Großes Kino

„Bays“ von Fat Freddy‘s Drop
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Neun Tracks, unbezwingbar wie eh und mit soliden Wurzeln aus Dub, Soul, Funk und Elektro geschöpft.

Das schiebt und zieht, drückt, rollt, beglückt. „Fat Freddy‘s Drop“, ein Septett aus Wellington/Neuseeland macht Tanz- und Gute-Laune-Musik, unwiderstehlich gut, zum Hören im Auto und Zug, auf dem Dancefloor, im Konzert, bei der Hausarbeit, überall. Der nimmermüde Perfect-Beat-Sucher Gilles Peterson wusste das bereits 2005, als sie bei uns kaum einer kannte. Er nahm ihr wunderbar souliges, zart Dub-verschleiertes Reggae-Stück „This Room“ auf die BBC-Sessions Compilation und verlieh ihrer zweiten Platte „Based on a True Story“ den „Worldwide – ‚Album of the Year‘-Award“ von bbc Radio 1.

Mit ihrer bezwingenden Mischung aus Funk, Reggae, Soul, Rap und House genießt die 2001 gegründete und nach einer Comicfigur benannte Truppe heute verlässlich den Ruf als „Könige der rollenden Bässe“ – mit weltweitem Erfolg. Dabei hat „Fat Freddy‘s Drop“ nicht einmal einen Bassisten (und auch keinen Schlagzeuger). Die magischen (und eher hüpfenden, wippenden – die Engländer sagen „bouncing“) Basslinien zieht Bandleader Chris Faiumu alias DJ Fitchie mit dem Sampler. Der ehemalige Physik- und Mathestudent genießt in Neuseeland eine Art Kultstatus. Der exquisiten Plattensammlung seiner Schwester verdankt er die Soulvorliebe, die auch Sänger Joe Dukie (aka Dallas Tamaira) und Trompeter Tony Chang teilen. Zur kraftvollen Jazz-geprägten Bläsersektion gehören daneben Saxofonist Scott Towers und Joe Lindsay an der Posaune. Tehimana Kerr sorgt für Reggae-Gitarrengroove, Keyboarder Iain Gordon („Dobie Blaze“) bekocht sie alle regelmäßig und gießt Soundwürze in den Kessel, der auf dem Album „Bays“ wieder mal verführerisch dampft.

Während sie ihr Material sonst meist auf der Bühne entwickelten und dann ausarbeiteten, haben sie dieses Mal gemeinsam geschrieben und von Beginn an mehr geschraubt. Frische und absolute Livetauglichkeit haben darunter nicht gelitten. Die neun Tracks sind unbezwingbar wie eh und mit soliden Wurzeln aus Dub, Soul, Funk und Elektro geschöpft – Genres, die sie so tief eingesogen haben, dass es scheint, als hätten sie die selbst erfunden, um daraus nun Eigenes zu machen. Weiterentwicklung und stets wieder Neues zu finden sei ihr Ziel, sagt DJ Fitchie – was sie kompakt wie ein Partysoundsystem auch schaffen. „Bays“ hat funkige Kracher, Reggae-Pulsen, feinen Soul und hypnotischen House. Ihre Markenzeichen sind gute Soundarbeit, unwiderstehlicher Groove, maximale Tanzbarkeit, viel Gefühl, rhythmische Finesse und hohe Dynamik, die live immer noch eine Schippe drauflegen kann. Ein starker Mix mit hoher Reichweite – von Dub-Introspektion bis hin zu bretternden Abfahrten, die es in sich haben. Großes Kino!

Fat Freddy’s Drop: Bays. The Drop/Alive 2015.

Udo Feist

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