Unverzichtbar

Milder Kiwi-Psychedelik-Pop
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Sounddichte und ergreifende -Raffinesse, wie sie zuletzt bei der Neuseeland-Welle Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre zu hören war.

Trotz schwieriger Themen werden Sentimentalität, Moralpredigt und Selbstmitleid geschickt umschifft. Gekonnt eingesetzter Humor bedient zugleich Tragödie und Komödie. Und da er so leichtfüßig daher kommt, mag man versucht sein, die Tiefe zu unterschätzen - meinte die Jury zu Taika Waititis Film Boy, der 2010 bei den Berliner Filmfestspielen den Großen Preis des deutschen Kinderhilfswerks bekam.

Lob, das auch auf Buffalo zutrifft, das nun schon vierte Album von The Phoenix Foundation. Die 1997 gegründete sechsköpfige Band aus Wellington, Neuseeland, hat für ihren Landsmann Waititi den Boy-Soundtrack eingespielt und schon zuvor mit ihm zusammengearbeitet. Buffalo, das in Neuseeland so ziemlich jeden Preis in unterschiedlichsten Kategorien erhielt, ist ihr erstes Album, das auch in Europa erscheint und das die Herren Samuel Scott (Gitarre, Gesang), Lukasz Buda (Gitarre, Gesang, Keyboard), Conrad Wedde (Gitarre, Keyboard), Tom Callwood (Bass), Richie Singleton (Drums) und Will Ricketts (Percussion) ab Februar auf zweimonatiger Tour bei uns vorstellen.

Die Themen der zehn durchweg exquisiten Songs reichen von Romantik bis Absurdität, Gefühlsverwirrung (der Opener "Eventually"), Umwelt-Apokalypse, Liebesschmerz, fulminantem Bekenntnis zu Emotionen ("Flock of Hearts") und mauligem "Geh mir aus der Sonne!" ("Bitte, Bitte") über so präzis vermessene wie stets in überraschende Bilder gefasste Einsamkeitsszenarien bis zur bittersüß siegenden (Über-)Lebenswillen- und Trosthymne ("Bailey's Beach").

Bittersüß

Ein unverzichtbares Album. Sein Musikgewand ist uns auf den von Zeitgeistleere und Gefühlsratgebern ge­schundenen Seelenleib geschneidert: Packende Melodien mit Anleihen überall, im weiten Feld zwischen Progrock und Psychedelik-Pop, oft schwelgender Chorgesang, teils energische, doch vor allem erzählende und bis ins Versonnene sanfte Männerstimmen, Keyboard-Akzente, die vor Kinderliedtupfern nicht scheuen, meist leichte, pazifisch anrollende Rhythmen, die aber auch Basstrommel-betont treiben können wie im sehr kräftigen Titeltrack, Glockenspiel-Gitarren und perfekte Produktion: Sounddichte und ergreifende -Raffinesse, wie sie zuletzt bei der Neuseeland-Welle Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre mit großartigen Bands wie (an erster Stelle!) The Chills, The Jean-Paul-Sartre-Experience oder The Clean zu hören war.

Nun also: The Phoenix Foundation – absolut authentisch, kein bisschen Retro. Eine Welt für sich, in der emblematisch und unvergesslich die Tierbilder faszinieren und diesseits aller Seelentier-Esoterik in den Bann schlagen: der starke, selbstbewusst auf verzauberndem Pazifikgrund weidende Büffel des Titel-Tracks und der nach endlos langer Zeit über dem Meer heimkehrende Albatros in "Bailey's Beach". Pop, wie er sein soll.

The Phoenix Foundation - Buffalo. Memphis ­Industries / pias / Rough Trade, 2011.

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