.“

Mehr nicht. Tatsächlich beinhaltet aber die Stellungnahme der von der EKD berufenen Kommission zum Thema einen Paradigmenwechsel mit Blick auf die Rolle des Strafrechts beim Schwangerschaftsabbruch und sorgte für Kritik unterschiedlichen Inhalts. Der gemeinsame Weg mit der katholischen Kirche werde verlassen, die theologische Unterfütterung fehle, die Debatte an sich sei nicht transparent geführt worden, sondern einer Ad-Hoc-Kommission überlassen worden – so die Vorwürfe, die auch in der Aussprache zum Bericht der Ratsvorsitzenden wiederholt wurden.

Im Gespräch bleiben

Ratsmitglied Thomas Rachel, der sich bereits im Rat gegen die Stellungnahme ausgesprochen hatte, fragte, ob es sinnvoll sei, dass die evangelische Kirche zu Beginn der Beratung über mögliche Reformen einen „bewährten und tragfähigen Kompromiss“ in Frage stelle und beide Kirchen nun „in wesentlichen Lebensfragen getrennt voneinander gehen“. Er warnte vor möglichen Folgen eines abgestuften Lebensrechts im gesellschaftlichen Bewusstsein auch beim Thema Sterbehilfe und Umgang mit behinderten Menschen. Der Synodale Friedemann Kuttler bemängelte eine fehlende theologische Unterfütterung und betonte, dass der Maßstab für die Neuausrichtung nicht die gesellschaftliche Veränderung sein kann, sondern die „Nachfolge Jesu und die Bibel“. Und der Synodale Steffen Kern kritisierte mangelnde Stringenz mit Blick auf das jederzeit geltende Lebensrecht ungeborenen Lebens in der Stellungnahme, von der sich viele Evangelische nicht vertreten fühlten. Deshalb schloss er sich der Aufforderung des württembergischen Landesbischofs Ernst-Wilhelm Gohl an: „Lasst uns nochmal reden.“

Statt Kurschus reagierte auf diese Kritik zunächst die Stellvertretende Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs. Die EKD sei aus der Politik dezidiert um eine Stellungnahme zur rechtlichen Regelung gebeten worden, die eine Ad-Hoc-Arbeitsgruppe dann erarbeitet habe. Sie sei „ein erster Klärungsschritt.“ Der Grundansatz der Stellungnahme sei kein prinzipien-, sondern ein verantwortungsethischer. „Wir sollten Frauen in der Situation einer nicht gewollten Schwangerschaft nicht bestrafen, sondern sie unterstützen.“ Aber sie machte auch klar: „Es ist der Beginn der Debatte, nicht der Endpunkt.“

Der sächsische Landesbischof Tobias Bilz unterstützte Fehrs und machte klar: „Der Text spricht sich für den Schutz des ungeborenen Lebens aus.“ Und er verweise auf das Verantwortungsbewusstsein für das ungeborene Leben, nicht nur der werdenden Mutter, sondern auch das der gesamten Gesellschaft. Zur Kritik an dem abgestuften Lebensrecht verwies er auf die Erfahrung aus seiner eigenen Ehe, in der Schwangerschaften nicht zu einer glücklichen Geburt kamen. Und aus dieser Erfahrung könne er sagen, dass es einen Unterschied mache, zu welchem Zeitpunkt eine Schwangerschaft beendet werde. Er warb dafür, gemeinsam weiter über den Entwurf im Gespräch zu bleiben.

Auf Kurs

EKD-Synode berät über Kirchenfinanzen

 

KATHRIN JÜTTE

 

Die Finanzstrategie, die sich die EKD vor einigen Jahren gesetzt hat, um bis 2030 den Haushalt ausgeglichen zu halten, greift. Und der Haushalt für das kommende Jahr steht auch.

Von einem wohlgeordneten Haushalt 2024 spricht Andreas Barner, EKD-Ratsmitglied und zuständig für die Finanzen, bei der Einbringung des Gesetzes für den Haushalt 2024 bei der Ulmer Synodaltagung. Für das kommende Jahr 2024 umfasst der Haushalt der EKD, über den die Synode am Mittwoch abstimmen will, rund 250 Millionen Euro, drei Millionen Euro mehr als in diesem Jahr.

