Ein Ring für den Frieden

In Lindau suchen Vertreter unterschiedlichster Religionen nach Wegen aus Gewalt und Krieg
Hölzerne Ringskulptur
Foto: Christian Flemming

Wie können Religionen zu Friedenstiftern werden? Darüber beraten in diesen Tagen über 900 Menschen aus aller Welt in Lindau. Die Eröffnungsrede hält Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der schon als Bundesaußenminister die Religionsvertreter als wichtige diplomatische Partner identifiziert hatte.

Wenn es ein gemeinsames und verbindendes Symbol für alle Religionen gäbe, wie würde es aussehen?  Der Templiner Holzgestalter Gisbert Baumann hat sich für einen Ring entschieden. Das Buddhistische Lebensrad, der Siegelring des Propheten Muhammad im Islam, Salomos Ring im Judentum oder Lessings Ringparabel – in vielen religiösen Traditionen spielt der Ring eine Rolle. So schuf Baumann einen siebeneinhalb Meter hohen „Ring of Peace“ aus 36 Hölzern, der morgen Mittag im Lindauer Luitpoldpark zusammengesetzt werden soll. Mit der Zeremonie ist dann die zehnte Weltversammlung des Netzwerkes „Religions for Peace“ eröffnet.

Bis zum 23. August werden hier am Bodensee mehr als neunhundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über einhundert Ländern darüber beraten, wie Religionen zu Friedenstiftern werden können. Erwartet werden unter anderem der US-Ökonom Jeffrey D. Sachs und der Friedensnobelpreisträger und frühere Staatspräsident von Osttimor José Ramos-Horta. Vertreterinnen und Vertreter von Baha’i und Buddhismus, Christen- und Judentum, Islam, Hinduismus, Taoismus und zahlreichen weiteren Religionen werden sich mit Akteuren aus Politik und Zivilgesellschaft beraten.

Eröffnet wird das Treffen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der ja schon in seiner Zeit als Bundesaußenminister die Religionen als Partner für eine friedensstiftende Außenpolitik etabliert hatte. Zweimal lud das Außenministerium seitdem Religionsvertreter zu großen Konferenzen nach Berlin, um mit Ihnen über die friedensstiftende Kraft der Religionen zu diskutieren. Und auch das Treffen in Lindau wird vom Bundesaußenministerium unterstützt, personell durch erfahrene Mitarbeiter und finanziell mit gut sieben Millionen Euro (bei Gesamtkosten von gut neun Millionen Euro).

Das Netzwerk „Religions for Peace“ (RfP), das sich in den 1960er-Jahren unter dem Eindruck des noch nicht lange zurückliegenden zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges zusammenschloss, hat Erfahrungen mit Friedenseinsätzen in Krisengebieten. William Vendley, Generalsekretär der Organisation, verwies auf einer Pressekonferenz in Berlin vor einigen Wochen vor den Journalisten und Journalistinnen auf erfolgreiche Missionen: In Bosnien organisierte RfP 1996 das erste Treffen der vier wichtigsten religiösen Führer seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien. Kurze Zeit später verfassten sie eine gemeinsame Erklärung und bildeten auf dieser Grundlage einen interreligiösen Rat. Auch im Bürgerkrieg in Myanmar hätten die Mitglieder von RfP mehrere Mechanismen für Dialog und Handeln geschaffen, in denen wichtige gesellschaftliche Gruppen miteinander ins Gespräch gebracht wurden. Und in Sierra Leone seien 52 von Rebellen verschleppte Kinder unbewaffneten Frauen übergeben worden, die dem Netzwerk angehörten und sich in den Dschungel aufgemacht hatten. Später sei das RfP an den Friedensverhandlungen beteiligt gewesen, sagte Vendley.

Was sind die Themen in Lindau? Unter anderem ging es bereits am heutigen Montag vorab um die zentrale Rolle von Frauen und Jugendlichen beim Friedenstiften; an den weiteren Tagen dann um den Nahen Osten, in dem die Gefahr eines neuen Krieges zwischen dem Iran und der USA wächst; um den Klimaschutz, denn mit der zunehmenden Erderwärmung wächst auch die Gefahr der gewalttätigen Konflikte um knapper werdende Ressourcen. Am Ende sollen eine gemeinsame Deklaration und konkrete Aktionspläne vereinbart werden. „Nicht nur Dialog, sondern Diapraxis“ beschreibt Vendley das Ziel. Man darf gespannt sein.

Mehr Informationen unter: www.ringforpeace.org

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Stephan Kosch

Stephan Kosch ist Redakteur der "zeitzeichen" und beobachtet intensiv alle Themen des nachhaltigen Wirtschaftens.


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