Postkarte an Putin

Ich habe am Wochenende Wladimir Putin eine Postkarte geschrieben. Als Karten-Motiv habe ich eines der dänischen Künstlerin Julie Nord (geboren 1970) genommen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung (online-Bezug) oder über dem Versandetikett Ihrer Zeitschrift. Bei der Kundennummer handelt es sich um eine 8-stellige Zahl, die mit der Ziffer 1 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt, Sie müssen sich dann bei Ihrem nächsten Besuch erneut anmelden.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Nicht ohne das Evangelium

Nicht ohne das Evangelium

Warum ein alter friedensethischer Text uns noch immer herausfordert
Foto: privat

Zu Zeiten ist es recht praktisch, wenn man in jungen Jahren von Älteren mit der Publizistik ihrer Zeit versorgt wurde. Zwar schleppt man die alten Schinken bei jedem weiteren Umzug unwilliger mit, weil man ja doch nie reinschaut, aber im Bedarfsfall steht dann im Regal doch etwas herum, das praktischen Nutzen verspricht.

So habe ich in diesen Tagen des Ukraine-Krieges Walther Bienerts „Besinnung zum Frieden“ von 1983 aus dem Regal gezogen. Das Büchlein hat nur 46 großzügig bedruckte Seiten. Heute wäre es als Essay wohl online erschienen. Darin entfaltet Bienert 12 Thesen, die auch tatsächlich Thesen sind (nicht wie in heutigen Vorträgen und Traktaten gerne nur vorgetäuscht).Walther Bienert hat, nun ja, eine schillernde Biographie, wie es bei vielen deutschen Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts so ist. Dem BRD-Protestantismus ist er als Gründer der Melanchthon-Akademie in Köln vielleicht noch erinnerlich. Oder auch nicht. Ausweislich der „Besinnung zum Friedenstiften“ hat er etwas gegen Kommunisten und ist auch auf die deutsche Friedensbewegung nicht so gut zu sprechen. Das macht ihn in diesen Tagen, da der deutsche Protestantismus über die richtige Friedensethik im Angesicht des russischen Angriffskrieges in der Ukraine streitet, zu einem interessanten Autoren.
 

Nicht mit Besserwissen ausgestattet
 

Seine Ausgangsfrage ist: „Was können Christen und Kirchen Besonderes für den Frieden tun?“ Seine Antwort dürfte gleichwohl weder den Friedensbewegten von damals und heute noch denjenigen passen, die sich in emphatischer Ablehnung derselben für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine einsetzen.

Bereits in der Einleitung schreibt er:

„Gutgemeinte und hintersinnige Friedensappelle, gutbegründete und nichtorientierte Forderungen überfluten die Menschen. Selbstgerechtigkeit und Geltungssucht, oft sogar Auftragsaktionen der Machtpolitik schimmern unverkennbar durch viele Appelle hindurch. Dabei gehen viele Tendenzen in einem disharmonischen Chor durcheinander. […] Deshalb sollte jedermann im Interesse des Friedens sehr vorsichtig sein, ehe er sich hinter Appelle, Proteste, Forderungen, Kundgebungen, Transparente, Plakate, Schlagwörter u.ä. einreiht.“

Funny enough bescheinigt er den beiden großen Kirchen seiner Zeit, „aus der Fülle der Verlautbarungen wohltuend“ herauszuragen. Das sei auch angeraten, denn sie hätten „ihre Grenze nicht nur an der Einfluss- und Machtgrenze der Kirche, sondern an der kirchlichen Inkompetenz in Fragen des Wie bei der Erhaltung des Friedens. Die Kirchen sind in Sachen politischer Entscheidungen, taktischer Maßnahmen und technischer Möglichkeiten von ihrem Herrn nicht mit Besserwissen ausgestattet“.

Da das Büchlein sicher antiquarisch zu erwerben ist und in so mancher (Haus-)Bibliothek aufzufinden sein wird, erspare ich mir hier eine vollständige Wiedergabe seiner Gedankengänge und beschränke mich allein auf das, was sowohl den „Tauben“ als auch den „Falken“ in der gegenwärtigen Friedensethik-Diskussion am wenigsten gefallen dürfte.

