Zerrissene Landeskirche

Impressionen von der VELKD-Generalsynode in Dresden
Foto: Privat

Zum Auftakt der EKD-Synode in Dresden tagte dort vom 7.bis zum 9. November die Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der sieben Mitgliedskirchen der EKD angehören.

„Frieden“ ist das Schwerpunktthema der Synoden von VELKD und EKD. Und das passt in zweifacher Weise zum Tagungsort. Wenn die Synodalen aus dem Saal des Kongresszentrums über die Elbe sahen, erblickten sie den Turm der Dreikönigskirche. Dieser blieb stehen, während das Kirchenschiff wie andere Kirchen beim Luftangriff auf das Elbflorenz zerstört wurde, der im Februar vor 75 Jahren passierte.

Unfrieden herrscht in der sächsischen Landeskirche, die zur VELKD gehört. Deren Bischof Carsten Rentzing trat kürzlich zurück. Dazu äußerte sich der Leitende Bischof der VELKD Ralf Meister (Hannover) in Dresden. In seinem Bericht vor der Synode erinnerte er an die „zentrale Rolle“, die leitende Geistliche „für die öffentliche Repräsentanz“ der Kirche spielen. Meister erwähnte in diesem Zusammenhang, dass das Kirchenamt der sächsischen Landeskirche Äußerungen, die Rentzing lange vor seiner Tätigkeit als Bischof gemacht hatte, „elitäres, in Teilen nationalistisches Gedankengut bescheinigt“. Rentzings Rücktritt zollte Meister „Respekt“, bedauerte aber, dass dieser sich zu den Vorwürfen in der Öffentlichkeit nicht geäußert habe. Der sächsische VELKD-Synodale Til Vosberg kritisierte, dass Meister keine eigene Bewertung vorgenommen, sondern sich nur auf das Landeskirchenamt bezogen habe. Und er beklagte die „Zerrissenheit in unserer Landeskirche“. Der Konflikt über Rentzings Äußerungen wird überlagert vom Gegensatz zwischen konservativen und liberalen Gemeinden.

Über den Frieden in der Sicht Martin Luthers und der Lutheraner referierte Hans-Richard Reuter. Er wies darauf hin, dass schon Luther gefordert habe, die untergeordnete Instanz müsse um des Friedens willen die Rechtsprechung der übergeordneten akzeptieren, was sich im modernen Völkerrecht durchgesetzt habe.

Seit ihrer Gründung 1948 hat die VELKD ein starkes Augenmerk auf Frage des Gottesdienstes gerichtet. In Dresden zeigt Alexander Deeg, der an der Universität Leipzig Praktische Theologie lehrt und dort das Liturgiewissenschaftliche Institut der VELKD leitet, dass das Wort „Frieden“ den Gottesdienst durchzieht, vom Friedensgruß vor dem Abendmahl bis zu den Abschnitten der Bibel, die in der Predigt ausgelegt werden. Er warnte davor, den Gottesdienst als Mittel zur Friedenserziehung einzusetzen. Vielmehr lasse dieser diejenigen, die ihn feiern, am „Friedenshandeln Gottes teilhaben“. Deeg erinnerte daran, dass die Montagsandachten in der Leipziger Nikolaikirche und in anderen Kirchen der DDR und Ost-Berlins einen wichtigen Beitrag zur friedlichen Revolution vor dreißig Jahren geleistet habe. Hier sei eine „Ritualgemeinschaft von Christen und Nichtchristen entstanden. In diesem Zusammenhang forderte Deeg, das Abendmahl „aus der Logik der Exklusion zu befreien“. Evangelische Kirchen laden explizit Nichtprotestanten zum Abendmahl  ein, aber keine Nichtchristen.

Neben der Liturgie ist die Pflege der Beziehung zur römisch-katholischen Kirche, die Catholica-Arbeit, ein Arbeitsschwerpunkt der VELKD.  In Dresden berichtete Schaumburg-Lippes Landesbischof Karl-Hinrich Manzke über seine Tätigkeit als Catholica-Beauftater der VELKD. Er tat das zusammen mit dem pfälzischen Kirchenpräsidenten Christian Schad, der evangelischer Vorsitzender des evangelisch-katholischen „Kontaktgesprächskreises“ ist. In beiden Berichten wurde deutlich, dass in Deutschland römisch-katholische Universitätstheologen für-ein gemeinsames Abendmahl- aus theologischen Gründen - offener sind, als die meisten Bischöfe.

Einen wichtigen Schritt zur Beteiligung junger Erwachsener an den Synoden tat die VELKD-Synode. Einen Impuls des Lutherischen Weltbundes aufnehmend beschloss sie, acht von 50 Sitzen für 18- bis 28 Jährige freizuhalten. Nun muss das die EKD-Synode nachvollziehen. Denn die Synodalen der VELKD gehören auch der EKD-Synode an.

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