Unerhört

Über das Kreuz
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Der aufmerksame Leser kann sich der kundigen Führung des Autors anvertrauen, um mit ihm eine Wanderung durch die verschiedenen Schriftenkreise des Neuen Testaments zu unternehmen. Dabei wird mit Nachdruck einem - leider verbreiteten - Missverständnis entgegengetreten.

Was bedeutet das Kreuz Jesu für Glauben und Leben der Christen? Warum musste Jesus ein so bitteres Leiden auf sich nehmen? Wie konnte der Gott der Liebe das zulassen? Musste ein so großes Opfer gebracht werden? Die Frage, welcher Sinn dem LeidenJesu eigen war und ist, wird heftig diskutiert. Oder sollte es so sein, dass diese Frage deshalb unbeantwortet bleibt, weil die alte Rede von Jesu Tod, den er für uns starb, nicht mehr verstanden werden kann? Walter Klaiber, emeritierter Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche, hat sich mit diesen Fragen gründlich auseinandergesetzt und in einem kleinen Handbuch verlässliche Antworten gegeben. Dabei legt er die einschlägigen Bibelstellen umsichtig aus, indem er in einer klaren und allgemeinverständlichen Sprache ausführt, was gründlich betriebene Bibelwissenschaft zu dem sagen kann, was das Kreuz Jesu bedeutet. Der Verfasser führt aus, dass in den neutestamentlichen Schriften mit einer Vielfalt von Vorstellungen und Begriffen die unvergleichliche Botschaft vom Kreuz Christi beschrieben wird. Der aufmerksame Leser kann sich der kundigen Führung des Autors anvertrauen, um mit ihm eine Wanderung durch die verschiedenen Schriftenkreise des Neuen Testaments zu unternehmen. Dabei wird mit Nachdruck einem - leider verbreiteten - Missverständnis entgegengetreten, als ginge es bei der Rede vom sühnenden Tod Christi darum, dass durch dieses Opfer der zornige Gott hätte versöhnt werden müssen. In der Geschichte der Kirche war zwar immer wieder der Gedanke vertreten, allein durch die Darbringung dieses außerordentlichen Opfers hätte Gott, der über die Sünde urteilt und richtet, Genüge geleistet werden können. Doch an keiner Stelle des Neuen Testaments ist dieser Gedanke ausgesprochen, der später entwickelt und weitergedacht wurde. Vielmehr verhält es sich umgekehrt: Gott - und kein anderer - ist Subjekt des Handelns. Nicht er muss versöhnt werden, sondern umgekehrt: "Gott wendet sich in Christus den Menschen zu und versöhnt sie mit sich selbst." Weil in der urchristlichen Verkündigung diese Botschaft ausgerichtet wird, folgt daraus die Einladung, die der Apostel mit den Worten ausspricht: "Lasst euch versöhnen mit Gott" (2. Korinther 5, 20). Um die unerhörte Nachricht begreifen zu können, dass "Gott seinen Beauftragten einem solchen schändlichen Sterben ausgeliefert hatte", konnte die frühe Christenheit "in den heiligen Schriften Israels, die wir heute Altes Testament nennen", Verstehenshilfen finden. Vor allem half das Lied vom leidenden Gottesknecht, das der Prophet in Jesaja 53 anstimmt, Antwort auf die bohrenden Fragen zu geben. Heißt es dort, dass der Knecht Gottes die Sünden der Vielen auf sich geladen hat, so kann die urchristliche Predigt die Worte der Schrift aufnehmen und sagen: "Christus ist uns Menschen zugut den Tod des Sünders gestorben, damit wir nicht dem endgültigen Todesgeschick verhaftet bleiben." Gottes rettende Liebe zeigt sich gerade im schändlichen Tod seines Sohnes, "weil er dadurch den Menschen in der äußersten Tiefe ihrer Not nahe kommt." (...) "Er kommt zu den Schwachen und zu denen, die nichts gelten, er ist denen nah, die sich von Gott und Menschen verlassen glauben." Das aber bedeutet: "Das Wort vom Kreuz ist also das Kraftzentrum des Evangeliums, mit dem Gott machtvoll das Verderbensgeschick der Menschen durchbricht." (...) "Damit wird das Entscheidende gesagt: In Jesu Person und gerade in seinem Leiden ist Gott den Menschen ganz nahe gekommen." Indem der Verfasser mit sorgfältiger Genauigkeit die biblischen Texte erklärt, die von Jesu Tod am Kreuz handeln, bietet er dem Leser für die "Wanderung durch die Bibel" verlässliche Orientierung. Damit aber stellt er das Rüstzeug zur Verfügung, um "sich eine eigene Meinung im Streit um die rechte Evangeliumsverkündigung zu bilden". Die Ausführungen dieses hilfreichen Büchleins eignen sich auch als Grundlage für Gespräche in kleinen Bibelkreisen, die sich um das Verständnis der Botschaft bemühen, dass Jesu Tod und unser Leben in unlöslicher Verbundenheit miteinander zusammengehören. Möge dieses Buch eine weite Verbreitung und eine gute und intensive Aufnahme finden.

Walter Klaiber: Jesu Tod und unser Leben. Was das Kreuz bedeutet. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2011, 208 Seiten, Euro 12,80.

Eduard Lohse

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