Auch 2022 konnten die evangelischen Landeskirchen ein Plus in den Einnahmen aus Kirchensteuern verzeichnen, insgesamt 6,24 Milliarden Euro, was einen Anstieg von 4,1 Prozent gegenüber 2021 bedeutet. „Das ist der Beitrag der Kirchensteuerzahler, der in unser Gemeinwesen hineinwirkt“, sagt Barner. Und, dass Kirchensteuer wirke. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den Internetauftritt der württembergischen Landeskirche unter www.kirchensteuer-wirkt.de. Auch andere Landeskirchen demonstrierten mit ihrer Finanzkommunikation, wofür sie die Mittel einsetzen. Der EKD-Haushalt kommt aus den Umlagen der evangelischen Landeskirchen zusammen, die wiederum abhängig von den Kirchensteuereinahmen sind. Für 2024 ist eine Erhöhung der Umlage um 1,18 Prozent vorgesehen. Diese errechnet sich aus dem Durchschnitt der Einnahmen aus den vergangenen drei Haushaltsjahren.

Was hat Vorrang?

Doch das eine ist der aktuelle Haushalt, das andere die Umsetzung der neuorientierten Finanzstrategie der EKD. Denn die Synodalen hatten sich 2020 eine mittelfristige Finanzplanung bis 2030 zu eigen gemacht. Der Grund: Prognosen zufolge soll sich die Mitgliederzahl der Evangelischen Kirche bis 2060 halbieren. Das bedeutet auch eine deutliche Reduktion der Kirchensteuereinnahmen. Dazu kommt, so Barner, die Inflation, die auch dazu führt, dass die Kirchensteuerkraft sinke. Darauf habe man sich seit geraumer Zeit eingestellt.  Ziel sei es, unter den gegebenen wirtschaftlichen Umständen den Haushalt der EKD bis 2030 ausgeglichen zu halten. „Wir sind auf Kurs“, sagt der Finanzexperte. Die Einsparprogramme aus der sogenannten konsolidierten Liste werden weitgehend planmäßig umgesetzt, der Risikopuffer von vier Prozent wird nicht überschritten, betont er in seinem Bericht zur Umsetzung der neuen Finanzstrategie.

Denn wie gesagt: Bis 2030 will die EKD nach jetzigem Stand 17 Millionen Euro weniger ausgeben als noch 2019. Und Barner ruft noch einmal die Fragen der Priorisierungen ins Gedächtnis: „Was hat Vorrang? Was dient der gemeinsamen Aufgabenbewältigung der Gliedkirchen? Was dient der Mitgliederbindung und der -gewinnung? Was dient als Voraussetzung für die öffentliche Präsenz der Evangelischen Kirche?“

Sanierungskosten für Kirchenamt

Der Vorsitzende des ständigen Haushaltsausschusses der Synode der EKD Christian Weyer erläutert anschließend in seinem Bericht: „Belastend wirken jedoch die Abweichungen von den Zielvorgaben für die Pauschalverträge der GEMA Musiknutzung, VG Wort und VG Musikedition.“ Nach heutigem Planungsstand werde sich eine Abweichung von mindestens 2,15 Millionen Euro ergeben. Der in der neuen Strategie enthaltene Risikopfuffer von vier Millionen Euro werde durch diese Verträge nun in Höhe von 2,15 Millionen verzehrt. „Der verbleibende Risikopuffer beträgt daher 1,85 Millionen Euro, so dass dieser insgesamt nicht überzogen wird.“

Ein Blick in die Mittelverwendung des Haushaltes zeigt: Die Kosten für die Personalplanung steigen aufgrund von Tarifvertragssteigerungen. Desweiteren wird das Kirchenamt der EKD in Hannover ab dem kommenden Jahr umfassend saniert; die Baumaßnahmen werden vier Jahren in Anspruch nehmen. Dafür wurden „im Ergebnishaushalt 2024 3,5 Millionen Euro veranschlagt“. Und „zusätzlich 4,5 Millionen im Investitionshaushalt“. Im „Handlungsbereich Recht“ steigen die so genannten Planansätze um drei Millionen. Dabei geht es um ein Plus von 33 Prozent bei der Arbeitssicherheit und im Gesundheitsschutz, den „Aufwendungen für die Berufsgenossenschaft“ und den Urheberrechtlichen Pauschalentgelten.

