Reliefs aus Bildern

Neu: Hörspiel Homo Faber
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Hier wird sogartig gebannt und sprechend gespielt, wie es im Hörspiel dieser Qualität selbstverständlich scheint, aber nicht ist.

Stellen Filme aus ihren Buchvorlagen radikal konkrete Wirklichkeiten her, haben Hörbücher einen anderen Reiz: Sie konkretisieren Stimmen und Stimmungslagen, lassen aber die Bilder im Kopf. Da passiert meist eine ganze Menge - spätestens dann, wenn man darüber spricht. Meine Erstbegegnung mit Max Frischs Homo Faber liegt weit zurück. Es war eine faszinierende, wie sie es zu sein pflegte, wenn das Buch erst einmal das Nadelöhr einer „Geschenksendung, keine Handelsware“ passiert hatte.

Die DDR-Zoll-Bibliothek muss eine Schatzkammer gewesen sein. Die öffnet sich auch, wenn Bücher vorgelesen werden - wobei hier gar nicht vorgelesen, sondern in einer Bearbeitung von Heinz Sommer sogartig gebannt und sprechend gespielt wird, wie es im Hörspiel dieser Qualität selbstverständlich scheint, aber nicht ist. Maßgeblich dafür sind die Stimmen dieser sehr gelungen fokussierten Dialogisierung - allesamt viel gesehene und gehörte Größen ihres Faches, die dennoch gänzlich unverbrannt sind und einen Wunder nehmen, mit welcher Wandelbarkeit, welcher Einfühlung und welchem Können sie hier ganz ungesehen zu Werke gehen: Matthias Brandt (Walter), Eva Matthes (Hanna), Paula Beer (Sabeth) und Valery Tscheplanowa (Ivy), exzellent auch Ueli Jäggi (Max).

Worum es in diesem von Max Frisch als Bericht getarnten Werk um den Inzest geht, wann und wie ein glückliches Leben entstehen kann, wie die Angst vor dem Alter in die eigene Zeit schleicht und wie schwer ein Einverständnis mit der Unausweichlichkeit herzustellen ist - das gibt es hier auf sieben Stunden, vorzüglich umspielt von der Bigband des Hessischen Rundfunks.

Klaus-Martin Bresgott

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