Frenz: Chile

Manche Wunden der Vergangenheit sind sichtbarer als andere.

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Draper: Spirituelle Intelligenz

Bücher über neue Wege gibt es wie Sand am Meer.

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Auferstehung für Liberale

Bei allen Unterschieden besteht unter freien oder liberalen Christen eine Übereinstimmung in einigen Abgrenzungen.

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Auferstehung bei Theologen

In seiner Glaubenslehre stellte der liberale Theologe Ernst Troeltsch (1865-1923) fest: "Ein moderner Theologe sagt: Das eschatologische Bureau se

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Auferstehung als Kulturgut

Neben den säkularen Zeitgenossen, der eine über den Tod hinausgehenden Wirklichkeit überhaupt bestreitet und sein Leben "ohne happy end, ohne Aufe

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Kathrin Jütte: Social Networks

Zeiten der Aufklärung

Ein Punktum
Anpirschen mit Google, fixieren mit Wikipedia, vertiefen mit diversen Links - das reicht nicht mehr. Heutzutage muss es schon Facebook sein, das soziale Netzwerk im Internet. Generation X trifft Web 2.0. Ein Selbstversuch.

Von der Flakhelfer-Generation über die 68er bis zur Generation Golf ging es ja noch fast beschaulich zu. Aber seit dem worldwideweb der Neunzigerjahre kommt keine Generation mehr über die Kinderschuhe hinaus, schon ist vom nächsten Hype die Rede. Als Geborene der Generation X, also zwischen 1960 und 1970 geboren, musste ich schon zur Generation Y mutieren: anpirschen mit Google, fixieren mit Wikipedia, vertiefen mit diversen Links. Das Absichern mit Brockhaus, Bibel, Duden und Quellenangabe ist mir trotz alledem eine Herzensangelegenheit geblieben.

Aber schon wieder gehört meine Web 1.0-Generation zum alten Halbleiter-Eisen, längst hat das Web 2.0 übernommen. Zum Beweis: die aktuelle Krise der Diktaturen und, nicht zuletzt, die Kommunikation mit meinen Neffen, vierzehn und achtzehn Jahre jung. Da sind handge­schrie­bene Briefe und Karten "Post­kutsche" und tele­fonieren gestrig. Nein, Facebook muss es heute sein - das soziale Netzwerk im Internet. Dahin­ter verbirgt sich laut Google eine 50 Milliarden Dollar schwere Mar­ke mit weltweit 650 Millionen Mit­glie­dern. 17 Millionen Deutsche zählen zu den aktivsten Jüngern.

Ein Heer von Gesichtern

Die Neugier überwiegt, Dabeisein ist alles, meine Anmeldung bei Facebook ein Kinderspiel. Vor mir erscheint ein Heer von Gesichtern, sie scheinen nicht viel älter als die Kinder in unserer Familie und meine Patenkinder. Irgendwie sind alle mitein­ander befreundet und befinden sich im lockeren Smalltalk. Der nächste Schritt fordert mein totales Outing. Ich - aus der Generation Anti-Volks­zählung - soll Antwort geben auf: Deine Schulbildung? Deine religiösen Ansichten? Deine politische Einstel­lung? Personen, die Dich inspirieren? Was findest Du gut? Was findest Du böse? Freund hört mit. Ein ausgestreckter Daumen dient mir als Werkzeug. Einem Nero gleich kann ich über Kylie Minogue und Eminem oder Deutsch-Diktat und Diktator entscheiden.

Viele ausgestreckte, erhobene Daumen bringen viele Freunde, verlockend mehr als im wahren Leben. Nach einer Woche mögen mich schon 23. Aber Matthias hat 79. Und Timo kommt auf 227, jedenfalls auf seiner Facebookseite. Meine neue Freundin Bettina schreibt: "Ich will endlich Frühling" und stellt ein Bild mit aufblühenden Schneeglöckchen dazu. Eine gewisse Doris bestätigt: "Da bin ich ganz bei dir. Ich auch! Ich will jetzt keine Handschuhe und klobigen Stiefel mehr tragen. Ab März ist eigentlich ohne Socken angesagt."

Gute Idee. Ohne die Doris näher kennenlernen zu wollen, schalte ich den Rechner aus und gehe an die Sonne.

