Best end ever

Beat Duddeck endlich solo

Am Stimmfach Altus, also der falsettierenden Männerstimme, rieben sich besonders in der Anfangszeit der historischen Aufführungspraxis viele Geister. „Paula Esswood“ lästerten wir der Pubertät scheinbar kaum Entwachsenen noch Anfang der 1980er-Jahre, als wir den Interpretationen des ehrwürdigen Paul Esswood lauschten, der in der aufsehenerregende Bachkantaten-Einspielung von Nikolaus Harnoncourt und Gustav Leonhardt häufig zum Einsatz kam. Absolut mittellustig und ein herzliches „Sorry“, verehrter Mr. Esswood! Heutzutage ist das Stimmfach des Altus, auch „Countertenor“ genannt, eine Selbstverständlichkeit, und es gibt zahlreiche berühmte Vertreter des Faches, ihre Namen sind Legion. Sie aber sollen hier keinesfalls erwähnt werden, denn es geht jetzt um die erste Solo-CD eines Altussängers, dessen Name bisher nicht auf den CD-Covern anzutreffen war, wenn auch sehr häufig darinnen. Es geht um Beat Duddeck, seit Jahrzehnten als erfolgreicher Ensemble-Altist und häufig Mitwirkender in Spitzenchören wie dem Collegium Vocale Gent (Philippe Herreweghe) oder dem Balthasar-Neumann-Chor (Thomas Hengelbrock) Szene­kennern natürlich bestens bekann.

Als Solist aber trat er auf Tonträgern bisher kaum hervor. Nun aber liegt die CD O Lux beata Trinitas vor, deren Untertitel „Norddeutsche Kantaten des Frühbarock“ ein Understatement vermittelt, das die Begeisterung konterkarikiert, die sich nach dem Hören dieser Aufnahme einstellt. Beat Duddeck hat eine wunderbar leichte, aber dabei klar konturierte Stimme, der Textverständlichkeit und schöne Vokal- und Konsonantenfärbung wie selbstverständlich innezuwohnen scheinen; vom Stimmtyp her durchaus Paul Esswood ähnlich, wenn der Vergleich auch unfair sein mag, denn die Entwicklung ist seit den frühen 1960er-Jahren weitergegangen, und zwar steil nach oben. Mit seinem im besten Sinne reifen Klang interpretiert Beat Duddeck Perlen norddeutscher barocker Vokalmusik des 17. Jahrhunderts in kongenialem Dialog mit dem Hamburger Instrumentalensemble Schirokko, das sicher zum Besten gehört, was die Szene zurzeit zu bieten hat.

Das Repertoire der CD, die auch aufgrund des sorgfältig und überzeugend gestalteten Booklets uneingeschränkt empfohlen sei, besteht aus geistlichen Kantaten, die der breiten Öffentlichkeit unbekannt sein dürften, unter anderem von Christian Werner, Augustin Pfleger und Christian Geist. Dessen „O Traurigkeit, O Hertzeleid!“ am Ende der CD ist der Höhepunkt einer an Höhepunkten reichen CD, ja, man könnte vieldeutig denken und sagen: best end ever!

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