Noch wirksam, aber reformbedürftig

KMU VI: Mitglieder erwarten grundlegende Veränderungen von ihren Kirchen

 

STEPHAN KOSCH

 

Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, weil auch die Religiosität in der Bevölkerung insgesamt abnimmt. Diese, nicht ganz unumstrittene Schlussfolgerung aus der neuen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU VI), die auf der EKD-Synode in Ulm vorgestellt wurde, bedeutet aber nicht, dass Katholiken und Protestanten sich gesellschaftlich zurückziehen sollten. Im Gegenteil: Die Mitglieder und auch die Konfessionslosen erwarten soziales und politisches Engagement. Und grundlegende Reformen.

„Wir müssen alle auch bereit sein, uns irritieren zu lassen“, stimmte Edgar Wunder vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD auf den dann folgenden Vortrag ein. Er und sein Kollege Christopher Jacobi stellten den Synodalen in Ulm am Dienstagmorgen erste Ergebnisse der aktuellen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU VI) vor. Alle zehn Jahre werden die Kirchenmitglieder und Konfessionslose befragt, diesmal erstmalig auch katholische Christen und Christinnen. Deshalb ist die Datenmenge besonders groß, den knapp 5.300 Befragten wurden 592 Fragen gestellt. Die detaillierte Auswertung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, aber erste Erkenntnisse aus der Studie konnten Wunder und Jacoby den Synodalen vorstellen.

Dazu zählt: Nicht nur die Kirchenbindung in der Bevölkerung geht zurück, sondern auch die Religiosität insgesamt. 43 Prozent der Deutschen gehören derzeit keiner Konfession an, doch ihr Anteil wächst um gut ein Prozent pro Jahr. Ab Ende der 2020er-Jahre werden die Kirchmitglieder also spätestens in der Minderheit sein. Bereits jetzt aber sind 56 Prozent der Bevölkerung als „Säkulare“ zu bezeichnen, zu ihnen zählen interessanterweise auch etwa ein Drittel der Kirchenmitglieder. 13 Prozent sind die kirchlich-religiös, 25 Prozent religiös-distanziert und nur sechs Prozent sind Anhänger alternativ-religiöser Praktiken (Wahrsagerei u.ä.), Tendenz noch deutlicher sinkend als bei kirchlich gebundenen Menschen (lesen Sie  dazu auch die methodische Kritik an der Studie von drei Mitgliedern ihres wissenschaftlichen Beirates).

Eine weitere Erkenntnis: Unter den Kirchenmitgliedern verschwinden die konfessionellen Profile. „Wir treten ein, in eine postkonfessionelle Situation“, sagte Edgar Wunder. In vielen zentralen christlichen Aussagen näherten sich Katholik*innen und Protestant*innen an. Das gilt auch für religiöse Handlungen wie dem tägliches Gebet, dass auf beiden Seiten noch etwa 15 Prozent der Mitglieder praktizieren. Unterschiede gibt es ein wenigen Punkten, etwa bei der Teilnahme an Wallfahrten (eher katholisch) oder dem Wertlegen auf eine gute Predigt (eher evangelisch). Auch bei der dritten Erkenntnis sind beide Kirchen in ähnlicher Situation: Die Mitglieder haben große Reformerwartungen. Unter evangelischen Christ*innen stimmen 80 Prozent der Aussage zu, dass die Kirche sich entschieden verändern muss, um zukunftsfähig zu bleiben, unter katholischen sind es fast 100 Prozent. Mit den bislang eingeleiteten Reformen sind die Protestanst*innen allerdings deutlich zufriedener als die ihre katholischen Brüder und Schwestern.

