Friedensstifter

Karl Jenkins' Hommage an die guten Menschen
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Jenkins fand den Leitgedanken für sein Werk bei dem persischen Mystiker Rumi aus dem 13. Jahrhundert: "Alle Religionen singen das eine Lied: Möge Frieden mit Dir sein".

Komponisten der Gegenwart haben es schwer. Die Musikindustrie investiert im Zweifelsfall lieber in die x-ste Neueinspielung eines Klassikers. Der englische Komponist Karl Jenkins hat hier eine Ausnahmestellung: Schon siebzehnmal gab es Gold oder Platin für CD-Veröffentlichungen seiner Werke. Allein „The Armed Man: A Mass for Peace“ wurde bereits an die tausendmal in zwanzig verschiedenen Ländern aufgeführt.

An diese "Friedensmesse" schließt nun sein neuestes Werk an: "The Peacemakers". Es ist eine Hommage an Menschen, die sich für den Frieden eingesetzt haben. Überwiegend erweist es Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts wie Martin Luther King, Albert Schweitzer, Anne Frank und Nelson Mandela die Reverenz, daneben aber auch den englischen Dichtern Shelley und Mallory, dem Komponisten Johann Sebastian Bach oder Rumi, einem persischen Mystiker aus dem 13. Jahrhundert. Rumi ist es auch, bei dem Jenkins den Leitgedanken gefunden hat: "Alle Religionen singen das eine Lied: Möge Frieden mit Dir sein". Die Komposition nimmt ihren Ausgangspunkt im christlichen Glauben mit einer Vertonung der Jesus-Worte "Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heißen".

Doch schon der zweite Satz, dessen Text allein aus dem Wort "Frieden" in verschiedenen Sprachen besteht, betont den Grenzen und Kulturräume überschreitenden Anspruch. Vertreter/innen des Islam, Buddhismus, Judentums und des Bahá'i-Glaubens kommen darin zu Wort. Auch die musikalische Sprache ist so gewählt, dass sie möglichst viele Menschen anspricht. Es gibt keine sperrigen, disharmonischen Elemente, die so oft das Markenzeichen Neuer Musik sind. Das London Symphony Orchestra unter der Leitung des Komponisten, der Rundfunkchor Berlin und der City of Birmingham Symphony Orchestra Youth Chorus buhlen mit mächtigem Klang um große Gefühle.

Umso intimer und berührender wirkt die von der Sopranistin Lucy Crow gesungene "Meditation", die das Thema ganz leise angeht. Für klangliche Abwechslung sorgt Jenkins, indem er die klassische Orchesterbesetzung durch Instrumente aus anderen Kulturen und Musikstilen ergänzt. In einer Hommage an den Dalai Lama ertönt die japanische Shakuhachi-Flöte, und analog kommen im Gandhi-Satz indische Tabla-Trommeln zum Einsatz. E-Bass und Saxophon sind dem Jazz entliehen, um im "Celtic Prayer" ist ein Dudelsack zu hören. Das Werk mündet im Gebet eines russisch-orthodoxen Mönchs des 19. Jahrhunderts: "Umarme den Geist des Friedens, und Tausende von Seelen um Dich her werden gerettet werden." Dem kann man sich - gerade zu Ostern - von ganzem Herzen anschließen.

Karl Jenkins - The Peacemakers. London Symphony Orchestra, Rundfunkchor Berlin. EMI Classics0 84378 2.

Ralf Neite

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