Fröhlicher Wettbewerb

Papst Franz fordert seine Kirche heraus - und die Protestanten
Papst Franz hat die Christen aufgefordert barmherzig zu sein. Allerdings müssen den Worten des Papstes auch Taten folgen.

Siehe, ein Mensch! Papst Franz verschanzt sich nicht hinter kurial-höfischen Formen und Formeln. Wie ein guter Pfarrer geht er auf Menschen zu und spricht mit ihnen. Auch liest er seine Reden nicht Wort für Wort ab, wie das frühere Päpste taten und - welch eine Parallele - kommunistische Funktionäre. Man könnte meinen, die deutschen Medien täten sich mit der Volkstümlichkeit des neuen Papstes schwer. So nennen sie ihn Franziskus. Klingt Franz, die nahe liegende deutsche Übersetzung von Francesco, zu gewöhnlich? Dabei hieß der Montinipapst Paolo VI. auf Deutsch doch auch Paul und nicht Paulus.

Verschiedentlich wurde Franz schon mit Johannes XXIII. verglichen. Ob das gerechtfertigt ist, wird sich weisen. Auf jeden Fall hat der erstere wie der letztere Humor. Und das ist eine Gabe, die sich bei Kirchenleuten nicht häufig findet, von englischen einmal abgesehen. So wird in Stellenanzeigen der anglikanischen "Church Times" von den Bewerber auf eine Pfarrstelle oft a good sense of humour erwartet. Wer Humor besitzt, nimmt sich nicht zu ernst und kann sich aus einer Distanz betrachten. Und das ist für Geistliche durchaus angemessen. Schließlich sollen nicht sie im Mittelpunkt stehen, sondern ein anderer, der ganz andere.

Papst Franz hat die Christen aufgefordert barmherzig zu sein. Denn Barmherzigkeit mache die Welt "weniger kalt und gerechter". Sie ist ja auch der Kern des Christentums. "Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist", sagt Jesus in der lukanischen Version der Bergpredigt. Allerdings müssen den Worten des Papstes auch Taten folgen. Mit Menschen, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben, geht die römisch-katholische Kirche bisher unbarmherzig um. So sind sie vom Abendmahl ausgeschlossen, wenn nicht, was Gott sei Dank passiert, ein Pfarrer menschenfreundlicher ist als die offizielle Lehre und ihre Vertreter.

Außenstehende, aber sicher auch viele Katholikinnen und Katholiken, können nicht verstehen, dass Geschiedene, die wieder heiraten, exkommuniziert werden, während katholische Gewaltherrscher, wie Pinochet in Chile und Videla in Argentinien, zum Abendmahl zugelassen wurden, ohne dass sie ihre Untaten bereut und eingestellt hatten.

Papst Franz hat von Johannes XXIII. das Stichwort von der "Kirche der Armen" übernommen. Den Armen war er schon als Erzbischof von Buenos Aires zugetan. Und die Wahl seines Namens zeigt, dass sich Jorge Bergoglio im neuen Amt treu bleiben will. Die Nagelprobe wird freilich sein, ob er sich mit den nationalen und internationalen Ursachen der Armut auseinandersetzt. Was dann passieren kann, hat ein anderer lateinamerikanischer Erzbischof, Helder Camara (1909-1999), einmal so beschrieben: "Wenn ich den Armen Essen gebe, nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen Kommunisten."

Für den schwedischen Erzbischof Nathan Söderblom (1866-1931), einen der großen Männer der ökumenischen Bewegung, gehörte zur Ökumene auch der friedliche, freundschaftliche Wettbewerb der Konfessionen. Die evangelischen Kirchen sollten sich von Papst Franz herausfordern lassen und mit ihm und seiner Kirche fröhlich gelassen um eine menschenfreundliche Form des Christentums wetteifern.

Kolumne zu Papst Franziskus
Interview zu Papst Franziskus

Jürgen Wandel

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