Schwarze Hunde

Über Churchill und Chaplin
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Was wirklich so war und was so hätte sein können, bleibt offen, ist aber auch gar nicht relevant.

Sie treffen sich zum ersten Mal am Strand, danach immer wieder, mal am Strand, mal an ganz anderen Orten. Und immer wieder geht es um ein Thema: Der schwarze Hund Depression, der beide Männer immer wieder anfällt und sie an Selbstmord denken lässt. Doch sie helfen einander und überleben, auch durch die "Methode des Clowns", der Irrsinn mit Irrsinn bekämpft. Zum Glück überleben sie, denn die Welt wäre eine andere, wahrscheinlich schlechtere, wenn Winston Churchill und Charlie Chaplin früh gestorben wären.

Der österreichische Bestsellerautor Michael Köhlmeier erzählt in seinem neuesten Roman die Geschichte der beiden Männer, beschreibt ihren Kampf gegen Hitler, den sie auf unterschiedliche Weise fochten, der eine als Krieger, der andere als Künstler, dringt aber auch tief ein in die Seelenwelt der Protagonisten. Köhlmeiers Erzähler, selber ein Clown, der wiederum auf die biographischen Arbeiten seines Vaters zurückgreift, zitiert unendlich viele Quellen. Aber er verweist auch darauf, dass es um eine Geschichte geht, nicht um Geschichte. Was wirklich so war und was so hätte sein können, bleibt offen, ist aber auch gar nicht relevant.

Denn Köhlmeier, der in der Hörbuchversion sein eigenes Werk mit gekonnten Variationen seiner sonoren Stimme vorträgt, gelingt auch akustisch das Spiel auf den unterschiedlichen Ebenen. Er führt die Handlungsstränge immer wieder spätestens dann zusammen, wenn der Hörer sie zu verlieren droht. Und er zeichnet ein facettenreiches Bild zweier genialer Menschen, über die man so vieles zu wissen meinte und offenbar doch so wenig weiß.

Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand. Der Hörverlag, München 2014, 7 CDs.

Stephan Kosch

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