Immer wieder Bielefeld-Panik

Punktum
Foto: Rolf Zöllner

Bielefeld? Jetzt werden Sie denken, es kommt dieser abgestandene Witz, dass es die propere Stadt im Ostwestfälischen gar nicht gäbe – Har Har, respektive LOL. Nein, nein, spätestens seit das Bielefelder Stadtmarketing diesen schalen Gag ausschlachtet, ist das vorbei. Lesen Sie ansonsten dafür den einschlägigen Wikipedia-Artikel „Bielefeld-Verschwörung“. Und Bielefeld, die propere, lebenslustige und dabei recht geerdete Stadt existiert natürlich. Das aber genau ist das Problem. Denn Bielefeld ist auf der ICE-Trasse Köln/Düsseldorf – Berlin von Westen her gesehen der letzte Halt vor meinem Feierabend-Lebensmittelpunkt Hannover. Da mein Arbeitsort Berlin ist, steige ich in der Regel in Hannover in den Zug nach Berlin.

Mit Bielefeld habe ich also in der Regel nichts zu schaffen, und trotzdem befällt mich in Abständen wieder ein blitzartiger Angstzustand, den ich als „Bielefeld-Panik“ bezeichnen möchte. Ursprung dieses Phänomens waren Bauarbeiten in Hannover vor einigen Jahren, die es mit sich brachten, dass die ICEs von und nach Berlin am selben Bahnsteig einliefen, also gleichsam vis a vis zum Halten kamen und das auch noch zu exakt derselben Ankunfts- und Abfahrtszeit (Minute 28 und 31).

Diese Synchronizität fällt normalerweise nie auf, weil sie sich eben sonst an verschiedenen Bahnsteigen abspielt. In diesem Falle aber liefen beide ICEs ziemlich exakt zur gleichen Zeit ein, und ich stieg verträumt in den falschen! Dessen wurde ich erst gewahr, während ich dachte: „Na, nun müsste Wolfsburg ja mal bald kommen“, und die Durchsage kam: „In wenigen Minuten erreichen wir … Bielefeld!“ Oops, ich erschrak, musste dann schnell lachen, denn an diesem Tag kam es echt nicht drauf an. Ich stieg in Bielefeld aus, nahm den nächsten Ostlandzug und kam zwei Stunden später in Berlin an.

Aber es gibt auch andere Tage. Da möchte oder muss ich gar pünktlich in Berlin sein, was zumeist – das sei zur Ehrenrettung der Deutschen Bahn ausdrücklich gesagt– auch funktioniert. Aber was immer seltener funktioniert ist der Anzeigemonitor im Wagon. Wie oft steige ich in Hannover ein, fahre los und dann fällt mein Blick auf einen Monitor, auf dem steht: „Nächster Halt … Bielefeld“! Kreisch, da ist sie, die Bielefeld-Panik! Dann durchwirbeln mich Gedankensplitter wie „Oh mein Gott, gerade heute, bitte nicht! Warum immer ich? Wieso ist der Zug nach Westen auf einmal von meinem „Ostgleis“ 9 abgefahren? Verflixt, was jetzt?“ Erst in der Sekunde drauf realisiere ich dann, dass wieder einmal – und das passiert leider wirklich immer häufiger – die Monitoranzeige spinnt. Uff, Glück gehabt, wieder mal Bielefeld-Panik umsonst geschoben. Aber bitte, bitte liebe Bahn, höre mein Flehen: Sorge dafür, dass die Monitore in den Wagons funktionieren oder schalte sie ab! Ich bin deutlich über Fünfzig und weiß nicht, wie lange mein Herz solche Panikattacken noch mitmacht …

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