Beziehungs-Reich

Theologie der Schöpfung

Brauchen wir angesichts der vielen globalen Krisen eine neue Schöpfungstheologie? Diese Frage wird gegenwärtig nicht nur in diesem Magazin und dessen Website intensiv und kontrovers diskutiert. Auch im Juni vergangenen Jahres trafen sich rund achtzig Theologen und Theologinnen und theologisch interessierte Laien, um ihre geistigen und geistlichen Landkarten in dieser Frage zu vergleichen. Eingeladen hatten unter anderem Ruth Gütter vom Referat Nachhaltigkeit der EKD, Georg Hofmeister von der Akademie des Versicherers im Raum der Kirchen, Christoph Maier von der Evangelischen Akademie Sachsen Anhalt und Wolfgang Schürger von der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der Landeskirchen. Sie haben nun gemeinsam ein Buch herausgebracht, das die Beiträge der Tagung dokumentiert.

Die Lektüre lohnt. Denn es geht ans Eingemachte, an die Kernfragen, die die gesamte Diskussion prägen: Ist Gott ein allmächtiger Gott, der als deus absconditus auch in all diesen Krisen wirkt? Wohnt dann einem engagierten Einsatz für Klimaschutz nicht ein unerlaubter Zug zur Selbsterhöhung und Selbsterlösung des Menschen bei? Oder ist Gott eine von vielen Kräften, die wirken, weshalb es geradezu eine Christenpflicht ist, die Wunden der Welt zu heilen oder zumindest den Versuch zu unternehmen?

Spannend, was die Alttestamentlerin Klara Butting in ihrem Beitrag dazu entwickelt. Ihre These: Gott ist nicht in erster Linie als allmächtiger Gott zu verstehen, sondern als Gott der Beziehung, der mit seiner Schöpfung leidet und den Menschen für sein Schöpfungshandeln und sein Erlösungshandeln braucht. In eine ähnliche Richtung argumentiert Jan Christensen, Pastor für Umweltfragen der Nordkirche. Schöpfung sei kein biblisch-systematisch erklärendes Woher der Welt, sondern „Hymnus, Segen und Erzählung“ – und eine Heilsvision. Dass dies Konsequenzen für die Rollenbestimmung des Menschen in dem Gesamtgefüge hat, ist evident. In einem komplexen Gefüge von Beziehungen und Abhängigkeiten ist kein Raum für einen Anthropozentrismus, der die Welt als Material sieht, das es zu beherrschen gilt. Die Stellvertretung Gottes durch den Menschen bestehe vielmehr in der Verantwortung für das Zusammenleben aller Kreaturen. So formuliert es Georg Hofmeister in seinem Beitrag.

Weitere Aspekte werden in den anderen Beiträgen behandelt, in der Regel sehr gut verständlich und dennoch mit Tiefenschärfe formuliert. Gewünscht hätte man sich den einen oder anderen theologischen Unruhestifter, wie zum Beispiel Günter Thomas oder Ralf Frisch, auf deren Beiträge in zeitzeichen immer wieder verwiesen wird, um sich dann doch davon abzugrenzen. Ein Streitgespräch mit einem von ihnen, wäre gewiss ein produktiver Störfaktor gewesen.

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