Zwei Welten

„Der Christ hat als Bürger einer Demokratie die Pflicht, das Beste für die Mitmenschen zu suchen und zu bewirken, wozu sowohl die Verhinderung von Kriegen als auch die Abwehr von Angriffen gehört“, lautet Bienerts erste These, mit der er einem „absoluten Pazifismus“ widerspricht. Als Bürger zweier Welten aber stehe der Christ (die Christin) im „Spannungsfeld zwischen Bürgersein und Christsein“, das sich „in seiner Pflicht zur Verteidigung der Mitbürger und in seinem göttlichen Auftrag zum Friedensstiften“ konkretisiere.

Weil man als Christ:in zwei „Welten“ angehöre, gerate man „immer wieder in Gewissenskonflikte und Entscheidungszwänge“. „Unchristliche Selbstgerechtigkeit wäre es, nur eine einzige der Entscheidungsmöglichkeiten zum status confessionis zu erheben. […] Auch der beste Wille kann hier das falsche Mittel wählen und falsche Wege gehen“.

Zu den – allesamt legitimen - Mitteln und Wegen zählt Bienert: Die Abwehr des Bösen mit Verteidigungswaffen, einen Kompromissfrieden und „in wieder einem anderen Falle ein Unterwerfungsfriede“. Letzterer dann, wenn die Kräfteverhältnisse auf dem Schlachtfeld keinen anderen Ausweg zulassen.

Der einzige Auftrag der Kirche: Das Evangelium verkünden in Wort und Tat

Neuer Mensch

Für Bienert, und da wird es nun für uns alle sehr ungemütlich, ist das Friedensstiften ein „Überströmen des von Gott geschenkten Friedens auf Mitmenschen“. Nur der „neue Mensch“, der an den Friedensschluss Gottes mit den Menschen durch Jesus Christus glaubt, könne Frieden stiften. Der Anti-Kommunist Bienert ist sich sicher: Nicht veränderte Umstände schaffen den friedenswilligen Menschen, nur der friedenswillige Mensch, der von seiner kriegerischen Natur durch das Evangelium freigemacht wurde, ist in der Lage – wenigstens vorläufig – bessere Umstände zu schaffen.

Die Kirchen verfehlten ihren einzigen (!) Auftrag, ist er sich sicher, wenn sie vergessen zu verkünden, dass „das frohmachende und stärkende Evangelium den Inhalt hat: Ändert eure Gesinnung!“ Spannender Weise übersetzt er so die auch vom kommenden Kirchentag („Jetzt ist die Zeit“) in Anspruch genommene Kurzformel der Botschaft Jesus bei Markus 1,15. Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Protestanten heutzutage eine solche Pointierung zutrauen. Bienert jedenfalls meint: „Ohne die Verkündigung des Evangeliums nur das Wort von den Friedensstiftern zu propagieren, ist Verfälschung des Evangeliums zum Gesetz, damit unevangelisch und unlutherisch“.

Man mag den Bienertschen Duktus ein wenig streng und aus der Zeit gefallen finden, aber dass nicht wir Menschen aus uns heraus Frieden schaffen können und das daher auch die zahlreichen Appelle unserer Zeit, die von der Kirche emphatisch als Friedensstifterin reden, unter einen Vorbehalt gehören, nämlich einen eschatologischen, kommt mir jedenfalls derzeit zu kurz.

Prophetisches Tun statt diplomatischer Rede

Nun leitet Bienert aber daraus gerade nicht ab, die Kirche solle sich auf Friedensgebete beschränken oder eben der welten-bürgerlichen Verantwortung zum Schutz einseitig das Vorrecht vor der himmels-bürgerlichen Friedenspflicht inklusive Feindesliebe geben, sondern landet bei einem erstaunlichen Radikalismus, der wohl den der Friedensbewegung sogar noch übersteigt.

