So viele Brücken

Franz Ferdinand + Sparks = FFS
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Männermusik, wie sie nicht nur Frauen so sehr lieben.

Gemocht haben sie sich gleich, so die Fama, und auch gleich verabredet, "mal was zusammen zu machen". 2004 in L. A. Die Schotten "Franz Ferdinand" waren der Hype des Jahres und gerade in der Stadt. Die Altmeister luden sie zu einem Glas Wein ein. FF-Ohrwürmer wie "the dark in the matinée" oder "evil and a heathen" trafen damals mit quecksilbrig nervösem Britpop-Wave-Indierock gerade voll den Punkt. Und sie faszinieren bis heute. Genau dreißig Jahre zuvor hatte "This Town ain't big enough for both of us" die "Sparks"-Brüder Ron und Russell Mael aus L. A. hier in Europa bekannt gemacht. In den USA wollte es mit dem Erfolg nicht recht klappen. Dazu fremdelten sie zu sehr mit jener Popepoche, aber zum Disco-Sound der Siebziger steuerten sie dann mit Songs wie "Angst in my pants" eine subversive Note bei. Ihr Markenzeichen waren Rons Keyboardsound und Russells divenhaftes Falsett. Mit FF-Alex Kopranos' schmeichelnder Stimme, die alle Worte abzutasten scheint, sie dabei aber modelliert, ergibt das einen fruchtbaren Kontrast, den beide im Wechsel und gemeinsam ausreizen. In Haltung und Songarbeit war die Brücke zwischen FF und S eh vorhanden.

Ihre Pfeiler sind souveräne Selbstironie, sympathisch-sinisterer Witz und Spaß an der Dynamik. Wie sehr das passt, stellen sie unter dem Akronym FFS, das auch Albumtitel ist, nun unter Beweis. 16 Songs, die unterhalten und bewegen, zum Lachen bringen oder zum Weinen. Der Opener "Johnny Delusional" führt beide Sänger ein, hat viel Zug zur Tanzfläche und nebenher die aufgeklärte Melancholie vergeblicher Träume. Das gibt dem Album die Richtung vor: Die gefühlvolle Ballade "Little boy from the suburbs" über einen missgeleiteten jungen Separatisten in Québec ist ein Gänsehaut-Track. Ein ähnlicher Sog wie bei "Miss Sarajevo", das U 2 (unter dem Pseudonym "Passengers") einst mit Brian Eno und Luciano Pavarotti aufnahmen. Doch schnelle, treibende Songs zwischen Rock und großer Disco-Geste überwiegen. ffs sind ein rhythmisches Kraftpaket, jedoch nie dumpfbackig. Witz und Hintersinn federn ab, was in zu große Schuhe zu rutschen droht. "So many bridges (in the world to jump of off)" lässt sich zwar durchaus wörtlich verstehen, kommt aber mit satten Ska-Bläsern und entfesseltem Balkanbeat à la ffs derart fröhlich daher, so dass es ein glaubhaftes Manifest für das Weiterleben ist. ffs arbeiten versiert und abwechslungsreich mit Sounds und Effekten und scheuen auch das Schlichte nicht, solange es der Sache dient.

Ihre Selbstironie ist kein bisschen schüchtern, außerdem hat sie spürbar Hinterland, doch ohne schlau zu tun. So spielt "The power couple" auf das legendäre "They're coming to take me away, Ha-Haaa!" von Napoleon XIV. an. Die Antwort auf die Frage, wer denn nun in die Geschlossene gehöre, trägt es selbstbewusst bereits in sich. Männermusik, wie sie nicht nur Frauen so sehr lieben. Pop für Connaisseurs, der aber auch komplett ohne Rocklexikon funktioniert.

FFS: FFS (Domino/Goodtogo 2015)

Udo Feist

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