Goldig! Eselchen!

Mozarts Hornkonzerte neu

Ob Mozart am Morgen und Bach zur Nacht oder lieber umgekehrt, ist eine Frage des Gemüts, über das Mozart zu sagen wusste: „ … es wird doch kein Mensch sagen können, dass ich im Umgang mürrisch und traurig wäre. Für diese Glückseligkeit danke ich alle Tage meinem Schöpfer.“ In den Kontext dieses Gemüts passen die vier Konzerte, mit denen diese CD aufwartet – geschrieben für das Horn, die Nachtigall der Blechblasins-trumente, das ob seiner feinen Fühlung und seiner klanglichen Geschmeidigkeit im markanten Reformationsklang kirchgemeindlicher Posaunenchöre oft etwas verloren wirkt. Es ist das Instrument der Zwischentöne, der schwebenden Freiflüge und des heiter-melancholischen (Herzens-)Galopps, kurzum ein Mozart-
Instrument par excellence. Als solches weiß es Felix Klieser auch zu spielen: Mal als Virtuose verträumt gaukelnder Schmetterlingstänze, mal mit der selbstverschwenderischen Lust fröhlich jagender Fohlen, immer jedoch im klaren Bewusstsein für die Phrase und ihren Herzschlag, streift er durch alle von heiterer Leichtlebigkeit umsäumten Konzerte, als wären sie ihm aufs Mundstück geschrieben. Entstanden sind die Konzerte in den Jahren 1783 bis 1791 für Mozarts Freund Joseph Leugeb, in der Partitur von Mozart nicht nur mit „Eselchen!“ benamt. Für ihn hat er drei vollständig dreisätzige (KV 417, KV 447 und KV 495) sowie zwei Sätze des vierten Konzertes (KV 412, 514) geschrieben, das nach Mozarts Tod von seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr vollendet wurde. 

Es ist – auch und gerade in ihrer für Momente aufschimmernden Melancholie – eine CD des Sommers, die sich der Weite der Welt und ihrer Schönheit hinzugeben weiß, ohne je dabei zu rechnen. Gleich der Auftakt der CD, der einführende Allegro-Satz von KV 495, umgarnt Herz und Sinne im tänzerisch schwebenden, selbst im Standbein kaum noch die Bodenhaftung spürenden Spiel der Camerata Salzburg betörend schön. Begeisternd ist auch die partnerschaftliche Resonanz zwischen Solist und Orchester. Beide sind sich ihrer Rangordnung wohl bewusst, verschmelzen aber in der achtsam-innigen Hinwendung zueinander derart, dass sich eine erhabene Vollkommenheit einstellt. Der gemeinsame Atem schafft eine Berührung ätherischer Art, der Geigenstrich wird zum Windhauch, in den sich singend der Bläserton mischt. Dabei sind Felix Klieser und die Camerata Salzburg nie schwelgerisch, nie romantisch, ihre affektgebundene, kammermusikalische Präzision ufert nie aus.

So umgarnt und geleitet die Camerata Salzburg unter ihrem espritreichen israelischen Konzertmeister Gregory Ahss den Solisten gekonnt und gewandt durch die mozartschen Fährnisse kleiner, unverhoffter Stimmungswechsel und melodischer Winkelzüge, wofür der sich in den finalen Kadenzen mit einem königlichen Fächer klingenden Freimuts bedankt.

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