Vorzüglich

Neuer Kathechismus
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Dieser Katechismus will durch seine Fragen und Antworten die Leser anregen und herausfordern, selber nachzudenken.

Ein Katechismus dient dem Unterricht in christlichen Glaubensfragen. Er umfasst die wichtigsten Fragen zu den Glaubensinhalten eines christlichen Bekenntnisses, in der Regel prägnant kurz formuliert und ebenso prägnant knappe Antworten. In der Vergangenheit wurden Katechismen oftmals von „Laien“ auswendig gelernt und von der geistlichen „Obrigkeit“ abgefragt, um zu prüfen, ob das Kirchenvolk mit den Glaubensinhalten hinreichend vertraut war. Ein Katechismus ist so betrachtet eine auf die Vorbildung und den Fragehorizont der Laien heruntergekochte Theologie. Daher kann nur ein sehr sachverständiger Theologe einen guten Katechismus schreiben, ist es doch eine hohe Kunst und verlangt es anstrengendes theologisches Nachdenken, das Wesentliche eines christlichen Bekenntnisses in überschaubar vielen kurzen Fragen und ebenso kurzen Antworten für Nicht-Theologen verständlich zur Sprache zu bringen.

Seit kurzem ist ein bemerkenswerter neuer Katechismus auf dem Büchermarkt für wenig Geld zu haben. Sein Autor, der renommierte Systematische Theologe Wilfried Härle, bringt die besagte theologische Könnerschaft mit, derer es für einen Katechismus bedarf. Der Titel Worauf es ankommt passt bestens zur programmatischen Konzeption eines Katechismus, eben durch und in der Kürze klar zu machen, worauf es am Ende jenseits aller theologischen Details und Raffinessen für ein Leben im christlichen Glauben wesentlich ankommt. Härle gelingt das überaus eindrucksvoll. Er beginnt mit der Frage/Antwort „Worauf kommt es im Leben an? - Es kommt darauf an, unser Leben mit seinen Höhen und Tiefen als Gabe zu verstehen und anzunehmen“, um im Zusammenhang mit dem Dreigestirn „es bleiben aber Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei“ nach einhundertachtzig Fragen mit der Bekräftigung zu enden: „Ja, darauf kommt es an.“ Dazwischen werden in zehn Kapitel unterteilt die wichtigsten Fragen, die der christliche Glaube aufwirft, immer prägnant und kurz beantwortet, darunter solche Schwergewichte wie die Gebote Gottes, seine Trinität, das Wirken des Heiligen Geistes, die Auferstehung Jesu Christi, die Rolle der Kirche und die Ämterfrage. Ein Glanzstück des Katechismus, der für viele andere Abschnitte hier exemplarisch erwähnt werden soll, ist in meinen Augen der Abschnitt von der 113. bis zur 117. Frage/Antwort zum Wunderglauben und zu den Naturgesetzen. Hier wird wirklich auf engstem Raum alles Nötige dazu gesagt, was ein nicht hinterweltlerischer, sondern aufgeklärter Wunderglaube allein beinhaltet.

Das Buch ist auch in bibliophiler Hinsicht sehr schön gestaltet. Auf der rechten Seite stehen jeweils mit einem gebührenden und daher viel Ruhe und Konzentration ausstrahlenden Abstand die Frage/Antworten des Katechismus. Auf der linken Seite gegenüber finden sich Gedichte, Lieder (oftmals mit Noten), einprägsame aphoristische Äußerungen bekannter und weniger bekannter Menschen, Zitate aus der Bibel oder anderen Katechismen, Gemälde, Abbildungen religiöser und anderer Symbole, um die Frage/Antworten des Katechismus zu erläutern, zu vertiefen und manchmal noch einmal zu hinterfragen.

Natürlich könnte man Härles Katechismus wie in alten Zeiten auch auswendig lernen und abfragen. Aber Katechismen zur geistlichen Beaufsichtigung des Kirchenvolkes sind längst passé. Dieser Katechismus will durch seine Frage/Antworten die Leser anregen und herausfordern, selber nachzudenken und, gleichgültig, ob sie zu den Antworten dieses Katechismus oder zu anderen Antworten kommen, sich auf diese Weise zu rüsten für die Verantwortung vor jedermann, der von ihnen „Rechenschaft fordert über die Hoffnung“ (1. Petrus 3.15), die in ihnen ist oder auch nicht. Dafür eignet sich Härles Katechismus vorzüglich.

Holm Tetens

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