Spannend

Leben der Argula von Grumbach
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Halbach versteht es, ihre Heldin und deren Zeit zum Leben zu erwecken.

Sie war die Reformatorin der ersten Stunde: Argula von Grumbach, fränkische Adelige und mutige Streiterin für den evangelischen Glauben. Und sie hat es verdient, dass jetzt innerhalb weniger Jahre ein drittes Buch erschienen ist, das sich ihrem Leben und Werk widmet.

Silke Halbach, die bereits mit ihrer Dissertation die wissenschaftliche Grundlage zur Rezeption der Flugschriften Argulas legte, hat einen historischen Roman über Die Reformatorin verfasst. Auf gut 500 Seiten erzählt sie die Lebensgeschichte der Frau, die Martin Luther einst ein „besonderes Werkzeug Christi“ nannte.

Wie Halbach in ihrem Vorwort schreibt, sei ihr Buch keine Fiktion, sondern das „Bildnis“ einer starken Persönlichkeit. Gründliche Recherche liegt dem Buch zu Grunde, Argulas Flugschriften werden allesamt in leicht verständlichem Deutsch widergegeben. Dabei wechseln sich erläuternde Passagen, in denen die Reformationsgeschichte bis zum Jahr 1560 in ihren großen Linien nachgezeichnet wird, mit den erzählerischen und fiktiven Teilen des Romans ab.

Hatte schon der neuseeländische Kirchenhistoriker Peter Matheson in seiner Biographie über die selbstbewusste Freifrau konstatiert, ihr Leben werfe mehr Fragen auf als es Antworten gebe, so nimmt Halbach dieses Motiv auf.

„Es gilt, Fragen zu stellen“, schreibt die Autorin mit Blick auf das Leben Argulas, „Fragen nach ihren Wurzeln und ihrer Kindheit, ihrer Zeit bei Hofe, der arrangierten ersten Ehe, ihrem Alltag als Ehefrau und Mutter, nach ihrem Umgang mit Ablehnung, aber auch Erfolg und schließlich nach ihren letzten Jahren, die von Trauer und Leid gezeichnet waren.“ Auf diese Fragen möchte Halbach mit ihrem historischen Roman eine Antwort geben, „die der historischen Wahrheit möglichst nahekommt, jedoch nicht immer mittels Beweisen belegbar ist.“

In zahlreichen Kapiteln entwirft sie ein lebendiges Bild ihrer Protagonistin, angefangen von der Kindheit auf Burg Ernfels bei Beratzhausen bis hin zum Tod als alte Frau, die wegen ihrer Predigttätigkeit an Gräbern von Verstorbenen und allerlei sonstigem „Ungehorsam“ nur knapp einer Gefängnisstrafe entgeht. Wobei anzumerken ist, dass Halbach, indem sie Argula von Grumbach mit 71 Jahren in Köfering sterben lässt, nur einer möglichen These über das Lebensende der ersten evangelischen Flugschriftenautorin folgt. Andere Wissenschaftler halten es für erwiesen, dass Argula bereits mit 62 Jahren in Zeilitzheim gestorben ist und dort auch begraben wurde.

Wie dem auch sei: Halbach versteht es, ihre Heldin und deren Zeit zum Leben zu erwecken. Einen besonderen Höhepunkt des Buches bilden natürlich die Jahre 1523 bis 1524, die gut zwölf Monate also, in denen Argula von Grumbach ihre insgesamt acht Flugschriften verfasste und dabei ihre Ehe, ihre gesellschaftliche Stellung, ja sogar ihr Leben aufs Spiel setzte. Denn sie forderte alle wichtigen Autoritäten ihrer Zeit mit ihrem öffentlichen Eintreten für die Reformation heraus: die Universität, die Hierarchie der Kirche und die bayerischen Fürsten. Spannend erzählt der Roman von diesen wichtigen Wochen im Leben Argulas.

Halbach, die von sich selbst sagt, Entschlossenheit sei ihr Hauptcharakteristikum, zeichnet auch ihre Hauptfigur als eine Frau von Entschlossenheit und Mut, deren tiefe Glaubensüberzeugungen bereits in der Kindheit durch den Vater begründet wurden. Komplettiert wird das Buch durch eine Karte, auf der die Orte verzeichnet sind, an denen Argula gelebt und gewirkt hat. So ist dieses Buch ein facettenreiches Porträt einer der bemerkenswertesten Frauen der Reformation.

Sonja Domröse

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