Doch trotz aller Kritik von außen und innen und der abnehmenden Religiosität, besitzen beide Kirchen weiterhin eine hohe soziale Reichweite, so die Studie. Drei von vier Menschen ist die Pfarrperson der eigenen Gemeinde bekannt, den wenigstens wohl durch einen regelmäßigen Gottesdienstbesuch. Und Kirchenmitglieder engagieren sich überdurchschnittlich ehrenamtlich nicht nur in der Kirche. Das korrespondiert mit der Erkenntnis, dass Kirchen weiterhin über „wirksame Handlungsmöglichkeit innnerhalb dominanter gesellschaftlicher Trends“ verfügen. Diakonie und Caritas genießen ein sehr hohes Vertrauen in der Gesellschaft, die evangelische Kirche (separat von der Diakonie betrachtet) liegt in diesem Punkt noch vor den politischen Parteien und der katholischen Kirche, wenn auch hinter der Bundesregierung.

Diesen Einfluss sollte sie nutzen, meint die Mehrzahl der Befragten, etwa für den Einsatz für geflüchtete Menschen und für den Klimaschutz. Solches Engagement und die Beschäftigung auch mit nicht im engeren Sinne religiös konnotierten Themen erwarten zwei von drei Kirchenmitgliedern. Die oft kolportierte These , dass die Kirchen Mitglieder verlieren, weil sie sich zu politisch äußern, bestätigt die KMU nicht. Dieser Grund war der am wenigsten genannte bei denjenigen, die aus der Kirche ausgetreten sind, deutlich öfter sei zu wenig politisches Engagement als Motivation für den Kirchenaustritt genannt worden. Insofern, so Jacoby und Wunder, wäre es ein Fehler, wenn die Kirchen die Kirchen ihre Kommunikation auf religiöse Fragen beschränken würde. Weitere Information zur KMU VI sind zu finden auf der Website kmu.ekd.de.  Mitte Mai 2024 erscheint ein wissenschaftlicher Begleitband mit vertiefenden Auswertungen, Anfang 2025 ein Diskussionsband zu den Schlussfolgerungen, die aus den KMU-Ergebnissen gezogen werden können.

Gemeinsam auf schwerem Weg

Mitglieder des Beteiligungsforums Sexualisierter Gewalt berichten vor der EKD-Synode in Ulm

 

KATHRIN JÜTTE

 

Einheitliche Anerkennungsverfahren, regionale Aufarbeitungskommissionen und die Vernetzungsplattform BeNe: Mitglieder des Beteiligungsforums Sexualisierter Gewalt berichten während der Synodaltagung in Ulm über Fortschritte und Neuerungen ihrer Arbeit.

Der Applaus kommt verhalten. Sicher nicht, weil er keine Unterstützung oder Zustimmung signalisieren will, sondern weil die Frage im Raum steht: Darf man klatschen, wenn eine von sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche betroffene Frau offen über ihre Sprachlosigkeit, ihr Verstummen spricht. Und davon, dass für Betroffene Sprache Kampf ist, denn „was Worte hat, wird wahr, tut weh“? Wenn sie die Wortgewalt und Wirkmacht der Täter dagegen hält?

Christiane Lange ist Mitglied des Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt. Sie führt am Dienstagnachmittag vor den EKD-Synodalen in Ulm mit sehr persönlichen Worten in den jährlichen Bericht des Forums ein und geht noch einen Schritt weiter. „Nun seid Ihr dran, auszuhalten. Nicht leugnen, nicht bagatellisieren, seid da, hört zu, lasst reden, lasst uns benennen, ohne Widerspruch, zeigt Mitgefühl, erkennt an, die Last, den Schmerz, nehmt ernst und helft, aus tiefstem Herzen.“ Damit nimmt sie die EKD-Synodalen von Beginn an in die Pflicht.