Kathrin Jütte

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Kathrin Jütte

Kathrin Jütte ist Redakteurin der "zeitzeichen". Ihr besonderes Augenmerk gilt den sozial-diakonischen Themen und der Literatur.

Weitere Beiträge zu „Meinung“

Jürgen Wandel: Japan

Höchste Zeit

Nach der Reaktorexplosion in Japan muss sich mehr ändern als die Energiepolitik
Die Opfer in Japan verdienen unser Mitgefühl wie die Leidtragenden der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Doch darüber hinaus müssen Christen Energiebetreibern, Politikern und Wählern die Frage stellen: Wie viel muss eigentlich noch passieren, bis endlich Konsequenzen gezo­gen werden?

Christen, die gegen den Bau von Atomkraftwerken demonstrierten, wurden von andersdenkenden Mitchristen, Kirchenleuten und Politikern, oft hämisch gefragt, wo denn die Bibel etwas zur friedlichen Nutzung der Atomkraft sage. Dabei gibt es darauf eine recht einfache Antwort, im Ersten Gebot: "Ich bin der Herr Dein Gott, Du sollst keine anderen Götter haben neben mir." Für Christen geht es bei der Beurteilung der Atomenergie also nicht nur um eine moralische, sondern auch - vor allem - um eine theologische Frage, nicht nur um das rechte Handeln, sondern die Unterscheidung von Mensch und Gott. Diese wird ja von menschlicher Hybris, Allmachtsphanatsien und Profitinteressen immer wieder aufgeweicht.

Natürlich kann man unter der Berufung auf Gott jeglichen technischen und medizinischen Fortschritt abwehren. So haben fundamentalistische Christen Heilmaßnahmen und Impfungen abgelehnt, weil sie Gott nicht ins Handwerk pfuschen und der Natur ihren Lauf lassen wollen. Doch bei der Atomenergie geht es um mehr. Sie wäre nur zu verantworten, wenn der Mensch wie Gott wäre, allwissend und unfehlbar. Weil das aber nicht der Fall ist, bleibt ein Restrisiko. Und das kann im Fall der Atomkraft bekannt­lich Folgen haben, die nicht mehr wieder gutgemacht werden können. Da­bei geht es nicht nur um die Sicherheit der Atomkraftwerke, sondern auch um ihren Abfall, der bekanntlich über Jahrtausende strahlt.

Skepsis als konservative Tugend

Vor den Gefahren der Atomenergie haben die Grünen und - auch gegen Parteifreunde - der christliche Sozialdemokrat Erhard Eppler frühzeitig gewarnt. Dabei hätte man dies eigentlich eher von einer Partei erwartet, die sich christlich nennt und den Unterschied von Gott und Mensch kennt. Aber am Beispiel Atomkraftwerke sieht man, was das christliche Men­schen­bild wert ist, das Unionspolitiker immer beschwören. Wirtschaftliche Interessen sind offensichtlich stärker. Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum Widerstand gegen die Atomlobby gerade der Union gut angestanden hätte. Denn Skepsis gegenüber dem (technischen) Fortschritt, die nicht mit Ablehnung gleichgesetzt werden darf, ist eine konservative Tugend.

Die Opfer in Japan verdienen unser Mitgefühl wie die Leidtragenden der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Natürlich werden Christen sie trös­ten, ihnen helfen und für sie beten. Doch darüber hinaus müssen Christen Energiebetreibern, Politikern und Wählern die Frage stellen: Wie viel muss eigentlich noch passieren, bis endlich Konsequenzen gezo­gen werden? ­Zumindest im Hinblick auf die Zukunft muss an das Bibelwort erinnert werden: "Was der Mensch sät, wird er ernten." Und in einer Demokratie ist jede und jeder für die Energiepolitik mitverantwortlich.

Höchste Zeit ist es auch für die Einführung von Volksbegehren und Volks­entscheiden. Denn wer heute gegen die Atomenergie ist, muss Grüne und SPD und kann nicht CDU und FDP wählen. Aber es ist doch absurd, Bundes­tags- und Landtagswahlen auf die Entscheidung über eine - wenn auch wichtige - Sachfrage zu reduzieren. Bei einem Plebiszit könnten dagegen auch diejenigen gegen die Atomenergie stimmen, die sonst aus guten Gründen CDU und CSU wählen.

