Bessere Klimapolitik für globalen Süden gefordert

Bündnis von 90 kirchlichen Organisationen überreichte Petition an Staatsekretärin
Übergabe der Petition an Staatsekretärin Morgan
Foto: Stephan Kosch
Astrid Hake (rechts) vom Ökumenischen Netzwerk Klimagerechtigkeit übergibt die Petition an Jennifer Morgan, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt (2.v.l.)

Mehr Hilfe für den globalen Süden angesichts des Klimawandels fordern 90 kirchliche Organisationen. Eine entsprechende Petition haben sie gestern der zuständigen Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, Jennifer Morgan, überreicht. Diese zeigte sich „dankbar für die Initiative“. Konkrete Zusagen machte sie aber nicht.

Die UN-Staaten hinken den selbst gesteckten Klimaschutzzielen hinterher. Was sie bisher an Klimaschutzmaßnahmen zugesagt haben, senkt den CO2-Ausstoß bis 2030 nur um 7,5 Prozent. Nötig wären aber 55 Prozent um auf dem vereinbarten Pfad zu bleiben und die globale Erderwärmung auf 1,5-Grad zu begrenzen. Bislang steuert die Welt auf einen Temperaturanstieg von 2,7 Grad zu. Das würde dramatische Folgen haben, vor allem für die ärmeren Länder des Südens, die ja eigentlich seit zwei Jahren 100 Milliarden Dollar jährlich von den Industrieländern für Investitionen in den Klimaschutz bekommen sollen. Bislang fließen nur 80 Milliarden Euro. Zudem brauchen die Länder des Südens Geld zur Bewältigung von Verlusten und Schäden durch den Klimawandel, das noch lange nicht in ausreichender Höhe zu Verfügung steht.

Auf all diese Missstände haben am Mittwoch 90 kirchliche Organisationen aufmerksam gemacht und eine Petition an die zuständige Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, Jennifer Morgan, übergeben. Sie wird gemeinsam mit ihrer chilenischen Amtskollegin Maisa Rojas auf der in neun Tagen beginnenden UN-Klimakonferenz im ägyptischen Sharm el Shaik die Verhandlungen zum Umgang mit klimawandelbedingten Schäden moderieren. „Ein Austausch mit kirchlichen Organisationen ist hochwichtig für uns“, sagte Morgen bei der Annahme der Petition. Zwar gebe es verschiedene Akteure, die die Bundesregierung wahrnehmen müsse. „Aber ich bin sehr dankbar für die Initiative.“

Versprechen nicht gehalten

Diese bestand in einer Petition, die vom Ökumenischen Netzwerk Klimagerechtigkeit (ÖNK) formuliert worden waren, einem Bündnis von unterschiedlichen kirchlichen Organisationen – unter Ihnen die Hilfswerke „Brot für die Welt“ und „Misereor“, Jugendverbände wie der BGKJ und Bistümer und Landeskirchen wie die Erzdiözese Freiburg und die Evangelische Kirche im Rheinland. Die Kernforderung an die Bundesregierung und die anderen Industrieländer lautet: „Klimazusagen einhalten“ „Die Industrieländer haben bis 2025 jährlich 100 Milliarden US-Dollar an Klimafinanzierung zugesagt, aber kommen ihren Versprechen nicht nach“, kritisierte Daniela Ordowski, Bundesvorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung. Auch Deutschlands Beitrag liege unter den angekündigten sechs Milliarden Euro. „Perspektivisch müssen die Mittel für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel deutlich angehoben werden.“

 

Die wirtschaftlichen Schäden durch die Klimakrise würden laut wissenschaftlichen Schätzungen spätestens ab 2030 auf 290 bis 580 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt – und das allein in Ländern des Globalen Südens, erklärte Klaus Seitz, Abteilungsleiter bei "Brot für die Welt". „Es ist höchste Zeit, dass zusätzliche Mittel für klimabedingte Schäden und Verluste aufgebracht werden, um die von der Klimakrise am meisten betroffenen Länder bei der Bewältigung der Schäden zu unterstützen.“

Weniger Unterschriften als erwartet

Auf der letzten Klimakonferenz in Glasgow allerdings sei eine vorgeschlagene entsprechende Fazilität, also ein zweckgebundener Geldtopf , nicht zustande gekommen, weil die USA, die EU und andere Industrieländer dagegen gewesen seien. Das Thema wird nun wieder neu auf der Tagesordnung der UN-Konferenz stehen. Aus Teilnehmerkreisen war zu hören, dass Jennifer Morgen und die ebenfalls an dem Gespräch teilnehmende Unterabteilungsleiterin Klima im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heike Henn, im anschließenden Gespräch mit den kirchlichen Vertretern sehr konstruktiv und wohlwollend auf die Forderungen reagiert hätten. Konkrete Zusagen seien aber nicht gemacht worden.

Enttäuscht zeigten sich die Initiatoren der Petition allerdings von der geringen Zahl der Unterschriften, die gesammelt wurden. Lediglich 2000 Menschen hatten unterzeichnet, viel weniger als mit Blick auf die großen teilnehmenden Organisationen erwartet wurden war. Ein möglicher Grund: Das Thema ist zwar ein sehr wichtiges für die betroffenen Menschen im Süden, aber durch die komplexe Materie und die technische Konferenzsprache nicht nur räumlich sehr weit weg von der kirchlichen Basis in Deutschland. Sensibilisierung und Information bleiben also eine herausfordernde Aufgabe für die klimapolitisch engagierten Organisationen.  

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Stephan Kosch

Stephan Kosch ist Redakteur der "zeitzeichen" und beobachtet intensiv alle Themen des nachhaltigen Wirtschaftens.


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