Nach der Wahl ist vor der Wahl

Warum es kein Berliner Chaos auf der EKD-Synode geben wird
Foto: Harald Oppitz

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die unendliche Weisheit der Redaktion von „zeitzeichen“ hat meine letzte Kolumne vor die Bundestagswahl und die jetzige direkt vor die Wahlen in den Rat der EKD gesetzt. Zugegeben, in dieser Woche wird nicht ganz Deutschland und die restliche Welt gespannt sein, wie das Ergebnis aussehen wird. Doch für alle, die sich für die evangelische Kirche interessieren, sind diese Wahlen schon sehr wichtig. Heinrich Bedford-Strohm tritt nicht mehr an – es geht also auch um den nächsten Ratsvorsitzenden, oder – jedenfalls, wenn´s nach mir geht - um die nächste Ratsvorsitzende. Während die zukünftige Ampel sich schwer tut, auch nur eine Frau in eine leitende Aufgabe zu bringen, hat die EKD sicher kein Problem damit, wenn es zwei Frauen an ihrer Spitze gäbe. Die Vorsitzende der EKD wird mit der Präses der Synode die Evangelische Kirche nach außen repräsentieren. Da wünsche ich mir viel Menschenkenntnis, Klugheit, theologische Kompetenz und ein Gespür für das rechte Wort zur rechten Zeit.

Es wird bei der Wahl in Bremen kein Berliner Chaos geben. In unserer extrem jungen Synode (der Bundestag sieht auch in Sachen Altersdurchschnitt gegen uns richtig alt aus!) steht den non-digital-Natives ein eingespieltes Team der EKD-IT-Abteilung zur Verfügung, die zur Not auch noch im letzten Moment eingreifen können. Kirchlich entlohnte McGyvers sozusagen. Außerdem ist die morgendliche Joggingrunde von Kirchenpräsident Volker Jung und mir kein Berliner Marathon.

Stimmzettel abgeschafft

Am Dienstag geht es in Bremen mit den Ratswahlen los, und am Mittwoch wählen wir die oder den Vorsitzenden. Hoffen wir mal, dass unsere Kreuzchen unter Gottes Segen stehen. Es soll nicht so nervenzerrend werden wie bei der letzten, vor allem aber der vorletzten Ratswahl, von denen die bemoosten Häupter unter uns Synodalen noch mit Zittern in der Stimme erzählen, das ging bis in die Nacht und dann fehlten immer noch die notwendigen Mehrheiten. Enttäuschung, Verletzungen, Zerwürfnisse: Das wird sicher auch dieses Mal passieren - nur am endlosen Auszählen wird es nicht liegen. Wir wählen digital.

Da ich die Ehre hatte, in den Ratswahlausschuss berufen zu werden, der diese entscheidende Wahl vorbereitet hat, betrifft mich das Ereignis durchaus auch in besonderer Weise emotional. Ich weiß, wie lange und intensiv wir im Ausschuss diskutiert haben, um den Erwartungen und Anforderungen gerecht zu werden.

Die Stimmzettel wie früher gibt´s nicht mehr. Schade, dass ich mir von der letzten Wahl keinen aufgehoben habe. Die Teile hätten jetzt einen richtigen Erinnerungswert, von denen ich meiner Enkelin später mit bebender Stimme stolz erzählen könnte: „Schau mal, auf diesem Zettel hat deine Omi einmal den Ratsvorsitzenden der EKD gewählt.“

„Omi, was ist die EKD? Und was ist ein Ratsvorsitzender???“

Nun gut, wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen.i

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Foto: Harald Oppitz

Angela Rinn

Angela Rinn ist Pfarrerin und seit 2019 Professorin für Seelsorge am Theologischen Seminar der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Herborn. Sie gehört der Synode der EKD an.


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