Lob der Toleranz

Zwei Menschen überwinden religiöse und kulturelle Grenzen
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Das Hörbuch schildert eine Freundschaft, die selbst heute nicht selbstverständlich wäre: zwischen dem Sohn eines orthodoxen evangelischen Pfarrers und eines orthodoxen jüdischen Küsters.

Angesichts der Broders und Sarrazins lohnt sich die Beschäftigung mit Lessings Leben und Werk besonders. Eine Übersicht gibt dieses Hörbuch. Es schildert eine Freundschaft, die selbst heute nicht selbstverständlich wäre, zwischen dem Sohn eines orthodoxen evangelischen Pfarrers und eines orthodoxen jüdischen Küsters. Umso erstaunlicher ist, dass die beiden, Gotthold Ephraim Lessing und Moses Mendelssohn, einander im Berlin des Jahres 1754 überhaupt begegnet sind, bedenkt man welchen Restriktionen und Vorurteilen Juden damals ausgesetzt waren.

Mendelssohn ist beeindruckt, wie offen und freundlich der gleichaltrige Lessing auf ihn zugeht. Und der ist von Mendelssohns intellektueller Brillanz fasziniert.

Das Zweigespräch setzt sich auch ohne Kontakt fort

Die Freundschaft hält auch, als Lessing nach Wolfenbüttel zieht, und der persönliche Kontakt abbricht. "Das Zwiegespräch" setzt sich aber "in Gedanken" fort, stellt Vera Forester, die Autorin des Hörbuches, fest. Ein Ergebnis ist das Theaterstück Nathan der Weise.

Forester schildert auch das politische und persönliche Umfeld, in dem Lessing und Mendelssohn leben. Der Hörer erfährt sogar, was ein "Schulklopfer" tat, eine Aufgabe, die Mendelssohns Vater erfüllte. Er klopfte an die Türen, um auf den Beginn des Synagogen-Gottesdienstes aufmerksam zu machen.

Die Schauspielerin Kerstin Hoffmann liest gut. Ein Manko ist allerdings, dass Zitate nicht von einem weiteren Sprecher gelesen werden, verstärkt das doch die Dramatik und erleichtert das Zuhören.

Vera Forester: Lessing und Moses Mendelssohn. Geschichte einer Freundschaft. 2 CDs. auditorium maximum, Darmstadt 2010

Jürgen Wandel

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