Denn als die beiden einzigen Beispiele dafür „was Christen und Kirchen Besonderes (!) für den Frieden tun können“, nennt er erstens das prophetische Wort Nathans an König David, der „es wagte, diesem Ehebrecher und Mörder in Direktansprache zu sagen: »Du bist der Mann!«“. Das prophetische Wort könne die Kirche ebenso wie Nathan ohne Rücksicht auf diplomatische Gepflogenheiten ausrichten, auch wenn Bienert die Möglichkeit zur Kenntnis nimmt, dass damit eventuell Christ:innen in Bedrängnis geraten könnten, die unter dem kritisierten Regime zu leben haben.

Und zweitens das „Dazwischentreten zwischen die Sich-Streitenden“, indem sich „die Kirche direkt durch ihre Repräsentanten in die Höhlen der Löwen“ wagt, was „gewiss nicht durch besserwisserisches Verurteilen oder Schuldzumessen erfolgen“ kann, denn „die Kirche hat hier kein richterliches Amt“. Die Kirche solle beiden Krieg führenden Parteien das „Wohl der betroffenen Menschen“ vorhalten, solange „bis sie beide die Hände nicht gegeneinander erheben, sondern ineinander legen, das wäre ein Stiften von Frieden durch Versöhnung“.

Wer von „Tauben“ und „Falken“ ist bereit, diesen Weg der Selbstverleugnung zu gehen?

In vielen Fällen, gesteht Bienert ein, mag das scheitern: „Das ist in dieser unvollkommenen Welt sogar zu erwarten.“ Umso wichtiger sei es, „dass der Versuch zur Versöhnung immer wieder gemacht wird als ein Leuchtfeuer der Kirche in dunkler Welt“. Solches „persönliches Direktansprechen“ [nicht mit Briefen, auch keinen Offenen] und „versöhnendes Dazwischentreten“ sind - und wer wollte Bienert da widersprechen? – „eben etwas anderes als ein diplomatischer Empfang mit höflichen, allgemein gehaltenen und unverbindlichen Friedensbeteuerungen, bei denen man sich nicht die Wahrheit sagt“.

Und weiter: „Zumindest darf man 1983 feststellen: Der kirchlichen Verlautbarungen sind genug erfolgt; wenn die Kirche auch politisch wirksam werden will, kommt es auf mutiges Tun a

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung (online-Bezug) oder über dem Versandetikett Ihrer Zeitschrift. Bei der Kundennummer handelt es sich um eine 8-stellige Zahl, die mit der Ziffer 1 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt, Sie müssen sich dann bei Ihrem nächsten Besuch erneut anmelden.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Ihre Meinung


Weitere Beiträge zu "Politik"

Kirche, Geld, Sylt

Die innerkirchliche Empörung über die Lindner/Lehfeld-Hochzeit hat etwas zum Vorschein gebracht.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung (online-Bezug) oder über dem Versandetikett Ihrer Zeitschrift. Bei der Kundennummer handelt es sich um eine 8-stellige Zahl, die mit der Ziffer 1 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt, Sie müssen sich dann bei Ihrem nächsten Besuch erneut anmelden.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Lindners Location und unsere Kirche

Lindners Location und unsere Kirche

Auch das "Ja"-Wort in St.Severin braucht die Einnahmen aus der Kirchensteuer
Foto: Harald Oppitz

