Versöhnung

Deutsch-polnisches Projekt
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Angesichts der Forderung der nationalkonservativen PIS-Regierung Polens nach deutschen Reparationszahlungen warnte die katholische Polnische Bischofskonferenz im September 2017 vor einer „Zerstörung“ des historisch gewachsenen Vertrauens zwischen den beiden Ländern. Der Band Ringen um Versöhnung ist eine hoch willkommene Nachzeichnung der Stationen des Weges, den die Bischofskonferenz als beispielhafte Versöhnungsarbeit bezeichnete.

Die fünf Beiträge erwuchsen aus „einem deutsch-polnischen interdisziplinären Projekt von acht Forscherinnen und Forschern“, realisiert in „Kooperation des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte in Mainz mit dem Institut für Politologie der Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität in Warschau“. Dementsprechend wurden drei der fünf Beiträge gemeinsam von deutschen und polnischen Autoren erarbeitet. Dabei sind sowohl die unterschiedliche Entwicklung im Verhältnis der beiden deutschen Staaten zu Polen im Blick wie die nach Krieg, Vernichtung und Vertreibung erst sehr langsam in Gang gekommene Annäherung sowie die Beschleunigung der Aussöhnung nach 1989.

Zunächst zeigt die katholische Theologin Urszula Pekala, dass und wie der für politisches Handeln sperrige, ja eigentlich unbrauchbare Ausdruck Versöhnung mit dem theologisch zentralen Begriff überhaupt in eine fruchtbare Beziehung treten konnte. In der Politik gehe es um „Machtspiel, Rivalität, Durchsetzung eigener Interessen“.

Aber gerade nach tödlicher Entfremdung von Völkern ist die Politik auf von ihr nicht zu erzwingende Schritte der Annäherung und Versöhnung angewiesen. Dazu waren die Impulse der Vergebungsbitte und -gewährung der katholischen Bischöfe Polens vom 1965 ebenso wichtig wie die Ostdenkschrift der ekd aus dem gleichen Jahr. Doch zur Versöhnung von Völkern gehören konstitutiv deren individuelle Dimension und symbolische Repräsentation.

Diesen Dimensionen stellen sich die Beiträge über die „Versöhnungsarbeit … der Aktion Sühnezeichen in der DDR“ (Christian Wollmann/Robert Zurek) sowie „Versöhnung symbolisch kommuniziert. Die Messe in Kreisau am 12. November 1989“ (Pjotr Burgonski/ Gregor Feindt/Robert Zurek). In jener Messe wurde der individuelle liturgische Friedensgruß zwischen den Regierungschefs Tadeusz Mazowiecki und Helmut Kohl zugleich zum repräsentativen Symbol der Versöhnung zweier Völker.

Den langen Prozess gewachsenen Vertrauens erläutert die gründliche Analyse von sieben kirchlichen „Schlüsseltexten“ aus den beiden „dynamischsten Phasen“ der „deutsch-polnischen Versöhnung“ Mitte der Sechzigerjahre sowie in und nach der Wende.

Solche Texte sind jedoch zusammen zu sehen mit der breiten individuellen Unterstützung Polens durch unzählige Deutsche nach der Ausrufung des Kriegsrechts im Jahr 1981, dem versöhnlichen Engagement vieler Vertriebener für ihre verlorene Heimat sowie der Aktion Sühnezeichen, deren Protagonisten in der DDR wie Konrad Weiß, Ludwig Mehlhorn und Stephan Bickardt aus der „Versöhnungsarbeit zur politischen Opposition“ im eigenen Lande geführt wurden.

Wie die Kirchen Polens Eintritt in die Europäische Union beförderten und begrüßten, zeigt der fünfte Aufsatz des Bandes „Versöhnung und Integration“ aus der Feder von Robert Zurek. Dabei wird von Kirchenführern die Union „als ein Raum begriffen, der dank der Versöhnung ehemaliger Kriegsgegner … entstehen konnte“, der aber offen bleiben muss für „weitere Nationen“ und der angewiesen ist auf jene christlichen Grundwerte, die Prozesse von Versöhnung möglich machen.

Wilhelm Hüffmeier

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