Sprachspieler

Zu Weihnachten Ringelnatz

Mit seinen Versen, Reimen und Gedichten verdiente er in den 1920er-Jahren seinen Lebensunterhalt. Joachim Ringelnatz (1883–1934) trat in allen großen Städten, in Prag, Zürich und Wien als Kabarettist auf. Er, der eigentlich Hans Bötticher hieß, war ein Schriftsteller von Rang und zudem Maler. Unzählige Reime hat er hinterlassen; noch heute begeistern viele seiner Verse Jung und Alt, manche von ihnen sind gar in den allgemeinen deutschen Sprachgebrauch eingegangen.

Seinen Texten und Versen hat sich der Schauspieler und Comedian Matthias Matschke angenommen. Er verfügt über einen warmen und behaglichen Ton, dem man gerne zuhört. Auch wenn der Inhalt manchmal scharfzüngig und alles andere als wohlig ist. Vierzig Verse von Ringelnatz liest er und gibt ihnen akustisches Profil, mal humorvoll, mal melancholisch, hintergründig und vieldeutig. Und manchmal bleibt einem eben auch der Pfefferkuchen im Halse stecken. Zwar erzählen die Texte vom einbrechenden Winter, dem ersten Schnee, der nahen Vorfreude, den wohligen Feierstunden, Pfannkuchen und Punsch und den sehnlichen Wünschen zu Neujahr. Doch wie in „Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle, / Mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit“ geht es nicht immer zu. Manche sind voller beißender Gesellschaftskritik und vergegenwärtigen Schöpfung und Melancholie. Oder Einsamkeit und Armut. Und den Wettstreit von Linde und Tanne. Sie erinnern auch daran, dass Ringelnatz selbst Hunger, Not und Wohnungsmangel aus eigener Erfahrung kannte.

Man erfreut sich beim Hören in der guten Stunde dieser schillernden Mischung an den wiederkehrenden Reimen, den Wortspielen und dem skurrilen, hintergründigen Humor.

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.


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