Textentdeckungen

Deutsche Nachkriegsgeschichte

Was für ein lesefreundliches Buch voller biblisch-theologischer Entdeckungen und homiletischer Anregungen legen hier Johannes Heidler und Christian Möller als Herausgeber vor! Sie präsentieren damit aus dem theologischen Schaffen von Ingo Klaer (1937 – 2016) einen breiten Querschnitt in 23 ganz unterschiedlichen und doch zugleich innerlich zentrierten Einzelbeiträgen und bringen damit – auch der zeitversetzten deutschen Nachkriegsgeschichte seit 1945 geschuldet – eine ganz eigenständige Stimme in den gegenwärtigen theologischen Diskurs
ein.

Ingo Klaer war von 1963 bis 1965 Repetent am Sprachenkonvikt in Ost-Berlin und erschloss sich dort gemeinsam mit dem späteren Tübinger Theologieprofessor Eberhard Jüngel eine Form systematischer Theologie, die sich bewusst als „konsequente Exegese“ verstand. Später lehrte Klaer erst am Sprachenkonvikt, dann zwanzig Jahre als Dozent für Systematische Theologie am Katechetischen Oberseminar in Naumburg. Hier wirkte er als profilierter Lehrer der Theologie in der DDR, in der ihm die Bibel zum „Zeugnis der Kommunikation zwischen Gott und Mensch“ wurde. Daher war es für Klaer auch wesentliche Aufgabe der Theologie, den Menschen zur Teilnahme an dieser fundamentalen Kommunikationsgemeinschaft zu befähigen. In Naumburg prägte er Generationen von Theologiestudenten und bereitete sie aufs kirchliche Predigtamt in einer atheistischen Gesellschaft vor.

Von Ingo Klaers Forschen und Denken mehr zu erfahren, dazu dient jetzt das zweite Buch Alles, was mein ist, ist dein in hervorragender Weise, wobei sich seine Beiträge sowohl auf die Zeit vor als auch nach der friedlichen Revolution von 1989 verteilen und zum Teil erst nach Klaers Emeritierung entstanden sind. Klaers exegetisch-systematische Studien, die thematisch und umfänglich den größten Teil des Buches ausmachen, entfalten anschaulich die theologische Arbeitsweise des Autors.

Sie ist durch präzise Strukturanalysen der behandelten Texte gekennzeichnet, auf denen aufbauend Klaer überraschend originelle und zugleich gut begründete Einsichten und Erkenntnisse gewinnt, die häufig quer zu den derzeit üblichen Auslegungen liegen. Dabei ist für ihn die Schrift im Alten Testament und Neuen Testament ein Ganzes, was in den drei alttestamentlichen und in den sieben neutestamentlichen Studien sehr schön illustriert wird. Auch die Studie, die sich der Analyse der kirchlichen Passionslieder auf die in ihnen zur Sprache gebrachten Deutungen des Leidens und Sterbens Jesu widmet, fügt sich gut in die zehn biblischen Studien ein und ergänzt sie im Blick auf die kirchlich-geistliche Wirkungsgeschichte biblisch-theologischer Aussagen.

Die christologische Dimension, die sich in Textentdeckungen gleichsam von innen heraus erschließt, ist der systematische Schlüssel für das ganze Buch und gibt seinen 23 Beiträgen die sympathische theologisch-geistliche Zentrierung. So wird die durchaus herausfordernde Lektüre der biblischen Textanalysen immer wieder mit echter Entdeckerfreude belohnt.

Nun hat die Auswahl der Beiträge im Buch von Ingo Klaer in ihren drei Teilen noch einen zweiten inneren Zusammenhang, der seine Lektüre zu einem Weg des Verstehens in praktischer Absicht werden lässt. Es ist ein Weg von der Analyse biblischer Texte über acht Predigtmeditationen bis hin zu fünf Predigten. Und auch dieser Zusammenhang ist nicht willkürlich, sondern eignet wesentlich dem theologischen Denken Klaers.

Denn wem die Bibel als einzigartiges Zeugnis der Kommunikation zwischen Gott und Mensch gilt, der kann sich bei ihrer Auslegung nicht auf die Textanalyse beschränken, nein, zu dieser Kommunikationsgemeinschaft zwischen Gott und Mensch will befähigt und eingeladen werden.

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