Auch für Laien

Macht der kreativen Maschinen
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Die Algorithmen führen längst ein Eigenleben. Wird der Mensch vor der Macht kreativer Maschinen kapitulieren müssen?

Mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestatte Maschinen werden inzwischen in nahezu allen Bereichen des alltäglichen Lebens eingesetzt. Denn eine Abfolge verhältnismäßig einfacher Algorithmen (Handlungsvorschriften) liefert selbst für komplexere Probleme höchst attraktive Lösungen. Und so dienen digitale Medien der globalen Kommunikation und sozialen Vernetzung, erleichtern Navigationsgeräte das Autofahren, helfen Internet-Suchmaschinen bei der Recherche oder sorgen High-Tech-Diagnosegräte für den Erhalt der Gesundheit. Holger Volland ist von dieser Entwicklung ebenso fasziniert wie beunruhigt. Denn Künstliche Intelligenzen lernen zunehmend selbsttätig - , auch ohne dass wir sie ständig mit Daten füttern. Die Algorithmen haben offenbar längst damit begonnen, ein Eigenleben zu führen. Wird der Mensch also eher früher als später vor der Macht kreativer Maschinen kapitulieren müssen?

Volland hat Informationswissenschaft studiert und als Internetpionier für die Unternehmensgruppe „Pixelpark“ in Berlin und New York an Kommunikations- und E-Business-Lösungen mitgewirkt. Er war Partner einer Unternehmensberatung und lehrte an der Hochschule für Gestaltung in Wismar. Zudem ist er Gründer des Kulturfestivals „the arts+“ der Frankfurter Buchmesse. Volland hat somit das notwendige Fachwissen und auch die Kreativität, den technologischen Fortschritt der KI ebenso zuverlässig zu beschreiben wie kritisch zu hinterfragen. Beispielhaft und detailliert zeigt er auf, inwieweit die KI schon heute unser Fühlen und Denken bestimmt. Mit unerbittlicher Konsequenz wird in diesem - auch für absolute KI-Laien - gut lesbaren Buch dargelegt, wie die KI dem Menschen immer ähnlicher wird und dabei immer umfassender auf bislang noch überwiegend rein menschliche Domänenzugreift.

„Sprache“, „Bilder“, „Kreativität“, „Emotion“, „Gestalt“, „Sinne“, „Erlebnisse“ und „Geschichte“ - das sind die Themenbereiche dieses spannenden Buchs. Im Kapitel „Sprache“ etwa wird berichtet, dass Maschinen Shakespeare lesen, „damit sie unser Leben steuern können“. „Bilder“ betrachten kreative Maschinen vor allem, um „über echt und falsch, schön und hässlich, gesund oder krank, kriminell oder unschuldig“ urteilen zu können. Selbst wenn Maschinen uns in unserer Kreativität vorerst noch unterstützen, langfristig sieht das ganz anders aus: „Maschinen machen uns erst zu Universalkünstlern und rauben uns dann die Schöpfungskraft.“ Wie Maschinen in unsere Körper schlüpfen und den „Menschen zum Lizenzprodukt“ degradieren, wird im Kapitel „Gestalt“ erläutert. Und was das Thema „Erlebnisse“ anbelangt, so kann jeder wohl schon auf eigene Erfahrungen zurückgreifen: „Maschinen“, so Volland, „machen unser Leben zum Game - und unser Gehirn spielt begeistert mit.“

Auch wer bislang auf Smartphone, Facebook oder Google völlig verzichtet hat, muss sich vergegenwärtigen, dass er längst von einer ständig anwachsenden persönlichen Datenwolke begleitet wird. „Sie wird Daten zu unserem vollständigen Leben, unserem alltäglichen Verhalten, unserer persönlichen Umgebung, unseren Einstellungen, Wünschen und unsere gesamten Kommunikationsdaten beinhalten. Es werden vor allem Wirtschafts- und Technologieuntenehmen sein“, so Volland, „die diese Datenwolke aufbauen und beherrschen können und wollen.“

Gibt es ein Rezept, die „kreative Macht der Maschinen“ sinnvoll zu begrenzen? Nach Volland müssen sowohl KI-Enthusiasten als auch KI-Verächter vor allem mehr Verantwortung für ihre Daten übernehmen: „Wir müssen wieder lernen, Geld dafür zu bezahlen, dass jemand eine Dienstleistung für uns erbringt. Nur so zwingen wir die Unternehmen dazu, uns als ihre Kunden zu betrachten und nicht als ihr Produkt.“

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Reinhard Lassek

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