Kraftvoll

Ouvertüre zum Jubiläumsjahr
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Verdis Glanzwerke werden im Jubiläumsjahr auf den internationalen Opernbühnen neu zu erleben sei. Da ist es ein kluger Gedanke von Riccardo Chaillyl, einen musikalischen Appetitmacher vor das Hauptmenü zu setzen.

Es ist ja noch ein bisschen hin. Doch wenn es sich um einen der ganz Großen handelt und noch dazu um seinen 200. Geburtstag, kann man mit dem Feiern gar nicht früh genug anfangen. Zumal ohnehin unklar ist, an welchem Tag Giuseppe Verdi geboren wurde. War es nun der 9. oder der 10. Oktober 1813? Mit wachsender Distanz verliert die Frage an Bedeutung; wichtig bleibt allein, dass er der Welt so viele herrliche Opern geschenkt hat.

"Joseph Fortunin François Verdi", als der er im Register seines Heimatortes Le Roncole im Herzogtum Parma verzeichnet ist, wurde im gleichen Jahr wie Richard Wagner geboren. Beide dominierten und erneuerten die Opernwelt im 19. Jahrhundert. Sie hätten freilich kaum unterschiedlicher sein können: Wagner hatten es Götter und Mythen angetan, Verdi war an ganz irdisch-menschlichen Schicksalen interessiert, die er vor historischen Hintergründen spielen ließ, wie in "Nabucco" oder "Aida", aber auch in realistischen Szenarien wie in "La Traviata".

Die Glanzwerke des 1901 gestorbenen Komponisten werden im Jubiläumsjahr auf den internationalen Opernbühnen neu zu erleben sei. Da ist es ein kluger Gedanke von Riccardo Chailly und der Filarmonica della Scala, mit "Viva Verdi" einen musikalischen Appetitmacher vor das Hauptmenü zu setzen, in dem er Ouvertüren und Vorspiele aus mehr und weniger bekannten Opern des italienischen Meisters auf einer CD versammelt.

Oft tragen sie die Bezeichnung "Sinfonia", woran schon deutlich wird: Es handelt sich um mehr als kurze Einstimmungen auf das dramatische Geschehen, vielmehr komprimieren sie die Handlung der Oper; die Musik führt das emotionale Wechselspiel der Hauptcharaktere vor, nimmt den Hörer in zum Teil rasanter Folge in Höhen und Tiefen mit. So auch im ersten Stück der CD - die fast neunminütige Eröffnung von "I vespri siciliani" pustet Ohren und Kopf ordentlich durch. Anschließend ist man dankbar für die leichtfüßige Introduktion zur "Alzira"-Sinfonia (bevor sich dann wieder dunkle Töne untermengen).

Überhaupt ist die Abfolge der Werke mit einem guten Gespür für dynamische und stilistische Wechsel zusammengestellt, statt sich an Chronologien zu orientieren. So wird zum Beispiel eine liebliche Traviata zum Vorspiel des aufgewühlten Meeres in "Il corsaro". Chailly und das Orchester der Mailänder Scala erweisen mit ihrem farbenprächtigen, kraftvollen Spiel dem Jubilar, dessen Karriere einst an der Scala begonnen hatte, rundum die Ehre. Es lebe Verdi!

Viva Verdi. Ouvertures & Preludes. Riccardo Chailly, Filarmonica della Scala. Decca 478 3559.

Ralf Neite

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