Teuflische Eingebungen

Ein Punktum
Foto: privat
Es bleibt doch irgendwie unbefriedigend, dass weder Stalin noch Hitler oder Idi Amin, um nur drei aus einer unendlichen Liste zu nennen, in der Hölle - na, vielleicht nicht schmoren, aber doch einsitzen sollen. Ließe sich da nicht eine Ausnahmeregelung treffen?

Die Hölle ist schon lange geschlossen, der Teufel wurde zum Teufel gejagt. Jedenfalls protestantischerseits. Wie konnte es dazu kommen?

Am ehesten handelte es sich wohl um einen eklatanten Fall von Missmanagement. Viel zu lange hielt man in leitenden Höllenkreisen an alten Repräsentationsformen fest - dabei ließ sich schon lange mit Halloween-Klamauk à la Pferdefuß und Schwefelgestank kein Blumentopf des Bösen mehr gewinnen.

Oder wird die List des Teufels sträflich unterschätzt? Wer weiß schon, welche Elixiere er da unten zusammenbraut? Ein Parfum vielleicht, dessen diskreter Duft bewirkt, dass kein Mensch mehr an den Bösen glaubt? Wenn letzteres aber genau in seinem Plan liegt? Wenn es das Ergebnis eines höchst erfolgreichen Reformprogramms ist? Indem zum Beispiel teuflische Kernkompetenzen outgesourct wurden? Allerdings: An Menschen, die anderen die Hölle auf Erden bereiten, war ja noch nie Mangel. Für die wenigstens wird ja wohl ein Plätzchen in der Originalhölle bereit gehalten werden. Schließlich lassen sie es sich hienieden allzu oft gut gehen.

Aus nachaufklärerischen Humanitätsmaßstäben wären allenfalls Bedenken gegenüber den traditionellen Höllenstrafen, wie sie durch Dante vermeldet wurden anzumelden. Sie sind natürlich nicht mehr haltbar. Eine Reform der Strafpraxis wäre unbedingt zu fordern - wenn man nicht fundamentale Kritik an jedem jenseitigen Strafprinzip üben will. Schließlich ist schon der Umstand, dass der Strafvollzug ausgerechnet der Agentur überlassen bleiben soll, die mit satanischer Energie die Menschen zu Straftaten verführt, inakzeptabel.

Aber, wie gesagt, die Hölle ist geschlossen, die Idee, dass sie heimlich weiter betrieben wird, ganz unbewiesen. Viele Christen glauben heute ohnehin lieber an die Apokatastasis, die All-Erlösung: Gott nimmt alle Menschen an, auch die übelsten Sünder.

Aber so mild diese Vorstellung auch eingeht - es bleibt doch irgendwie unbefriedigend, dass weder Stalin noch Hitler oder Idi Amin, um nur drei aus einer unendlichen Liste zu nennen, in der Hölle - na, vielleicht nicht schmoren, aber doch einsitzen sollen. Ließe sich da nicht eine Ausnahmeregelung treffen? Könnten solche Typen nicht doch bitte irgendwie weggesperrt werden, sei es auch im Rahmen eines modernen, höllisch humanen Strafvollzugs, in einer gründlich renovierten Hölle, bei mäßiger Hitze und moralisch einwandfreien Freizeitangeboten? Aber geheim darf die Hölle nicht sein - würde sie bei noch so bescheidenem Umfang geleugnet, wäre sie jedweder Kontrolle entzogen. Und das wäre nun wirklich nicht in Ordnung.

Helmut Kremers

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