Sechs Arbeitsgruppen

Seit nunmehr eineinhalb Jahren arbeiten die Mitglieder im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt in dieser neuen Form, um Aufklärung, Aufarbeitung und Prävention im Bereich der evangelischen Kirche voranzubringen. Das Konzept, die verbindliche Mitarbeit der Betroffenen an allen Entscheidungen und Schritten zur Aufarbeitung von und zum Schutz vor sexualisierter Gewalt zu verbürgen, scheint gelungen. „Das Beteiligungsforum läuft stabil“, sagt denn auch Detlev Zander, Sprecher der Betroffenenvertretung im Beteiligungsforum, in seinem Bericht vor der Synode. Neben acht Betroffenen gehören dem Forum leitende Geistliche und Kirchenjuristen sowie die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, die EKD-Bevollmächtigte Anne Gidion, Maria Loheide von der Diakonie Deutschland sowie Vertreter der Landeskirchen und der zuständigen EKD-Fachstelle an.

Doch wie arbeitet das Beteiligungsforum? Detlev Zander benennt in seiner Rede insgesamt sechs Themen-Arbeitsgemeinschaften (AGs), in denen Entscheidungen, die Verbesserungen für betroffene Personen und eine systematische Aufarbeitung gewährleisten, gefällt werden. Ein Beispiel: Eine AG, die sich mit Disziplinarverfahren beschäftige, arbeite derzeit an einem konkreten Gesetzentwurf. Der Beginn des formellen Gesetzgebungsverfahren sei für das Frühjahr 2024 vorgesehen, kündigt Detlev Zander an.

Oder die Anerkennungsverfahren: „Denn die Anerkennung erlittenen Unrechts ist keine Frage, in der die oft zitierte evangelische Vielfalt gelebt werden kann“, macht Zander in seinem Bericht gleich zu Beginn deutlich. Gerade hier brauche es einheitliche und betroffenensensible Verfahren, an deren Ende eine angemessene Leistung steht, die nach verbindlichen und transparenten Standards festgelegt werde.

Zentrale Norm

Unterstützung vor den Synodalen bekommt Zander von Kirsten Fehrs, stellvertretende Ratsvorsitzende und Mitglied im Beteiligungsforum. Fehrs stellt in Ulm die Reformvorschläge der AG Anerkennung vor: „Vergleichbarkeit und Vereinheitlichung brauchen wir dringend“, sagt die Hamburger Bischöfin. Das Ziel, mit der Musterordnung einheitliche Standards für die Landeskirchen und die diakonischen Verbände geschaffen zu haben, wurde nicht erreicht.  „Wir möchten daher eine zentrale rechtliche Norm auf EKD-Ebene schaffen, mit der Verfahren, Leistungen und Kommissionen in der Zusammensetzung gemeinsam einheitlich geregelt werden.“ Ferner sollen die Betroffenen „vorbehaltlos“ angehört, informiert und begleitet werden, und es soll ein Recht auf ein Gespräch geben. Dazu kommt: Die Kommissionen sollen mehrheitlich mit kirchenexternen Fachpersonen besetzt werden. Und schließlich müssen die Leistungen, wie auch von Zander gefordert, im Rahmen „eines einheitlichen Leistungsmodells und nach einheitlichen Bemessungskriterien“ zuerkannt werden.

Bemerkenswert ist der Erfolg aus der AG „Aufarbeitung“, den die Sprecherin der Beauftragten im Beteiligungsforum, Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, benennt. Die „Gemeinsame Erklärung zwischen der Evangelischen Kirche und der Diakonie mit der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Kerstin Claus, und der bei ihr angesiedelten AG „Aufarbeitung Kirchen“ sei unterschriftsreif und werde am 13. Dezember in Berlin gemeinsam unterzeichnet.

Ziel dieser Vereinbarung ist, verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt im Raum von Evangelischer Kirche und Diakonie zu entwickeln und verbindlich festzuschreiben. Unabhängige regionale Aufarbeitungskommissionen sollen dafür im Bereich der Evangelischen Kirche geschaffen werden. Alle Landeskirchen und diakonischen Landesverbände haben sich zu neun Verbünden zusammengeschlossen. Und: Jeder der neun Verbünde wird eine Aufarbeitungskommission einrichten. Auch dafür gibt es klare Regeln und Vereinbarungen.

