Silberne Hochzeit

Orkis und Mutter musizieren
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Mutter und Orkis betonen gleichermaßen das Miteinander, den symbiotischen Atem.

Anne-Sophie Mutters wichtigste musikalische Beziehung hat ihre beiden irdischen Ehen längst überdauert. Nun wird sogar Silberne Hochzeit gefeiert, schon 25 Jahre lang ist Lambert Orkis der Recitalpartner der Stargeigerin. Die Deutsche Grammophon würdigt das Jubiläum mit dem "Silver Album", einer hörenswerten Doppel-CD mit Werken von der Klassik bis zur Gegenwart.

Äußerlich betrachtet ist es ein ungleiches Paar. Hier Anne-Sophie mit ihrer wallenden Mähne schon vom Auftreten her magnetisch, schillernd, groß. Dort Lambert Orkis, Jahrgang 1946, ein bescheidener, unauffälliger Gentleman. Im Konzert erlebt man sie oft genau so: Die Mutter, wie sie mit atemberaubender Power das musikalische Feuer ihrer Stradivari erweckt, daneben Lamberti Orkis in nobler Zurückhaltung, der Grande Dame den Vortritt lassend.

Ob denn Zurückhaltung eine Tugend sei, wenn Klavier und Violine aufeinander treffen, ist Anne-Sophie Mutter im Interview gefragt worden. "Einen höflich flüsternden Begleiter habe ich nie gesucht, weder als Dirigenten noch als Kammermusikpartner", sagte sie, "dazu habe ich selbst einen viel zu großen Klang, ich kann schließlich auch ordentlich zupacken. Zuviel Rücksicht muss man auf mich nicht nehmen." Vielleicht lässt man sich zu leicht vom Augenschein täuschen. Jedenfalls betonen Mutter und Orkis gleichermaßen das Miteinander, den symbiotischen Atem. Besonders schön zu erleben in der Weltersteinspielung von Previns zweiter Sonate für Geige und Klavier: Deren langsamer Mittelsatz vereint perlende pianistische Arpeggios und klagenden Geigenschmelz, eingerahmt von scharfsinnig konturierten Ecksätzen in perfekter Gleichberechtigung.

Die Symbiose kann auch darin bestehen, dass sich die Geige zurücknimmt und in den Dienst des Klaviers stellt, wie das vorbildlich in Mozarts Sonate KV 481 geschieht. Orkis' feinadriges Spiel, das nicht zuletzt Mstislaw Rostropowitsch zu schätzen wusste, entfaltet einen samtigen Glanz, den Anne-Sophie Mutter vorsichtig akzentuiert.

In den weiteren Werken, die auf dem Silver Album versammelt sind, - Beethoven, Brahms, Fauré, Massenet, Debussy, Ravel, Kreisler -, neigt sich die Waage allerdings oft deutlich zur Geige hin; Mutter-Fans werden darob nicht traurig sein. Seltsam an dieser Veröffentlichung ist nur die Entscheidung der Plattenfirma, als zweite Ersteinspielung Pendereckis "La Follia" für Solo-Violine auszuwählen. Da ist die Mutter auf der Höhe ihrer Kunst, keine Frage. Aber was hat dieser Singletrip bei einer Silbernen Hochzeit zu suchen?

Anne-Sopie Mutter & Lambert Orkis - The Silver Album. Deutsche Grammophon 0289 47929499, 2 CDs.

Ralf Neite

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