Bildung macht den Unterschied

Die Kirche sollte mehr Geld für Schulen, Kindertagesstätten und Akademien ausgeben
Foto: privat

Die kirchlichen Ressourcen für Bildung sollten personell und finanziell vervielfacht werden

Nun sind sie gewählt und fangen mit der Arbeit an: die Synode der Evangelischen Kirche und der von ihr gewählte Rat. Wir werden es in den kommenden Jahren mit einem handlungswilligen Parlament und einem in seiner Zusammensetzung sehr kompetenten Rat zu tun haben. Die großen Arbeitsfelder scheinen definiert: Für das Reformationsjahr 2017 laufen die Vorbereitungen und sicherlich wird es über die kommenden Jahre wieder eine Vielzahl von Arbeitspapieren, Kundgebungen und Presseerklärungen geben, mit denen die Kirche Stellung zu allen denkbaren Themen beziehen wird. Mehr oder weniger deutlich wahrgenommen von einer immer säkularer werdenden Öffentlichkeit, mehr oder weniger relevant in der tatsächlichen Wirkung.

Vor diesem Hintergrund wäre es sinnvoll, die Ressourcen zu bündeln und ein großes Thema aufzugreifen und zu besetzen. So wie ansatzweise geschehen durch die "Missionssynode" von 1999 - in der die unsägliche Distanz der Kirche zur "Mission" reduziert werden sollte - mit allerdings leider nur sehr begrenztem Erfolg. Oder wie beim vom damaligen Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber angestoßenen kircheninternen Reformprozess "Kirche der Freiheit", der mit Start im Jahr 2006 zu einem breiten internen Diskussionsprozess und erheblichen kircheninternen Veränderungen führte.

Was aber könnte das Thema sein, mit dem sich Kirche heute positionieren und profilieren könnte? Die Diskussion sollte an den heutigen Stärken der Kirche ansetzen. Und das sind aus außenstehender Sicht insbesondere zwei große, breit anerkannte Bereiche: die diakonische Arbeit und die Arbeit der Evangelischen Kirche im Bereich der Bildung.

Geprägt durch die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Images von Diakonie insgesamt sowie ihrer vielfältigen Einrichtungen bei allen Umfragen hervorragend. Die gelebte Nächstenliebe findet höchste Akzeptanz - wenn auch der Bezug zur Kirche und zum protestantischen Glauben oft recht undeutlich zu sein scheint.

Nicht minder anerkannt ist die vielfältige Bildungsarbeit der Evangelischen Kirche: in Kinderkrippen und Kindergärten, in Schulen und im Bereich der Erwachsenenbildung/Akademien.

Und hier auch könnten die entscheidenden Gremien unserer Kirche - Bundes- und Landessynoden, landeskirchliche Kirchenleitungen und Rat - ansetzen. Die dortigen Führungskräfte sollten sich trauen, die eigenen Anstrengungen im Bereich der Bildung nachhaltig, langfristig und dramatisch zu erhöhen. Dramatisch meint hier tatsächlich eine Verdreifachung oder Verfünffachung des Ressourceneinsatzes - personell und finanziell - und der Angebote im Bereich der gesamten Bildungskette von der Kinderkrippe bis zur Erwachsenenbildung. Mit einem Schwerpunkt bei der Vermittlung christlicher Grundüberzeugungen. Zur Schaffung einer breiten "Wertevermittlungsplattform", die wir ja gerade in der aktuellen Diskussion um unsere christliche Leitkultur so dringend brauchen, mit der Zielsetzung einer deutlichen Verbesserung der heute nicht vorhandenen Chancengleichheit und auch mit dem Ziel einer durch Vermittlung unserer protestantischen Werte möglichen systematischen Missionsarbeit. Und "last but not least" mit der Zielsetzung der Fortentwicklung eines bildungspolitischen Anspruchs, der unseren protestantischen Glauben bereits in seinen Fundamenten tief prägte.

Barrieren für eine derartige mutige strategische Vorgehensweise gibt es viele.

Vor allem die Frage, woher die zusätzlichen Mittel für die Bildung stammen sollten. Denkbar wären hier interne Umschichtungen aber insbesondere auch die Akquise neuer und zusätzlicher finanzieller Mittel oder die Selbstfinanzierung neuer Angebote. Zudem muss diese Bildungsoffensive abgestimmt werden mit dem breiten politischen Umfeld bis zur Schaffung erforderlicher Voraussetzungen in den Bereichen der eigenen Ausbildung, Rekrutierung, Qualitätsdefinition und -umsetzung sowie inhaltlichen Programmgestaltung.

Wer aber, wenn nicht die in ihrem Glauben durch Hoffnung und Vertrauen geprägten kirchlichen Führungskräfte, sollte sich trauen, hier den wirklich großen Unterschied zu machen - losgelöst von kurzfristigen Ängsten und Bedenkenträgern, ermuntert durch die Verheißung des Beistands Gottes. Der christliche Glaube wie aber auch die vor 500 Jahren initiierte Reformation haben an vielen Stellen riesige Unterschiede gemacht; dies sollte die kirchlichen Führungskräfte ermuntern, diese große Tradition fortzusetzen.

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