Elementare Gestaltungsaufgabe

Elementare Gestaltungsaufgabe Greta, Paulus, Petrus und der kirchliche Dienst
Foto: privat

Die Geschichte zeigt einmal mehr, wie umfassend der Dienst des Apostels ist. Er verkündigt nicht nur das Evangelium von Jesus Christus und verteidigt seine Lehre und sein Apostelamt gegenüber Irrlehren und Kritik. Er übernimmt Verantwortung für das Leben derer, die mit ihm sind, und bleibt selbst in Seenot unerschrocken. Paulus folgt seiner apostolischen Berufung mit fast übermenschlicher Konsequenz und wirkt dadurch in gewisser Weise unnahbar. Das unterscheidet ihn von Petrus, der in den Evangelien so menschlich gezeichnet wird. Seine Nachfolge ist nicht perfekt. Dreimal verleugnet er Jesus, und später im Konflikt über die Gemeinschaft von Juden und Heiden knickt er kurzzeitig ein. Und doch ist er derjenige, der zur Sorge für die Gemeinschaft der Apostel berufen wird. Gerade in diesem komplementären Gegenüber bilden der Dienst des Paulus und des Petrus starke Vorbilder für die Kirche und den Dienst der Gemeindeleitung.

Die Aufgabe der Gemeindeleitung hat sich erheblich gewandelt. Zwar ist der Dienst auch heute umfassend. Aber heute bedarf es neben der theologischen Kompetenz für Verkündigung und Seelsorge vielfältiger organisatorischer Fähigkeiten, vor allem in der Personalführung, Finanzplanung und Moderation von Entscheidungsprozessen. Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit sind freundlich gesagt fließend. Während in ökumenischen Debatten über das Amt von evangelischer Seite energisch der Dienstcharakter betont wird, dürfte dieser zur Attraktivität des Berufsbildes eher nicht beitragen. Der Kern des Dienstes liegt allerdings in einer elementaren Gestaltungsaufgabe. Luthers Einsicht, dass alle Christen durch Taufe und Glaube Priester sind und in der Lage, Lehre zu urteilen, hat Konsequenzen für den Pfarrberuf. Verkündigung, Katechese und auch Seelsorge dienen dem Mündigwerden im Glauben, dem Selbst-glauben. Dies ist die Voraussetzung, unter der sich auch die synodalen Strukturen leben und gestalten lassen, die im evangelischen Kirchenwesen ausgebildet wurden. Partizipation und Synodalität zu gestalten, war schon für Paulus eine Aufgabe. Heute aber steht sie im Zentrum. Sie noch dezidierter im Berufsbild zu verankern, ist eine der vielen Aufgaben, um im Wind des demographischen Wandels die Segel gut einzustellen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung (online-Bezug) oder über dem Versandetikett Ihrer Zeitschrift. Bei der Kundennummer handelt es sich um eine 8-stellige Zahl, die mit der Ziffer 1 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt, Sie müssen sich dann bei Ihrem nächsten Besuch erneut anmelden.

Online Abonnement

Die App für Tablets und Smartphones

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus
Foto: privat

Friederike Nüssel

Friederike Nüssel ist Professorin für Systematische Theologie in Heidelberg und Herausgeberin von zeitzeichen.


Ihre Meinung


Weitere Beiträge zu "Kirche"