Im Mittelpunkt

Neue Milieustudie
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Der Band umfasst eine Milieustudie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD und eine Handreichung für Kirchengemeinden, die jeweils exemplarisch auf die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers bezogen sind.

Die neueste Mitgliedschaftsstudie der EKD, die im März 2014 vorgestellt wurde, offenbart ein Problem, das die Kirche in Zukunft weiter beschäftigen wird: Es wird immer schwerer, gerade die jungen Kirchenmitglieder von Sinn und Bedeutung der Kirche zu überzeugen. Weniger der demographische als der Faktor "religiöser Bildung" spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Der Band umfasst eine Milieustudie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD und eine Handreichung für Kirchengemeinden, die jeweils exemplarisch auf die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers bezogen sind. Die Relevanz der Fragestellung ergibt sich schon aus der wiederholt festgestellten Spannung, dass die Kirche einerseits über Mitgliederschwund und Ansehensverlust klagt, andererseits aber in einer missionarischen Situation ist und sein will.

Das Buch hat das Ziel, einen sinnvollen, vor allem auch theologisch reflektierten Umgang mit den Milieuthemen zu ermöglichen. Dabei ist das Instrument der Befragung, so die Autoren, kein Allheilmittel - vor seiner Überschätzung wird ausdrücklich gewarnt. In jedem Fall gilt: Die Kommunikation des Glaubens muss im Mittelpunkt stehen. Gut gelungen ist der einleitende Teil, der unter anderem den Finger in die Wunden kirchlicher Bemühungen um die kirchenfernen Milieus legt. Die klare Bindung der Kirche an das konservative und das (klein-)bürgerliche Milieu ist an sich schon ein Hinderungsgrund dafür, für Mitglieder anderer Milieus attraktiv zu sein. Entscheidend ist, an religiöse Erfahrungen anknüpfen zu können, die jedoch in einigen Milieus bereits weitgehend verloren gegangen sind. Und selbstverständlich müssen individuelle Glaubensformen der christlichen Tradition gegenüber anschlussfähig sein.

Einige Ergebnisse überraschen nicht, andere schon: Bei der Frage des Musikgeschmacks ergibt sich für die Evangelischen eine stärker ausgeprägte Vorliebe für klassische Musik und Musicals. Jedoch gilt auch, dass Musikvorlieben nichts über eine religiöse Orientierung aussagen. Wer eine Orientierung an religiösen Prinzipien verneint, ist kaum für die Teilnahme am kirchlichen Leben zu gewinnen. Die grundsätzliche Bereitschaft für ein ehrenamtliches Engagement aber ist in vielen Milieus vorhanden. Dass sich Eltern erheblich stärker an religiösen Prinzipien und Familientraditionen orientieren als Menschen ohne Kinder, ist ein wichtiges Indiz und korrespondiert mit den ernüchternden Ergebnissen der jüngsten Mitgliedschaftsstudie. Hier bieten sich zum Beispiel (missionarische) Ansatzpunkte für den Bereich der Kinder- und Familiengottesdienste und der Konfirmandenarbeit.

Wer Veranstaltungen im kirchlichen Kontext plant, sollte dabei die Erwartungen an deren atmosphärische Gestaltung berücksichtigen: Wer weiß, mit wem er es in der Gemeinde und deren Umfeld zu tun hat, wird über die Teilnahme-Situation nicht enttäuscht sein und zu einer realistischen Einschätzung kommen. Hierzu ist der zweite Abschnitt sehr zu empfehlen, in dem insgesamt zehn kirchliche Veranstaltungen evaluiert werden.

Im dritten Teil wird eine theologische Reflexion des Themas vorgenommen und in Bezug unter anderen auf die Theologen Richard Niebuhr und Ernst Lange Grundsätzliches festgehalten: Kirche kommt stets vor dem Milieu - und: authentischer Glaube ist gefragt!

Anregungen für die Praxis gibt vor allem die Handreichung. Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD stellt auf seiner Homepage weitere Materialien zum Thema zur Verfügung, darunter auch ein Milieu-Selbsttest (www.milieubox.de).

Petra-Angela Ahrens/Gerhard Wegner: Soziolkulturelle Milieus und Kirche. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2013, 208 Seiten, Euro 29,90.

Peter Noss

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