Niemanden zurücklassen

EKD-Synodale beraten über Kirche im digitalen Wandel
Der hessische Kirchenpräsident Volker Jung auf der EKD-Synode
Foto: EKD
Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung auf der EKD-Synode.

Neben dem Schwerpunktthema „Kirche auf gutem Grund“ und der Neuausrichtung ihrer Finanzstrategie diskutieren die EKD-Synodalen während ihrer Tagung die strategische Relevanz der Digitalisierung.

Der Ort hätte kaum symbolträchtiger sein können. Als Kirchenpräsident Volker Jung seinen Bericht über „Kirche im digitalen Wandel“ vor den Synodalen einbringt, steht ihm nur das Präsidium in Hannover zur Seite. Alle Synodalen und Mitglieder der Kirchenkonferenz nehmen in einem digitalen Raum teil, Gäste und Journalisten verfolgen die Synodaltagung per Livestream, ebenso digital.

Der hessisch-nassauische Kirchenpräsident macht dabei gleich zu Anfang deutlich, dass der vorgelegte Bericht in der Linie der entschiedenen digitalen Strategie bleibt: zum einen den theologischen und ethischen Diskurs weiterzuführen. Denn eins ist klar: So nützlich die digitale Übertragung der Synodaltagung in Zeiten der Pandemie ist, so deutlich wird auch, was Digitalisierung nicht leisten kann.

Zum anderen bedeute Kommunikation des Evangeliums nicht nur die Nutzung neuer Kommunikationsmöglichkeiten, sondern die Weiterentwicklung des Gemeindelebens. Und: „Hinsichtlich der Arbeitsprozesse geht es noch stärker als bisher darum, Effizienz zu steigern, also nach Möglichkeit vieles schneller, billiger, besser zu machen“, sagt Jung. 

Digitale Kirchtürme

Beispiele für die digitale Arbeit liefert Christian Sterzik, der die Stabsstellung Digitalisierung im EKD-Kirchenamt leitet. 248 Anträge seien für Projekte aus dem Digitalisierungsfonds eingegangen, achtzig bereits genehmigt. In Zahlen heißt das: drei Millionen Euro werden angefragt, 560 000 Euro sind genehmigt. 

Und auch beim Projekt „Digitale Kirchtürme“ verzeichnet Sterzik Erfolge. Zur Erinnerung: Dieses Projekt will die digitale Präsentation der Kirchen und Gemeinden auf breiter Ebene verbessern. Aber der Suche nach einer Gemeinde im Netz sollen wichtige relevante Informationen wie Standort oder Link zur Webseite der Gemeinde obenan in den Suchmaschinen erscheinen. Mit zwölf Landeskirchen konnten so in den vergangenen Monaten 12 500 Standorte aktualisiert werden. Mittlerweile seien sieben Landeskirchen vollständig auffindbar.

Als vorbildlich für die digitale Präsenz der Kirche in Corona-Zeiten nennt Sterzik die Nordkirche. Er verweist auf über tausend Andachten und Gottesdienste, die im YouTube-Format abrufbar sind. Hier hebt er besonders den evangelischen Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg mit seinen LiveLine-Gottesdiensten hervor.

Theologische Grundierung

In der sich anschließenden Diskussion geht es den EKD-Synodalen vor allem darum, wie es gelingen kann, Leitlinien zu entwickeln, um eine „langfristige und nachhaltige Digitalisierungsstrategie auf den Weg zu bringen“, wie die Synodale Gesche Joost in ihrer Wortmeldung formuliert. Die Designprofessorin stellt dabei neben der Frage der Organisationsentwicklung der EKD auch die ethisch-theologische Grundierung in den Vordergrund. Konkret benennt sie den „Aufbau von interdisziplinären Arbeitsprozessen“, „verstärkte Weiterbildungsangebote für kirchliche Akteure“ und eine verbesserte Zusammenarbeit der EKD und der Gliedkirchen, um „Effizienzpotenzial zu heben und sich besser zu vernetzen“.

Kritisch äußert sich Anna-Lena Moselewski: „Digitalisierung ist nur nachhaltig, wenn sie niemanden zurücklässt“, sagt die Jugenddelegierte der EKD-Synode. Sie fordert auch die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Digitalisierung in den Blick zu nehmen. Und auch Katrin Weber aus der rheinischen Kirche fordert: „Digitale und inklusive Kirche gehören zusammen.

Für die Ausschreibung eines Forschungsstipendiums votiert Doreen Habermann. Hierin soll es um die Frage gehen, wie Verkündigung digital funktioniere. Die Jugenddelegierte bemängelt, dass die Digitalisierung noch immer kein Baustein in der Ausbildung sei.

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.


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