Einfach schlecht

Luther schludrigst präsentiert
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Das Lektorat für dieses Hörbuch war anscheinend ein Totalausfall.

Hans Paetsch (1909-2002) war eine Jahrhundertstimme. Der im Elsass geborene Schauspieler und Regisseur wurde besonders als Hörspiel- und Synchronsprecher berühmt. Generationen von Nachkriegskindern wuchsen mit ihm als Ehrfurcht einflößenden Erzähler in verschiedenen Stoffen auf: Märchen, Karl-May-Hörspiele und vieles andere. Mir ist Paetsch aus Kindertagen eindringlich als Erzähler in der Europa-Produktion von Goethes Reinecke Fuchs in Erinnerung, produziert 1970 unter anderem mit Kurt Meisel. Großartig!

Anlässlich des letzten großen Lutherjubiläums im Jahre 1983 las Hans Paetsch zahlreiche Werke Luthers für den Norddeutschen Rundfunk ein. Er liest Luther großartig, so wie er eben großartig lesen kann, aber so richtig passt es nicht. Wenn man sich vorstellt, in welch fiebriger Eile und Hitze der Gefahr viele Texte Martin Luthers entstanden sind, dann ruht der sonore Paetsch-Sound zu sehr in sich selbst, und Überlegenheit mit einem leichten Schuss Selbstgefälligkeit ist doch das letzte, was man mit diesen Luthertexten verbindet.

Auf jeden Fall aber würde sich Paetsch im Grabe umdrehen, wenn er erleben müsste, in welch erbärmlicher Form dieses neue Hörbuch mit seinen aus dem Jahr 1983 entstandenen Lesungen aufgemacht ist: 95 mp3-Dateien ohne jedes Booklet. Und außer Luthers Adelsschrift ist keine weitere der reformatorischen Hauptschriften vertreten - alles macht den Anschein eines zufälligen Sammelsuriums.

Fazit: Das Lektorat für dieses Hörbuch war anscheinend ein Totalausfall, und insofern ist von dieser Scheibe dringend abzuraten.

Reinhard Mawick

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