Jürgen Wandel

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Weitere Beiträge zu „Meinung“

Johannes Friedrich: Israel

Doppelte Solidarität

Welche Auswirkungen werden die demokratischen Aufbrüche in Nordafrika auf Palästinenser und Israelis haben?
Foto: privat
Wir nehmen den Hilfeschrei unserer Schwestern und Brüder in Palästina ernst. Sie brau­­chen uns. Aber dies darf nicht auf Kosten der Solidarität mit den jüdi­schen Geschwistern, die in Israel leben, geschehen.

Man kann sich ja nur darüber freuen, wenn Macht­haber wie Husni Mubarak in Ägypten aus ihrem Amt gejagt werden. Erschro­cken bin ich, als ich lesen musste, wel­che Einschränkungen von Grundrechten Mubarak seinem Volk über Jahr­zehnte auferlegt hatte - und wie in den Gefängnissen Ägyptens gefoltert und gemordet wor­den war. Erschrocken bin ich auch über mich selbst, hatte ich Mubarak doch immer nur aus dem einen Blickwinkel betrachtet: Da ist ein verlässlicher Partner für Israel, weil er den Friedens­vertrag zwischen Israel und Ägypten ernstnimmt. Auch schien es mir so, als seien die Rechte der Christen in Ägypten unter diesem Herrscher einiger­maßen ge­wahrt. Und was wird nun aus den Christen in den Ländern des fruchtbaren Halbmonds? Und was wird aus den Christen Palästinas? Welche Auswirkungen werden die demokratischen Aufbrüche in Nordafrika auf den Konflikt zwischen ­Palästinensern und Israelis haben?

Solche Überlegungen bringen uns wieder einmal dazu, uns intensiver mit dem Los der palästinensischen Christen zu beschäftigen. Im Dezember 2009 verfassten sie einen Hilfeschrei, der nun endlich auch in Deutschland Beachtung findet: Das "Kairosdokument" macht auf die schwierige - als ausweglos empfundene - Situation in Palästina aufmerksam und fordert die Christen weltweit zum Handeln auf. Um Solidarität wird gebeten, die sich - so zwei konkrete Vorschläge - im Boykott israelischer Güter äußern könnte oder darin, bei einem Besuch Israels ausdrücklich auch die Begegnung mit palästinensischen Christen einzuplanen.

Kein Boykott israelischer Waren

Die Evangelische Mittelostkommission, in der evangelische Gruppen im Raum der EKD zusammenarbeiten, die sich im Nahen Osten auf arabischer wie auf israelischer Seite engagieren, hat eine einstimmige Stellungnahme erarbeitet, die versucht, das Anliegen unserer palästinensischen Schwestern und Brüder aufzunehmen. Einen Boykott israelischer Waren kann bei uns niemand unterstützen. Aber wir müssen dieses Dokument von Christen aus einem besetzten Land trotzdem hochschätzen, weil es klar einen Gewaltverzicht im Widerstand for­dert. Seine Haltung ist deutlich vom Gebot der Feindesliebe bestimmt und setzt sich damit eindeutig von der Linie und den Forderungen der Hamas ab. Und was hält Deutsche bei einer Israelreise eigentlich davon ab, nach Bethlehem oder Ramallah zu fahren und sich selbst ein Bild davon zu ma­chen, wie palästinensische Christinnen und Christen leben?

Wir nehmen den Hilfeschrei unserer Schwestern und Brüder ernst. Sie brau­­chen uns. Aber dies darf nicht auf Kosten der Solidarität mit den jüdi­schen Geschwistern, die in Israel leben, geschehen. Mit beiden Seiten solidarisch zu sein, ist nicht leicht. Aber wir müssen es trotzdem versuchen - das sind wir unserer Geschichte und unserem Glauben schuldig. Denn letztlich ist dieses Dokument ein großes Hoffnungszeichen, weil es zeigt: Christen in dieser Region können darlegen, wie sie sich eine veränderte Gesell­schaft vorstellen, damit Frieden und Gerechtigkeit wachsen und Versöh­nung stattfindet. Hoffen wir, dass dieses Beispiel künftig auch bei Christen in anderen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens Schule macht.

