„ Möglichst einmütig“

Punktum
Was verstehen die deutschen katholischen Bischöfe unter einem Treffen in einer „herzlichen und brüderlichen Atmosphäre“ - und ist es erlaubt, dazu eine Pumpgun mitzunehmen?

Ach, wie gern wäre ich dabei gewesen! Aber es ist wie bei den richtig coolen Parties - da ist man auch nie dabei. Und die Parties, bei denen man dabei ist, sind nicht cool ... obwohl: damals bei Adam, als Winfried ins Buffet flog, oder bei Annett, als wir im strömenden Regen auf „Police“ barfuß im Garten tanzten, gefühlt stundenlang. Das war schon ... Wie auch immer, auf dieser einen ganz besonderen Party war ich jedenfalls nicht dabei, und das ist natürlich sehr schade. Denn was hätte man zu lachen gehabt! Die Rede ist - Sie ahnen es bereits, denn es liegt ja auf der Hand - vom Treffen von sechs deutschen Bischöfen römisch-katholischer Prägung in Rom, genauer: im Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre im Vatikan. Es ging um den unseligen Eucharistie-Streit in der katholischen Kirche in Deutschland, also um die Frage: Dürfen evangelische Partner katholischer Christen ab und zu mal und notfalls und nur ganz heimlich und bestimmt ganz fromm und sicherlich nur mega-ausnahmsweise und wenn sie fast schon selbst katholisch sind ... äh, auch mal eine katholische Hostie kauen? Puh! Große Frage, nicht wahr?! Das bewegt die katholische Weltkirche. Besonders die Armen in den Favelas, die nichts zu essen haben, erwarten da dringend eine Auskunft vom deutschen Episkopat. Und natürlich ist es völlig normal, dass man mit so einer Frage den Papst behelligt. Der hat ja als Oberhaupt einer Kirche mit 1,2 Milliarden Mitgliedern nichts anderes zu tun, als eine Drei-Viertel-Mehrheits-Entscheidung der hiesigen Bischöfe zugunsten der Hostienvergabe an evangelische Ehemänner und -frauen wieder rückgängig zu machen. Nun, es sieht danach aus, dass der Papst komischer Weise doch Besseres zu tun hatte. Denn nach dem Treffen „in einer herzlichen und brüderlichen Atmosphäre“, so die Pressestelle der Bischofskonferenz, ließ Franziskus ausrichten: Die deutschen Bischöfe sollten doch bitte „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung“ finden. Seitdem bin ich am Rätseln: Was verstehen die deutschen katholischen Bischöfe unter einem Treffen in einer „herzlichen und brüderlichen Atmosphäre“ - und ist es erlaubt, dazu eine Pumpgun mitzunehmen? Ist „kirchliche Gemeinschaft“ so was wie der Tiefschläge-schwangere Streit, den die Bischöfe in den vergangenen Wochen öffentlich ausgetragen haben? Und was bedeutet hier noch mal „möglichst einmütige Regelung“? Wenn mein 13-jähriger Sohn an einem ganz normalen Montag auch um 24 Uhr noch nicht ins Bett will, wie sage ich es dann dem Kinde, dass ich jetzt gern eine „möglichst einmütige Regelung“ mit ihm hätte, die sagt: "Du gehst jetzt ins Bett, basta!"Fragen über Fragen, die ich beantworten könnte, wenn ich bei der geilen Party der Bischöfe im Vatikan dabei gewesen wäre. Aber war ich ja nicht! Wahrscheinlich weil sie zu cool war.

Philipp Gessler

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