Christian Lindner und Franca Lehfeldt haben standesamtlich geheiratet. Da gratuliere ich doch… der evangelischen Kirche! Denn Deutschlands smartester Politiker hat sich zusätzlich zum staatlichen Akt für morgen nicht für eine romantische Strandhochzeit, sondern für eine Trauung in der evangelischen St. Severin-Kirche in Keitum entschieden. Das liegt sicherlich nicht daran, dass seine handgenähten Budapester im Sand Kratzspuren erleiden oder die Braut in der Nordsee kalte Füßchen bekommen könnte, sondern an der Qualität der kirchlichen Location, inklusive des protestantisch-liturgischen Beiprogramms. Für die 100 000 Follower seiner Gattin dürfte das ein deutlicher Hinweis darauf sein, dass eine Zeitenwende angebrochen ist. Bis vor kurzem war nämlich laut den führenden Wedding-Plannern in Deutschland eine Trauung unter freiem Himmel am Meer das Traumziel der meisten Brautpaare. „Hauptsache draußen“ war das Motto. Jetzt geht der Trend offenbar in Richtung Sakralgebäude. Die „Hochzeit des Jahres“ in Deutschland setzt Maßstäbe. Man kann Christian Lindner mögen oder nicht – ganz klar, der Mann hat Geschmack. Was ist schon ein Zelt am Strand gegen die Atmosphäre jahrhundertealter Kirchenmauern. Unser Finanzminister zeigt der Republik, wer die schönsten Locations hat: Definitiv die Kirchen.

Bei aller Freude über diese liberale Anerkennung stellt sich dem unbefangenen Bundesbürger natürlich die Frage, wieso jemand, der mit 18 Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten ist, eigentlich in einer evangelischen Kirche heiraten darf. Die Regionalbischöfin Petra Bahr stellt auf Twitter klar, dass eine evangelische Trauung nicht möglich ist, wenn beide Partner aus der Kirche ausgetreten sind. Also wird Franca Lehfeldt immer noch oder schon wieder in der Kirche sein. Oder die Pfarrerin von Sylt tut, was die meisten evangelischen Pfarrpersonen tun: Sie macht, was sie will. Stichwort Gewissensfreiheit. Eine Art Berufskrankheit seit Zeiten der Reformation.

Zwei Logiken

Unserem Finanzminister wird man sicherlich nicht erklären müssen, dass Immobilien mit Investitionsstau ein Problem darstellen. Leider gilt das auch für Kirchen, deren Erhaltung die Gemeinden regelmäßig vor riesige Herausforderungen stellen, zumal es dann ja noch die Auflagen des Denkmalschutzes gibt. Theologisch korrekt ist zwar, dass Menschen nicht in Organisationen, sondern in den Leib Christi hineingetauft werden und auch nach einem Kirchenaustritt ihre Taufe nicht ungültig wird.

Diese himmlische Logik der Theologie steht etwas quer zu einer anderen Logik der Organisation. Die Organisation muss sich nämlich schon die Frage stellen, wer denn die marode Heizung in einer Kirche saniert und das Gehalt der Pfarrpersonen stemmt. Bei der Trauung von Christian Lindner und Franca Lehfeldt wird sicher die Orgel spielen , und auch Kirchenmusikerinnen leben nicht von Luft und Liebe, sondern sind auf ihr Gehalt angewiesen. Alle Mitglieder der christlichen Kirchen leisten mit ihrer Kirchensteuer einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung dieser wunderschönen Kulturgüter und zur Sicherung kirchlicher Dienstleistungen. Möglicherweise könnten die sich etwas darüber ärgern, dass die einen nutzen, was sie finanzieren. Eventuell ist die eine oder der andere gar der Ansicht, dass das eine gewisse Schieflage darstellt. Mag sein, dass sich da in Zeiten der Inflation die Frage stellt, warum man sich die Kirchensteuer nicht einfach auch sparen könnte, wenn Nichtmitglieder die gleichen Rechte und Vorteile haben wie Kirchenmitglieder.

Schön fände ich es natürlich, wenn Christian Lindner, innerlich bewegt von seiner Trauung in St. Severin, auch in Sachen Kirchenmitgliedschaft neue Trends setzt und in die evangelische Kirche eintritt. Möglicherweise setzt er sich künftig politisch für den Erhalt der Kirchensteuer ein. Schließlich sollten Deutschlands Kirchengebäude für den zu erwartenden Ansturm der Brautpaare gerüstet sein. Wer will schon, dass beim Ja-Wort der Putz in den Brautstrauß bröselt.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung (online-Bezug) oder über dem Versandetikett Ihrer Zeitschrift. Bei der Kundennummer handelt es sich um eine 8-stellige Zahl, die mit der Ziffer 1 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt, Sie müssen sich dann bei Ihrem nächsten Besuch erneut anmelden.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus
Foto: Harald Oppitz

Angela Rinn

Angela Rinn ist Pfarrerin und seit 2019 Professorin für Seelsorge am Theologischen Seminar der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Herborn. Sie gehört der Synode der EKD an.


