Sommernachtsträume

Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig
Foto: pixelio/Dietmar Meinert
Foto: pixelio/Dietmar Meinert

Felix macht glücklich!“ Das verspricht ein T-Shirt unter den ausgewählt edlen Souvenirs des Leipziger Museums im Mendelssohnhaus. Auf den Spuren Felix Mendelssohn Bartholdys durch Leipzig zu wandeln, macht glücklich, wenn man seine wunderbare Musik im Ohr hat, und gleichzeitig sehr nachdenklich. Mendelssohn Bartholdy hat Leipzigs Ruf und Ruhm als Musikstadt etabliert. 1843 gründete er hier das erste deutsche Konservatorium. Sogar wenn er selbst keine einzige Note komponiert hätte, so wäre die Wiederbelebung Bachs – der seit seinem Tod 1750 schier vergessen war – allein schon enormes Verdienst gewesen.

Die Stadt Leipzig hat mit dem Projekt „Notenspur“ eine mehr als fünf Kilometer lange Fährte zu den Wirkungs- und Lebensstätten all ihrer berühmten Musiker gelegt. Sie führt auch in die Goldschmidtstraße 12. Die Belétage des Hauses hatte Felix Mendelssohn Bartholdy 1845 gemietet. Hier lebte er mit seiner Frau Cécile Charlotte Sophie, den zwei Töchtern und drei Söhnen sowie zwei Angestellten; hier starb er am 4. November 1847.

War Felix in Leipzig glücklich? Als er 1835 zum Musikdirektor der Gewandhauskonzerte in die Messestadt berufen wurde, war er mit 26 Jahren schon der beste unter den lebenden deutschen Komponisten, ein musikalisches Genie, gesegnet mit vielen Talenten und einem so wohlhabenden wie fördernden Elternhaus. Es war ihm aber auch schon in die Wiege gelegt worden, sich ständig nützlich zu beschäftigen. Nie konnte er „nichts tun“. So lag sein Glück in der Arbeit, im Komponieren und Dirigieren und vielem mehr. Ja, Felix Mendelssohn Bartholdy war als Pädagoge und Talenteförderer, Kulturpolitiker, Hochschulrektor und Personalchef, Komponist und Herausgeber, Manager und Familienvater ein „Workaholic“, dabei aber sozial gegenüber Mitarbeitern und Untergebenen. Seine „Connections“ und sein Vermögen setzte er sinnvoll ein. Sein enormes Pensum ließ ihn wohl ab und zu „explodieren“. Als „eine Kerze, die von zwei Seiten abbrennt“, bezeichnete ihn Kurt Masur einmal. Bereits 1844 trat der Umtriebige nach „solch einer entsetzlichen Hatz“ von allen Ämtern zurück, um sich nur noch dem Komponieren und der Familie zu widmen. Vom Tod seiner Schwester Fanny, seiner Seelenverwandten mit derselben genialen Begabung, im Frühjahr 1847 erholte er sich nicht. Sie starb an einem Hirnschlag. Dasselbe Leiden besiegelte im Herbst darauf auch das irdische Dasein ihres Bruders, während „ganz Leipzig“ tagelang bangend vor seinem Wohnhaus zubrachte. Sein Leichnam wurde mit einem Sonderzug (!) zur Beerdigung nach Berlin überführt.

Schon bald traten Neider und Missgönner auf den öffentlichen Plan: Ein wahres Genie vertrüge sich nicht mit Reichtum. Oder: Seiner Musik fehle es an Tiefe. Auch Richard Wagner trug dazu bei. Die Perfidität der Nazis aber macht sprach- und tonlos: Obwohl diese ihn wegen seiner jüdischen Herkunft verunglimpften, spielten die offiziellen Häftlingskapellen in den Konzentrationslagern seine Musik.

Lange stagnierte die Mendelssohn-Rezeption; erst Kurt Masur hob mit der Gründung der Mendelssohn-Stiftung 1991 den Stab zur Ouvertüre einer Neubesinnung. „Lieder ohne Worte“ kommentieren am treffendsten die Perversionen und Plattitüden der Geschichte, die einer ihrer größten Persönlichkeiten so viel schuldig geblieben ist.

Information

Das Museum im Mendelssohn-Haus Leipzig, Goldschmidtstraße 12, ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Jeden Sonntag um 11 Uhr laden Matineekonzerte im Salon oder im Garten zum Besuch ein. Samstags um 10 Uhr finden Rundgänge zu seinen Wirkungsstätten in Leipzig statt.

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Angelika Hornig

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