Die Sache mit Jesus

Theologie aufregend literarisch
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Wer schreibt, der bleibt. Jörg Zinks Bücher sind Legion. Jörg Zink kann reden. Niemand hat dem "Wort zum Sonntag" so sehr den Qualitätsstempel aufgedrückt wie er, der knapp neunzigjährige Stuttgarter Medienprofi.

Wer schreibt, der bleibt. Wenn das stimmt, wird die Nachwelt sich noch lange an den schwäbischen Pfarrer und Publizisten Jörg Zink erinnern. Seine Bücher sind Legion. Als knapp Neunzigjähriger legt er jetzt ein Buch vor, dem der Rezensent viele Leser prophezeit. Jörg Zink kann reden. Niemand hat dem "Wort zum Sonntag" so sehr den Qualitätsstempel aufgedrückt wie er, der Stuttgarter Medienprofi. Gäbe es einen Preis für das Lebenswerk eines evangelischen Rhetors, Zink wäre für der verdienteste Anwärter. Jörg Zink kann schreiben.

Wenn er in den Sechzigerjahren in jedem evangelischen Bücherregal mit seinen modernen Bibelübertragungen präsent war, so verharrte er seitdem nicht auf dem ungewöhnlichen Erfolg, sondern redete und schrieb unermüdlich weiter. Ein gutes halbes Jahrhundert publiziert er christlichen Lesestoff. Darunter viele Bestseller. Nicht für Fachtheologen, nicht für Seminaristen oder gar angehende Doktoranden. Zink schreibt für die Laien in der Kirche. Seine Leidenschaft ist zugleich die des Theologen und eines Pädagogen, er bewegt sich stilsicher auf dem Parkett des literarisch ambitionierten Aufklärers wie dem des kritischen Journalisten. Vor allem aber: Er kann erzählen.

Sein neuestes Werk reiht sich nahtlos in sein umfangreiches Werk. Er knüpft damit an seine ersten Publizistenjahre an. Wenn es dem frühen Zink um Bibel pur ging, hat er sich in diesem Spätwerk der unmittelbaren Wirkungsgeschichte des neutestamentlichen Hauptprotagonisten - Jesus von Nazareth, dem Christus der Urgemeinde - zugewandt. Zink erzählt anschaulich die Geschichte, die sich nach dem Tod Jesu ereignete. Also beginnt er mit den Osterberichten, lässt dann den Leser teilhaben an den Missionsreisen des Paulus, referiert die Entstehungsgeschichten der später datierten "erstaunlich farbigen" Briefe des Petrus oder Jacobus und schließt den historischen Rückblick mit dem Datum der "frühkatholischen" Kanonisierung - hundert Jahre nach dem Tod Jesu.

Theologiestudierende plagen sich mit der "Einleitungsgeschichte des Neuen Testamentes", wenn sie lernen wollen, wer was wann warum und wo geschrieben hat. Das ergibt oftmals dröge Fachliteratur und erweist sich nolens volens nur als notwendiger Examens-Paukstoff. Doch das muss nicht sein - bei Zink führt wie gewohnt ein spannender Erzähler die Feder. Theologie kann an- und aufregende Literatur sein. Typisch Zink eben.

Dann aber setzt der Autor kurz vor der Zielgeraden zum gewaltigen Sprung an. Er überwindet im beherzten Salto Mortale den "garstigen Graben" zwischen der frühen Christenheit und unserem 21. Jahrhundert. Jörg Zink landet bei den großen ökumenischen Zielsetzungen, die nach seiner Meinung aber an den Menschen vorbei gegangen seien - letztlich also gescheitert sind. Wie überlebt aber die "Sache mit Jesus"? Nicht im eigenen Saft schmorend.

Für zielführend hält Zink eine Allianz auch mit anderen Religionen. Hier spürt man die Nähe zu seinem katholischen "Beinah-Altersgenossen" Hans Küng, der seit Jahrzehnten dem Ethos der Weltreligionen nachspürt. Man muss sich auf den Weg begeben. "Der Trost ist, was die Kirche anzubieten hat", resümiert Zink. Sie biete nämlich Heimat dem, der sie sucht. So kann Jörg Zink am Ende in dichterischer Sprache schreiben: "Selig sind, die Heimweh haben".

Jörg Zink: Vom Geist des frühen Christentums. Kreuz Verlag, Freiburg 2011, 391 Seiten, Euro 19,95.

Uwe Michelsen

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