Nix gut deutsch

Punktum

Auch bei Nachkommen von Einwanderern hapert es immer noch an der deutschen Sprache. Einer von ihnen schrieb kürzlich: „Wir sind nicht Burka.“ Und dabei hat der Verfasser sogar Abitur. Allerdings ein nordrhein-westfälisches. Kein Wunder, wird Armin Laschet sagen, der Vorsitzende der NRW-CDU. Wird er nicht sagen. Denn den Satz hat sein Parteifreund Thomas de Maizière geschrieben. Und vielleicht wollte der ja auch nur zeigen, dass er Kanak Sprak beherrscht.

Walter Ulbricht verfasste „Zehn Gebote für den neuen sozialistischen Menschen“, Helmut Kohl einen Zehn-Punkte-Plan für die deutsche Einheit, und Thomas de Maizière hat Zehn Thesen zu einer „Leitkultur für Deutschland“ aufgeschrieben. Er veröffentlichte sie in Bild am Sonntag. Diese Zeitung bestätigt schließlich durch jede Ausgabe de Maizières Kernthese: „Wir sind Kulturnation.“ Das nix gut Deutsch! Fehlen unbestimmtes Artikel: „Wir sind eine Kulturnation.“

Der Innenminister hebt hervor: „Bach und Goethe ,gehören' der ganzen Welt und waren Deutsche.“ Es fehlt nur der Hinweis, dass Hitler und Eichmann Österreicher waren. Aber dies hätte möglicherweise diplomatische Verwicklungen ausgelöst, und Österreich hätte wieder seine Grenze geöffnet.

De Maizière erwähnt noch etwas, das unsere Nation auszeichnet: „Es ist selbstverständlich, dass bei einem politischen Festakt oder bei einem Schuljubiläum Musik gespielt wird.“ Auch die Nationalhymne. Und de Maizière singt sie mit, wie zeitzeichen aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat. Also ist er für die Lindner-FDP koalitionsfähig.

Der Innenminister besitzt auch keinen Doppelpass. Aber um sich voll zu integrieren, ein Bekenntnis zur deutschen Leitkultur abzulegen und andere Einwanderer zur Nachahmung anzuregen, sollte er seinen Nachnamen ändern. Sein jetziger erinnert daran, dass die Familie aus dem lothringischen Maizières nach Brandenburg floh und dort Asyl beantragte. Auf Deutsch heißt der Ort Macheren. Thomas von Macheren - klingt doch gut.

Und Cem Özdemir, dem Sympathien für schwarz-grün nachgesagt werden, sollte es genauso machen. Wie wäre es mit Jörg Österle, gesprochen: Öschderle? Damit würden wichtige Voraussetzungen für eine Jamaika-Koalition geschaffen. Aber Jamaika passt nun gar nicht zu einer deutschen Leitkultur. Daher wollen wir lieber „Schwampel“ schreiben.

Und damit kein falscher Eindruck zurückbleibt: Thomas de Maizière ist kein Nationalist, sondern überzeugt: „Deutsche Interessen sind oft am besten durch Europa zu vertreten und zu verwirklichen.“ Kann ein Kontinent etwas tun, also Interessen vertreten und verwirklichen? Oder meint der Innenminister nur die EU, wenn er „Europa“ schreibt? Seine sprachlichen Fähigkeiten sind eben verbesserungswürdig. Aber Mutti ermutigt: „Wir schaffen das.“

Jürgen Wandel

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