Studie "wird wehtun"

Fundierte Erkenntnis über systemische Faktoren, die es Tätern ermöglicht haben, kirchliche und diakonische Schutzräume zu missbrauchen, erhofft sich Dorothee Wüst von der für Ende Januar angekündigten Studie ForuM. Aber sie sagt auch: „ForuM wird weh tun. Wir werden alte Gewissheiten, gewohnte Strukturen und eingeübte Verhaltensweisen überdenken und verändern müssen, ForuM wird uns noch einmal neu, schwarz auf weiß, in Zahlen, Daten und Fakten das von Menschen in unserer Kirche erfahrene Unrecht vor Augen führen.“

Wie wichtig es ist, Worte für dieses Unrecht zu finden, es zu benennen, sich verständlich zu machen, sein Mitgefühl auszudrücken, auch das Leid zu benennen, darauf macht Nancy Janz aufmerksam. Sie ist Sprecherin der Betroffenenvertretung im Beteiligungsforum. Die Vernetzungsplattform BeNe, von Betroffenen für Betroffene konzipiert, soll dabei ein Baustein sein, in dem Betroffene „erst einmal ganz für sich, anonym eine Orientierung bekommen können“. Und vielleicht gehe es darum, Worte zu finden, um überhaupt benennen zu können, was ihnen geschehen ist: Missbrauch an Leib und Seele.

In Foren können sich Betroffene mit anderen Betroffenen austauschen, in öffentlichen Foren Informationen finden oder sich erstmal vertraut machen mit diesem Medium, ergänzt Christiane Lange. Für die Sicherheit in den Foren sollen eine „Hausordnung“, diverse Sicherheitsmaßnahmen und eine Moderation sorgen.

Sicher, der digitale Raum hat seine Grenzen, dessen ist man sich im Beteiligungsforum bewusst. Aber er kann gegen Vereinzelung helfen und Sprachfähigkeit fördern.Das alles wird nicht von heute auf morgen umzusetzen sein, es bedarf der Gremienbeschlüsse und auch nötiger Finanzen. Doch trotz allen Schwierigkeiten und Kontroversen ist Detlev Zander nach wie vor überzeugt: „Diese Form der Beteiligung ist einzigartig.“

Instrumente zum Überleben

Auf der Tagung der EKD-Synode in Ulm wirken die Ansichten zum Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten unversöhnlich

 

PHILIPP GESSLER

 

Die Synodalen der 4. Tagung der 13. EKD-Synode hörten in Ulm ganz Unterschiedliches zum Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten: Pfarrer Oleksandr Gross, Präsident der Synode der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine, forderte Waffen zum Überleben seines Landes. Dagmar Pruin, Präsidentin von „Brot für die Welt“ und der „Diakonie Katastrophenhilfe“, rückte dagegen das Leid der Zivilbevölkerung in den derzeitigen Kriegen in den Vordergrund. Und was hatte Bischof Friedrich Kramer als Friedensbeauftragter des Rates der EKD beizutragen?

Das Rathaus von Ulm, einem mit Szenen aus der Stadtgeschichte üppig geschmückten Gebäude aus der Frührenaissance, hat seit wenigen Wochen einen neuen Schmuck – oder ist dies überhaupt Schmuck? Neben der blau-gelben ukrainischen schmückt nun auch die weiß-blaue israelische Flagge die Touristenattraktion in der alten Reichsstadt, deren historische Altstadt im Zweiten Weltkrieg zu über 80 Prozent zerstört wurde. Ein Synodaler der 4. Tagung der 13. Synode der EKD im Congress Centrum Ulms, 900 Meter entfernt, verweist während einer öffentlichen Aussprache im Plenum mit Wohlwollen auf die demonstrative Beflaggung des Rathauses. Es ist ein Zeichen der Solidarität mit Staaten, die überfallen worden sind und sich verteidigen müssen. Mit Gewalt. Und mit Waffen.