Stellungnahme der Evangelischen Mittelostkommission

Johannes Friedrich

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Weitere Beiträge zu „Meinung“

Helmut Kremers: Muslime

Gehört zu Deutschland

Vier Millionen Muslime leben hier in diesem Land. Noch Fragen?
Foto: privat
Gehört der Islam zu Deutschland? Angesichts von vier Millionen Muslimen in diesem Land ist dieser Satz zumindest als Tatsachenaussage hinzunehmen: Der Islam gehört zu Deutschland und er wird zu Deutschland gehören. Auf der Grundlage dieser Einsicht beginnen allerdings erst die Mühen.

Seit einigen Wochen heißt der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, er kommt aus der CSU. Seine Amtszeit begann er mit einem verbalen Paukenschlag. Bundespräsident Christian Wulf hatte bekannterweise in einer Rede erklärt: "Der Islam gehört zu Deutschland" - der Minister wider­sprach ihm, übrigens wenige Tage nachdem der türkische Ministerpräsident Recep Erdoğan mitten in Deutschland alle aus der Türkei Stammenden, egal welcher Staatsangehörigkeit, dazu aufgerufen hatte, die eigene Integration nachrangig zu behandeln, weil alles andere auf Assimilation ziele. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, meinte nun Friedrich, dies sei historisch falsch: "Die Leitkultur in Deutschland ist die christlich-jüdisch-abendländische Kultur. Sie ist nicht die islamische und wird es auch in Zukunft nicht sein." Naturgemäß waren diejenigen nicht amüsiert, die den Begriff "Leitkultur" scheuen wie der Teufel das Weihwasser, ihnen gilt, wer das Wort in den Mund nimmt, als Dunkelmann, der einen binnenländischen clash of civilisations anstrebt.

Das Christentum zeigt gegenwärtig wenig Neigung, Ungläubige oder Angehörige anderer Konfessionen mit Feuer und Schwert zu verfolgen. Und auch eine wenigstens permissive Toleranz gegenüber anderen Religionen hat sich weitgehend durchgesetzt. Wie weit beides schon im Islam der Fall ist, bleibt ungewiss; sogar, ob der Trend in diese Richtung geht.

Eine Geste der offenen Arme

Doch "Der Islam gehört zu Deutschland", das war ja eine Botschaft: eine Geste der offenen Arme gegenüber den Muslimen, eine der Sympathie gegenüber jenen, die Integrationsprobleme nicht zu laut und nicht zu deutlich besprechen möchten - und eine Geste der Distanznahme gegenüber jenen, die letztere für bedrohlich halten. Deutsche Politiker werden nicht müde, zu beteuern, dass die Grundrechte von allen respektiert werden müssen, und dass die Menschenrechte über religiösen Vorschriften rangieren, weil sie universale Gültigkeit beanspru­chen könnten. Doch global durchsetzen lassen sie sich natürlich nur, wenn an sie global geglaubt wird. Vorläufig werden die Menschenrechte von vielen Menschen in anderen Kulturen, selbst von jenen, die sie bejahen, für so etwas wie eine neue westliche Religion gehalten, jedenfalls für einen westlichen Import. Es bedarf also noch einiger Überzeugungsarbeit - die ihrem Impetus nach aber (verteufelt, möchte man sagen) der klassi­schen christ­lichen Mission ähnelt.

Gehört der Islam also zu Deutschland? Angesichts von vier Millionen Muslimen in diesem Land ist dieser Satz zumindest als Tatsachenaussage hinzunehmen: Der Islam gehört zu Deutschland und er wird zu Deutschland gehören. Auf der Grundlage dieser Einsicht beginnen allerdings erst die Mühen: Zwar ist das "Konzept der Multikulturalität" gescheitert, aber eben nur als Programm eines schnell erreichbaren bunt-harmonischen Zusam­menlebens. Niemand kann heute sagen, ob die normative Kraft des Fakti­schen aus Deutschland nicht ein multikulturelles Land mit sich gegen­einander abgrenzenden ethnischen Gruppen machen wird - oder ob es gelingen wird, eine integrative Kultur der gegenseitigen Befruchtung und des Aus­gleichs zu schaffen. Die erstere Möglichkeit birgt unkalkulierbare Risiken. Ob wir aber, um die letztere zu erreichen, auf dem richtigen Weg sind?

Helmut Kremers

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Weitere Beiträge zu „Meinung“

Rattle: Mahler

Das Werk eines Künstlers durch seine Biografie zu erklären, ist eine Versuchung, der manchmal schwer zu wi­derstehen ist.

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