Leuchtende Augen

Stefan Zweigs Brasilien
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Warum man dieses Buch hören sollte? Weil man dabei mindestens so viel über den Autoren und seine Geschichte lernt, wie über das Land.

Warum sollte man ein Sachbuch eines Literaten über Brasilien lesen - oder hören - das 73 Jahre alt ist?

Weil es in weiten Teilen um die Landesgeschichte geht, die viel weiter zurückliegt und aus der wir viele spannende Details erfahren, wie wichtig die Rolle von sechs Jesuiten für die Entwicklung des Landes war. Weil sich die Identität und Mentalität eines Volkes, so sie sich erst einmal gebildet hat, nicht mehr grundlegend ändert. Weil es gut tut, in multimedial und sprachlich oft hektischen Zeiten die altmodische Stimme des gelehrten Beobachters zu hören. Im puristischen Hörbuch ist dies die des Schauspielers Volker Martens, der souverän durch die Jahrhunderte flaniert, wobei eine Stimme mit österreichischem Klang dem Autoren vielleicht gerechter geworden wäre...

Dennoch - das alles sind Argumente dafür, Stefan Zweig auch im Jahr 2014 noch Aufmerksamkeit zu schenken. Der entscheidende Grund aber ist, dass wir dabei mindestens so viel über den Autoren und seine Geschichte lernen wie über das Land. Wir lernen seine leuchtenden Augen beim Blick auf Brasilien verstehen, weil er zuvor unter der bedrängenden und menschenverachtenden Politik der völkischen Einheit und rassischen Reinheit Nazi-Deutschlands gelitten hat. Denn Zweigs entscheidende Begründung für die Fortschrittlichkeit Brasiliens ist dessen Charakter als Schmelztiegel, als Land, in dem verschiedene Kulturen miteinander friedlich leben und ein Krieg nicht nur räumlich in weiter Ferne liegt.

Dass er dabei zuweilen verklärt, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch das verzeihen wir dem Autor aus der Vergangenheit - auch weil wir wissen, wie jäh der Idealismus sein Ende nahm, als Brasilien in den Krieg eintrat und der dort lebende Pazifist Zweig als Reaktion darauf seinem Leben ein Ende setzte.

Stefan Zweig: Brasilien - Ein Land der Zukunft. Lesung in Auszügen. Audiobuch Verlag, 4 CDs.

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Stephan Kosch

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