Das ist ein Problem für die Evangelische Kirche in Deutschland, die sich in den vergangenen Jahren auf einen stark pazifistischen Kurs begeben hat: Die Lehre von einem Gerechten Krieg wurde mehr oder weniger deutlich verworfen, ein Gerechter Frieden soll es richten. Das war zumindest bis zum Überfall Russlands auf die Ukraine im Frühjahr vergangenen Jahres die offizielle Linie der deutschen Volkskirche protestantischer Prägung mit ihren rund 19 Millionen Mitgliedern. Was das konkret bedeutet? Nach der hartnäckig vertretenen Ansicht von Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und Friedensbeauftragter des Rates der EKD, nicht zuletzt dies: Die Bundesrepublik sollte keine Waffen an die Ukraine liefern, damit diese sich gegen Russland verteidigen kann.

Mehr als umstritten

Das ist in der EKD mehr als umstritten. Aber Kramers Position bleibt seit mehr als anderthalb Jahren grundsätzlich so, wie sie ist – und ihr widersprach nun auf der Synodaltagung in Ulm deutlich jemand, der da mitreden kann: Pfarrer Oleksandr Gross aus Odessa. Der Präsident der Synode der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine sagte am Montagmorgen im Plenum der Synode: Man brauche in der Ukraine „Instrumente, die im Krieg nötig sind – ohne die können wir uns nicht schützen“.

Das war noch etwas zurückhaltend formuliert. Bei einer Pressekonferenz am gleichen Tag wurde Pfarrer Gross, angesprochen auf Kramers Position als Friedensbeauftragter der EKD, deutlicher: Er unterstrich zwar, in dieser Frage seien „alle Meinungen wichtig“, fügte aber hinzu, ohne Waffen „werden wir nicht überleben“. Nur wenn Russland den Krieg stoppe, sei er noch am gleichen Tag vorbei.

Es gehe hier um die Geschichte ganz Europas, so Pfarrer Gross. Man solle der Ukraine helfen wie in einer großen Familie, denn sein Land sei Teil der europäischen Familie. Die Ukraine habe nur zwei Ziele, nämlich trotz des Überfalls Russlands als Staat weiter zu existieren – und womöglich die von Putin geraubten Gebiete wieder zu befreien. Der zeitgleiche Krieg im Nahen Osten könne womöglich in etwa einem Monat beendet sein, während der Krieg in der Ukraine voraussichtlich dann noch andauern werde. Er hoffe, dass dann auch die Aufmerksamkeit der Welt wieder stärker auf der Ukraine ruhen werde. Gross sagte, er könne verstehen, dass manche in Europa schon „müde“ seien angesichts der immer wieder kommenden Bilder und Nachrichten aus dem osteuropäischen Kriegsgebiet. Aber hier gehe es nun einmal um die gemeinsame Geschichte Europas.

Mitleidlosigkeit macht sprachlos

Stand bei Gross verständlicher Weise der Krieg im eigenen Land im Vordergrund, war es bei Dagmar Pruin eher der Krieg im Nahen Osten. Die Präsidentin von „Brot für die Welt“ und der „Diakonie Katastrophenhilfe“ verurteilte vor dem Plenum der Synode den „genozidalen Überfall“ der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf Israel Anfang Oktober. Dabei wurden über 1.200 Bürgerinnen und Bürger Israels sowie Sicherheitskräfte auf oft bestialische Weise ermordet oder im Kampf getötet. Mehr als 5.400 Menschen wurden verletzt. Rund 250 Israelis wurden von der Hamas in den Gazastreifen entführt, darunter viele alte Menschen und Kinder. Seitdem versucht die israelische Armee, die Hamas mit einer Bodenoffensive im Gazastreifen auszuschalten. Dabei kommen viele unbeteiligte palästinensische Zivilisten ums Leben oder werden verwundet, auch weil sie und ihre Häuser von der Hamas als menschliche Schutzschilde missbraucht werden.

