Sensibel bleiben

Der Sparkurs der EKD und seine Tiefengrammatik
Foto: Rolf Zöllner

Eine „historische“ Synode? Zweierlei geschah an den beiden letzten Tagen der 12. EKD-Synode am 8./9. November

Eine „historische“ Synode? Zweierlei geschah an den beiden letzten Tagen der 12. EKD-Synode am 8./9. November: Zum einen wurde völlig geräuschlos und ohne Probleme der EKD-Haushalt für das Jahr 2021 beschlossen. Kein  Wunder, denn noch sind die Finanzscheunen gut gefüllt, da die Umlage der Landeskirchen für die EKD immer am Stand von vor zwei Jahren gemessen wird. Und 2018 gab es die nominell zweithöchsten Kirchensteuereinnahmen der Geschichte, übertroffen nur von … richtig: 2019.

Zum anderen beschloss die Synode mit großer Mehrheit den „Prozess zur Neuorientierung der Finanzstrategie“ der EKD. Der besagt schlicht: Bis 2030 sollen zwanzig Prozent der EKD-Ausgaben eingespart werden.

In der entsprechenden Vorlage ist auch schon konkretisiert, wie nach Ansicht des Rates der EKD diese Einsparungen en détail auszusehen haben. Da wollten die Synodalen nicht ganz mitgehen. Sie machten in Abänderung des Beschlussvorschlages klar, dass in den Details noch durchaus Veränderungen vorgenommen werden können. Eine völlig normale Reaktion, denn wenn der detaillierte Sparplan bis 2030 exakt so mitbeschlossen worden wäre, hätte die ab Mai 2021 für sechs Jahre neu gewählte EKD-Synode ihr Budgetrecht in wesentlichen Bereichen schon vor Antritt aufgegeben. Große Einigkeit bestand darin, dass das Einsparziel – nominal wären das nach heutigem Stand 17 Millionen Euro – bis 2030 eingehalten wird. Das ist gut, aber es ist nicht gesagt, dass diese Marke ausreicht: Corona & Co. sorgen dafür, dass schon im laufenden Jahr 2020 die Kirchensteuereinnahmen einbrechen und seriöse Vorhersagen für die Folgejahre momentan eigentlich nicht möglich sind. Ja, es kann durchaus sein, dass es finanziell noch sehr viel schlimmer kommt! In diesen Zeiten auf das Prinzip Et hätt noch immer jot jejange zu setzen, wäre kein Ausdruck heiteren Gottvertrauens, sondern bloß verantwortungslos.

Egal, wie groß das Einsparvolumen am Ende wirklich sein muss: Immer wird dabei der Kampf währen zwischen den freien Kräften des Protestantismus und dem, was von manchen (zu) verächtlich die „Amtskirche“ genannt wird. Ja, der Weg von einer notwendigen Bündelung der Kräfte bis zur zentralistischen Engführung bleibt ein schmaler Grat; er wird je nach eigener Verortung und Perspektive immer unterschiedlich beurteilt werden.

Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang ein Einwand der Synodalen und ehemaligen hessen-nassauischen Pröpstin Gabriele Scherle. Ihr war aufgefallen, dass Kürzungen besonders massiv in Bezug auf „freie Initiativen und Werke“ auf der Agenda stehen. Mit Recht fragte Scherle, ob so eine Finanzstrategie nicht gerade das schwächen würde, was den Protestantismus im Wesen ausmache, zumal der deutlich spürbare Zentralisierungsdrang dem Geist der „Zwölf Leitsätze“ in weiten Teilen widerspricht: Eigentlich soll sich die Kirche auf den „Weg ins Weite begeben“, aber als Erstes/Erste sollen die, die schon an der Schwelle zwischen verfasster Kirche und Zivilgesellschaft stehen, abgebaut werden? Hier gilt es, sensibel zu bleiben, um nicht unter dem Deckmantel der Reform wichtige Errungenschaften oder gar den Wesenskern der Reformation preiszugeben.

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