Farbenfroh

Ökumene im Alltag

Mit H"eute christlich glauben" legen die beiden Autorinnen Julia Knop (katholisch) und zeitzeichen-Onlinekolumnistin Stefanie Schardien (evangelisch) nach dem 2011 im gleichen Verlag erschienenen Band "Kirche, Christsein,
Konfessionen: Evangelisch – Katholisch"
einen weiteren Band vor, der ebenso als Leitfaden für die Ökumene im Alltag dienen will.

Das Buch gliedert sich in vier größere Abschnitte, in Glaube und Bekennen, Gebet und Gottesdienst, Kirche und Ökumene, Glaube und Leben, welche wiederum in jeweils drei Kapitel unterteilt sind. Dabei gehen die Autorinnen nach ihren eigenen Worten so vor: „Jedes Kapitel entfaltet zunächst, wie weit das gemeinsame christliche Bekenntnis reicht, das sich nicht in Formeln und Lehren erschöpft, sondern in Alltag und Gottesdienst lebendige Gestalt annimmt… Auf die Ausführungen zum gemeinsamen Glauben folgen jeweils zwei Abschnitte, in denen die römisch-katholische Autorin…und die evangelische Autorin… Besonderheiten oder Schwerpunkte ihrer Konfession darstellen, Begrifflichkeiten und Begründungsmuster entfalten und bestimmte Aspekte in ihrer ökumenische Tragweite diskutieren.“

Dabei sind die jeweiligen konfessionellen Besonderheiten farblich – an den Kirchenfarben orientiert – markiert, auch in den Seitenangaben des Inhaltsverzeichnises, was der Handhabbarkeit des Buches sehr zugute kommt. So kommen zum Beispiel im Abschnitt B über Gebet und Gottesdienst mehr Besonderheiten von katholischer Seite zur Sprache, zum Beispiel Namenstag und Patrozinium, Rosenkranzgebet aber auch katholische Schwerpunkte bei den Sakramenten. Als Herzstücke des evangelischen Gottesdienstes werden die Predigt und die Kirchenmusik genannt. Dass in den evangelischen Kirchen lange um das rechte Verständnis der Präsenz Christi in der Feier des Abendmahls gerungen wurde und erst 1973 zu einer befriedigenden Lösung in der Leuenberger Konkordie gefunden werden konnte, wird auch thematisiert.

Im dritten Abschnitt nähern sich die Autorinnen dem Thema „Kirche und Ökumene“ zunächst durch eine begriffliche Annäherung an Kirche, wo auch die Unterschiede zwischen den Konfessionen genannt werden – so der Bezug auf die Confessio Augustana Artikel vii, der evangelisches Kirchenverständnis beschreibt, und katholischerseits die Frage, ob man von der Kirche oder den Kirchen reden kann. Im Kapitel über die Strukturen wird von evangelischer Seite die Vielfalt des Protestantismus – lutherisch, reformiert, uniert – angesprochen. Katholischerseits geht man darauf ein, dass und weshalb die Ordination von Frauen in der katholischen Kirche nicht geübt wird und auch auf das problematische Kapitel der Unfehlbarkeit des Papstes, was die Entstehung der altkatholischen Kirche hervorrief.

Auch die heißen ökumenischen Eisen werden angetippt, so die Amtsfrage als auch der innerkatholische Konflikt um die Zulassung konfessionsverschiedener Ehepartner zur Kommunion und die uneinheitlichen Einheitsmodelle. Im letzten Abschnitt geht es schließlich um das Verhältnis von Staat und Kirche, um ethische Fragen wie die Positionen der Kirchen zur Sexualität und den gewandelten Paarbeziehungen sowie zum Schluss um theologische Anthropologie und die Eschatologie.

Insgesamt ist es den Autorinnen Julia Knop und Stefanie Schardien gelungen, die komplexen interkonfessionellen Fragen allgemein verständlich und gut lesbar darzustellen. Das Buch eignet sich sehr gut für Veranstaltungen in Gemeinden, ökumenischen Kreisen und in der Erwachsenenbildung und wird seinem Untertitel gerecht, ein „Leitfaden für die Ökumene im Alltag“ zu sein.


 

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Foto: KI-Bensheim

Martin Bräuer

ist Pfarrer und stellvertretender Leiter am Konfessionskundlichen Institut Bensheim


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