Dagmar Pruin sagte auf der Synodaltagung in Ulm, sie mache immer wieder die „Mitleidslosigkeit“ sprachlos, die sie angesichts des Schreckens im Nahen Osten hierzulande erlebe. Die humanitäre Situation im Gazastreifen sei katastrophal. Die nötige Solidarität mit Israel dürfe kein „Ja, aber“ sein, aber schon ein „Ja – und“. Die Hilfe ihrer beiden Organisationen im Nahen Osten unterstütze alle Bedürftigen dort. Man gehe dabei mit höchsten Qualitätsstandards vor, damit die Hilfe nicht in falsche Hände gelange. „Brot für die Welt“ und die „Diakonie Katastrophenhilfe“ leisteten in vielen Ländern der Welt Hilfe, unter anderem auch in der Ukraine und im Südsudan. Ihre Sorge sei, so Pruin, dass nun viele Kriege auf der Welt nicht mehr die nötige mediale Öffentlichkeit erhielten. Ihr Redebeitrag wurde von den Synodalen mit viel Beifall bedacht.

Wie hat nun der EKD-Friedensbeauftragte die neue Situation zweier zeitgleicher Kriege auf der Synode gewertet? Unmittelbar nach dem Hamas-Massaker Anfang Oktober hatte Friedrich Kramer erklärt: „Die Gewalt gegen Zivilisten und die unzähligen Opfer sind durch nichts zu rechtfertigen.“ Und: „Dieser terroristische Angriff durch die Hamas ist entschieden zu verurteilen.“ Der Landesbischof unterstrich sogar: „Mit Terror kann es keinen Frieden geben.“ Eine leichte Bewegung war bei Kramer auch in der Frage der Waffenlieferungen an die Ukraine zu beobachten. In einem evangelisch.de-Interview während der Synodentage sagte er: „Diese Frage zerreißt uns, man kann sie nicht eindeutig beantworten.“ Aus Sicht der EKD sei es keine Bekenntnisfrage, „ob man sich für oder gegen Waffenlieferungen ausspricht, sondern eine Frage der vernunftbasierten ethischen Güterabwägung“. Zum Gaza-Krieg sagte Kramer lediglich, man solle „auch der Trauer um Opfer der Zivilbevölkerung in Gaza Raum geben“.

Friedensvision der Bibel

Immer wieder verschoben wurde im Plenum der Synode Kramers Bericht über die Arbeit der „Friedenswerkstatt“, die die Kirchenversammlung im vergangenen Jahr bei ihrer Tagung in Magdeburg eingesetzt hatte – auch um in einem aufwendigen und langjährigen Prozess vielleicht zu neuen Antworten auf die große Frage nach Krieg und Frieden zu kommen. Spricht es für das brennende Interesse der Synodalen, wenn dieses Thema fast bis an das Ende der Zusammenkunft in Ulm geschoben wurde, weil anderes offenbar wichtiger war? Wie auch immer, jedenfalls erklärte Kramer vor den Kirchenparlamentariern am späten Dienstagnachmittag: Er werde sich in seinem Bericht nicht an den Konfliktfeldern der Erde entlang hangeln, sondern sich auf die bisherige Arbeit der „Friedenswerkstatt“ konzentrieren.

Aber ganz konnte sich Kramer eine Bemerkung zu den Kriegen in der Ukraine und im Heiligen Land dann doch nicht verkneifen. Auch hier sei das biblische Prinzip „Schwerter zu Pflugscharen“ nicht „Schnee von gestern“, so Kramer. Die Friedensvision der Bibel bleibe das Zielbild der Kirche. Nach seinem Eindruck sei nach den bisherigen Tagungen der „Friedenswerkstatt“ das Leitbild des Gerechten Friedens weiterhin tragfähig. Dies erfordere aber noch weitere und präzisere Überlegungen. Was das am Ende bedeutet, wird man voraussichtlich erst in einigen Jahren wirklich beurteilen können. Nur eine Synodale hatte danach das Verlangen, etwas zu Kramers Bericht zu sagen. Es war ein Lob zum Verfahren der „Friedenswerkstatt“. Mehr Redebedarf war nicht

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.

Foto: Rolf Zöllner

Stephan Kosch

Stephan Kosch ist Redakteur der "zeitzeichen" und beobachtet intensiv alle Themen des nachhaltigen Wirtschaftens. Zudem ist er zuständig für den Online-Auftritt und die Social-Media-Angebote von "zeitzeichen". 


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