Bayerische Untertitel

Ein Punktum
Kreuth hätte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft von Bayerns Christsozialen und Britanniens Konservativen werden können. Wie einst zwischen Queen Victoria und Albert aus Coburg. Wäre da nur nicht das leidige Thema „Obergrenze".

Der britische Premierminister David Cameron pries die „wundervolle Landschaft“ von Kreuth und damit auch „die Partei, die das schöne Bayern erfunden hat“ (Herbert Riehl-Heyse). Die Uckermark, Angela Merkels Heimat, hat dagegen noch kein Engländer nicht gelobt. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer geriet ins Schwärmen. Für ihn sind Camerons Forderungen zur Sozialhilfe für EU-Ausländer „CSU pur“.

Kreuth hätte also der Beginn einer wunderbaren Freundschaft von Bayerns Christsozialen und Britanniens Konservativen werden können, wie einst zwischen Queen Victoria und Albert aus Coburg. Wäre da nur nicht das leidige Thema „Obergrenze“. Sie liegt nach der festen Überzeugung von Sally Davies, der „Obersten Medizinischen Beraterin der Regierung Ihrer Majestät“, für Männer bei 2,8 Liter Bier wöchentlich, also drei Mass. Würde man die Obergrenze in Bayern durchsetzen, hätte das die Dehydrierung der Bevölkerung zur Folge. So etwas hat sich bisher nicht einmal die EU-Kommission erlaubt.

Dass Seehofer mit Protestanten fremdelt, kann natürlich mit Günther Beckstein und Markus Söder zu tun haben. Aber auch mit Merkel? Mitunter haben Pfarrer im katholischen Oberbayern ebenfalls Töchter. Aber die halten sich mit Rücksicht auf ihre Erzeuger zurück, statt unter der Losung „Wir schaffen das“, Männern die Richtung vorzugeben.

Eigentlich ist die CSU ökumenisch aufgeschlossen – wie ihre Vorgängerin, die Bayerische Volkspartei. Sie unterstützte bei der Reichspräsidentenwahl 1925 den Protestanten Paul von Hindenburg gegen den Katholiken Wilhelm Marx und verhalf ihm so zum Sieg. Am Ende ernannte Hindenburg einen Kanzler, der sich in Bayern sehr wohlfühlte, Freunde traf, die Oper besuchte und die reine Bergluft genoss.

Menschen versteht man meist, wenn man sich mit ihrer Kindheit beschäftigt. Vielleicht ging der kleine Horst, der in Ingolstadt aufwuchs, mit seinem Vater öfter ins Stadtmuseum und bewunderte den ausgestopften „Schwedenschimmel“. Dieser wurde dem protestantischen Schwedenkönig Gustav Adolf von katholischen Soldaten unterm Hintern wegschossen, als er 1632 die Stadt belagerte.

Muss Angela Merkel nun Angst um ihren Dienstwagen haben? I wo! Sein Hersteller, Audi, hat den Hauptsitz schließlich in Ingolstadt. Aber am besten wäre, Merkel ließe Seehofer einen Milliardenkredit einfädeln – für den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Damit der Syrienflüchtlinge unterbringt und an der Weiterreise nach Bayern hindert. Und dann sollte die Bundeskanzlerin darauf hinwirken, dass das ZDF ihre nächste Neujahrsansprache auch mit bayerischen Untertiteln anbietet und nicht nur – wie die letzte – mit arabischen (auf ZDFarabic).

Jürgen Wandel

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