Es liegt an uns

Über Klimafragen und Schöpfungsverantwortung

Es gibt eine richtig gute Nachricht in der Klimafrage, und die heißt: Es liegt an uns! Von Gott aus ist die Sache geklärt: „Der den Himmel schafft, er eben ist der Gott; der die Erde bildet und sie macht, er eben erhält sie; nicht als Irrsal hat er sie erschaffen, zum Besiedeln hat er sie gebildet – ICH bin’s und keiner sonst.“ (Jesaja 45,18 in der Übersetzung von Martin Buber und Frank Rosenzweig, die das tohu aus tohuwabohu in Genesis 1 besser abbildet als Luther).

Die Zukunft der Erde steht unter der göttlichen Verheißung dessen, der nicht preisgeben wird, was er geschaffen hat. Das ist der un­erschütterliche Basso continuo der Bibel. Es liegt an uns, was wir daraus machen. Gewiss, die Schöpfung, wie bis zum Überdruss bekannt, lässt nicht mit sich verhandeln. Aber sie ist recht umgänglich. Sie lässt mit sich umgehen, wenn wir es gut mit ihr meinen und aufhören, sie zu verwunden und auszubeuten.

Es gibt aber auch eine richtig schlechte Nachricht in der Klimafrage, und die heißt: Es liegt an uns! Kein Gott nimmt uns das ab. „Er hält die ganze Welt in seiner Hand“ taugt nicht als Selbst­beruhigungsformel. Die Gewissheit, dass Gott seine Schöpfung nicht preisgibt, ist keine Übersetzung von „Et hät noch immer jot jejange“.

Ob gut oder schlecht: Es liegt an uns. Und jetzt kommt das große Problem: Es gibt kein „Wir“. „Wir“ sind diejenigen, die sich einen Tesla kaufen, und „wir“ sind diejenigen, die ihre Stromrechnung nicht bezahlen können. „Wir“ sind die Inder, die sich erstaunlicherweise seit ein paar Jahren eine zweite Mahlzeit leisten, „wir“ sind die Deutschen, die jedes Jahr 1,7 Millionen Tonnen Backwaren auf den Müll werfen, und „wir“ sind diejenigen, die sich Brot nur leisten können, wenn sie bei der Tafel ein­kaufen. Man kann solche realen Absurditäten bis ins Unendliche fortsetzen und sehr bald schier daran verzweifeln. Doch Verzweiflung über so viel Irrsal und Wirrsal hilft nicht weiter. Gottes Weg angesichts des Tohuwabohu war jedenfalls ein anderer. Gott sprach: „Es werde Licht.“

Ob in diesem lichten Sinne kluge Klima­forscher, Sozialwissen­schaftlerinnen, Ökonomen, Juristinnen weiterhelfen, die Widersprüche und Kompliziertheiten ans Licht bringen? Ob Theologinnen und Seelsorger weiterhelfen, die Worte des Trostes finden und Vertrauen stärken? Ob es hilft, wenn wir alle uns bewusst machen: Jeder Beitrag zur Verbesserung des gesellschaftlichen Klimas dient auch dem Erdklima? Jedes Engagement, das Arme aus der Armut holt und Hass überwindet, hilft der  Schöpfung? Andernfalls könnte sich plötzlich das Pfui für Braunkohle mit einem Hui für braune Anti-Politik zusammenreimen.

Am Ende, alles in allem, unterm Strich also doch eine gute Nachricht: Es gibt so viele Pack-Enden, irgendeines kann jede, kann jeder finden und ergreifen. Und darauf kommt es an. Hoffnung stellt sich ja nicht ein, indem wir sie beschwören oder darauf warten. Hoffen ist eine Praxis. Sie entsteht, indem wir uns – ausgestreckt nach der gewissen göttlichen Verheißung – einsetzen und handeln, am besten mit anderen zusammen.

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