Es geht voran!

Foto: Rolf Zöllner

Die gerade zu Ende gegangene Amazonas-Synode der katholischen Kirche in Rom hat einen Fortschritt bei der Lockerung des Zwangszölibats gebracht - auch wenn das nicht das Hauptinteresse der Bischofsversammlung war.

Das Wichtige vorweg: Es ging bei der jetzt im Rom zu Ende gegangenen Synode der katholischen Kirche nicht vor allem um das Zwangszölibat, auch wenn das zum Abschluss den größten Raum in der Berichterstattung eingenommen hat. Nein, es ging um die indigenen Völker und ihren Schutz im Amazonas-Regenwald, der bedrohten Lunge der Welt. Man sollte sich vor einer tendenziell eurozentrischen, neokolonialistischen Sicht hüten, die meint, das Zwangszölibat müsse die indigenen Völker am Amazonas am meisten bewegen. Aber das ist nicht so. Ihre Hauptsorge dürfte nicht sein, ob sie nun ein paar Mal häufiger im Jahr die katholische Messe feiern können, weil man zukünftig vielleicht zusätzlich verheiratete Diakone zu vollwertigen Priestern machen könnte, die dann auch die Eucharistie mit ihnen feiern dürfen.

Nein, vielen Völkern am Amazonas geht es, wie die Synode zeigte, viel mehr ums schlichte Überleben - gegen die Ausbeutung und Brandrodung ihrer Heimat, des Urwalds, durch verbrecherische Unternehmen, Großgrundbesitzer und Kleinbauern. Es sind die Gruppen, die sich durch den protofaschistischen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro ermutigt fühlen dürfen, mit dem riesigen Regenwald die Lebensgrundlage der indigenen Völker zu zerstören.

Dennoch, die Entscheidung in Rom, nun auch einigen verheirateten Diakonen die Erlaubnis zur Feier der Eucharistie zu geben, ist bedeutsam. Es ist ein kleiner Schritt zur Lockerung des Zwangszölibats für die Weltkirche mit ihren rund 1,2 Milliarden Gläubigen. Man kann sich zu Recht darüber aufregen, dass in Rom auf der Synode Frauen kein Abstimmungsrecht hatten. Es ist bedauerlich, dass es in Sachen Frauen-Diakonat nur Windelweiches in das Abschlussdokument schaffte. Auch die engen Grenzen, die es erst einmal trotz der Lockerung beim Zwangszölibat geben wird, überzeugen nicht wirklich.

Aber die Diakone-Entscheidung der Synode bleibt ein Fortschritt. Und die Tatsache, dass dieses Schrittchen schon im Vorfeld der Kirchenversammlung so hart umkämpft war zwischen Beharrern und Reformern in der katholischen Kirche, zeigt, dass alle genau wussten: Hier könnte etwas Entscheidendes passieren. Denn das Zwangszölibat ist wie ein Haus aus uralt-speckigen Bierdeckeln: Ein paar kann man heraus ziehen, ohne dass es fällt. Wenn es aber zu viele werden, bricht das Haus zusammen. Und das hoffentlich bald!

Zudem hat die Synode nach einer längeren Pause erneut gezeigt: Papst Franziskus treibt die Kirche trotz aller Widerstände und Rückschläge nun schon seit bald sieben Jahren voran – nicht so schnell, wie man vielleicht hoffen mag, aber stetig. Er muss, auch das ist wenig erfreulich aus Sicht der Kirchenbasis, dem Diakone-Votum der Synode noch zustimmen, sonst trifft es nicht in Kraft. Vor Euphorie also sei, wie immer bei der katholischen Kirche, gewarnt. Aber ein Anfang ist gemacht. Das Zwangszölibat ist ein Modell von gestern. Es wird nach und nach erodieren.

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