Gemeinsam tun, was geht

Ein Kurienkardinal auf der Synode: VELKD sucht nach Wegen zur kirchlichen Einheit
Ökumenischer Gottesdienst am Rande der Synode. Foto: epd/Norbert Neetz
Ökumenischer Gottesdienst am Rande der Synode. Foto: epd/Norbert Neetz
Ein ökumenischer Gottesdienst zum Taufgedächtnis, ein Kurienkardinal als Gastredner und eine Debatte über das Verbindungsmodell - die Fragen der innerprotestantischen Einheit und der ökumenische Aspekt des bevorstehenden Reformationsjubiläums prägten die diesjährige Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland.

Wenn Günther Beckstein das Wort ergreift, darf man in der Regel markige Worte erwarten, die nicht gerade durch diplomatischen Feinschliff auffallen. Auch bei der diesjährigen Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) enttäuschte der ehemalige bayerische Ministerpräsident in diesem Punkt nicht. Es wäre eine schöne Idee, sagte Beckstein, wenn es pünktlich zum Reformationsjubiläum 2017 nur noch eine evangelische Kirche geben würde.

Lutheraner, Unierte und Reformierte innerhalb von fünf Jahren miteinander fusionieren? Das an sich kann man ja schon durchaus ambitioniert nennen. Doch Beckstein verband die positive Vision gleich auch noch mit einer deftigen Kritik an der EKD. Diese müsse sich auch verändern, damit das möglich sei. Die EKD müsse sich zu weniger Themen äußern und dafür das "spezifisch Evangelische" durch geistliche Themen stärker betonen. Als Negativbeispiel sieht Beckstein die EKD-Denkschrift zur Gesundheitsreform, die keine große Resonanz erzeugt habe. Dies alles sagte er "mit vollstem Respekt" vor Katrin Göring-Eckardt, der Präses der EKD-Synode, deren Vize-Präses Beckstein ist.

Die Synodalen reagierten mit deutlich zurückhaltendem Applaus. Allerdings muss man feststellen, dass Beckstein mit seinem Statement die beiden großen Themen der Generalsynode zusammengefasst und vorangetrieben hat. Nämlich einerseits die Frage, wie in fünf Jahren am 500. Jahrestag Martin Luthers Thesenschlag gedacht werden soll - und andererseits, wie es auf dem Wege der kirchlichen Einheit weitergehen soll, und das nicht nur innerevangelisch, sondern auch und gerade mit Blick auf die katholische Kirche. Denn zu Gast auf der Synode war auch hochkarätiger Besuch aus Rom. Kurienkardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Dieser stellte den Lutheranern die Frage, ob sie die Reformation als einen Bruch oder in Kontinuität mit der Tradition der universalen, also katholischen, Kirche sähen. Schließlich hätten die Reformatoren ja nicht die Kirchenspaltung, sondern die Reform der einen Kirche als Ziel gehabt. "Bei der Ökumenischen Bewegung geht es insofern um nichts weniger als um das - freilich arg verspätete - Gelingen der Reformation im Sinne einer evangelischen Erneuerung der universalen Kirche", sagte Koch. Dabei könnten sich beide Seiten auf die frühe apostolische Kirche besinnen und dort nach den gemeinsamen Grundlagen suchen.

Sicher, das ist weit weg von gemeinsamen Gottesdiensten an einem Sonntag, womöglich noch mit gemeinsamem Abendmahl. Auch werde noch heftig um die Frage gerungen, ob das runde Jubiläum des Thesenschlages einerseits und das des 2. Vatikanischen Konzils andererseits gemeinsam gefeiert werden könnten, sagte der Catholica-Beauftragte der VELKD, Landesbischof Friedrich Weber, und stellte klar: "Beide anstehenden Jubiläen sind keine ökumenischen Veranstaltungen, sondern liegen in der Verantwortung einer der beiden Kirchen."

Gleichzeitig gebe es die Pflicht, den Jubiläen jeweils eine ökumenische Dimension zu geben. "Die eine Kirche lädt die andere ein, mit dabei zu sein." Bei allen Unterschieden dürften Protestanten und Katholiken nicht nachlassen, "das zu tun, was möglich ist". Zum Beispiel gemeinsame Stundengebete oder Gottesdienste zum Taufgedächtnis feiern, wie die Synodalen an einem Abend in Lübeck - sie waren davon spürbar bewegt.

Und wie geht es weiter mit der innerprotestantischen Vereinigung bis 2017? Das war den Synodalen dann offenbar ein zu forsches Ziel. Aber immerhin, das vor sieben Jahren beschlossene Verbindungsmodell, in dem die Organe von EKD, VELKD und UEK enger miteinander verzahnt wurden, soll weiterentwickelt werden. Erster Schritt soll eine Evaluation des bisher Erreichten bis zur nächsten Generalsynode sein. Zugleich regt die Generalsynode an, mit der EKD, der UEK und dem Reformierten Bund in theologische Gespräche über die Leuenberger Kirchengemeinschaft, über das Augsburgische Bekenntnis ("als mögliches einendes Grundbekenntnis") sowie über die Barmer Theologische Erklärung einzutreten. Dadurch könne "eine neue Qualität des Verbindungsmodells bis zum Jahre 2017" entstehen. Immerhin.

Stephan Kosch

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