Ihre Meinung


Weitere Beiträge zu "Gesellschaft"

Liberale Theologie at its best

Von 1941 bis 1946 studierte Ulrich Neuenschwander, der im Kanton Bern geboren wurde, in Bern und Zürich evangelische Theologie.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung (online-Bezug) oder über dem Versandetikett Ihrer Zeitschrift. Bei der Kundennummer handelt es sich um eine 8-stellige Zahl, die mit der Ziffer 1 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt, Sie müssen sich dann bei Ihrem nächsten Besuch erneut anmelden.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Wolfgang Pfüller

Wolfgang Pfüller, Jahrgang 1951, Dr. theol. habil., ist Dozent und Pfarrer in Ruhe. Er ist seit 2007 Mitglied im Vorstand des Bundes für Freies Christentum. Zuletzt erschienen  von ihm: "Ein Gott - eine Religion - eine Menschheit." Visionen und Illusionen einer modernen Weltreligion, Nordhausen 2017 und  "Gott weiter denken" -  Stationen interreligiöser Theologie, Nordhausen 2019.

Heilige Räume für Alleinreisende

Heilige Räume für Alleinreisende

Hotelbars - und was wir von diesen lernen können
Foto: Christian Lademann

Eine Woche raus! Die Zehen in Sand bohren und den Wellen des Mittelmeeres zuhören. Wie ein süßes Versprechen stand der Abreisetag in meinem Pfarramtskalender. Der erste Mallorca-Urlaub meines Lebens. Und zum ersten Mal bin ich ganz allein gereist.

Ich hatte mich für einen typischen Pauschalurlaub entschieden, bei dem man mit einer Horde weiterer Touristen aus dem Transfer-Bus vor einem Hotel ausgespuckt wird. Zwischendurch auch mal in der Masse untergehen können, das erschien mir irgendwie attraktiv bei diesem allerersten Single-Urlaub. Dass ich neben den Mittelmeer-Wellen vor allem die Motorengeräusche der Hauptstraße von Can Picafort hören würde, hatte bei der Buchung leider nicht dabei gestanden.

Zum Glück bin ich nicht sonderlich lärmempfindlich und so begann ich furchtlos drauflos zu probieren, wie das gehen könnte, Urlaub mit sich selbst zu machen. Nachdem ich es an Tag 1 eher leidlich mit mir ausgehalten hatte, lief es immer besser. Urlaub allein will nämlich gelernt sein. Ich entwickelte schöne Tagesroutinen, genoss es am Strand durch die Gegend zu träumen und machte abenteuerliche Ausflüge mit mallorquinischen Linienbussen quer über die Insel.

Nur eines passte mit meinem Urlaub schlecht zusammen: wenn ich eine bestimmte Anzahl gesprochener Worte pro Tag unterschreite, werde ich latent unruhig. Ein Glück, lernte ich bald, dass man in solchen Fällen nicht mehr tun muss, als abends die Hotelbar aufzusuchen. Hotelbars sind heilige Räume für allein Reisende. Vielleicht war es dieser Ort, der mich mit seiner ganz eigenen sozialen Logik am allermeisten fasziniert hat in diesem Urlaub.

Uschi und Eberhard

In meiner Hotelbar lernte ich, als ich gerade an einem Gin Tonic nippte, Uschi und Eberhardt kennen. (Ich habe ihre Namen nicht verändert, weil etwas in mir glaubt, dass diejenigen, die man in diesen Bars kennenlernt, irgendwie immer Uschi und Eberhardt heißen…) Uschi und Eberhardt tranken Bier. Jeden Abend eins für jeden und dann noch eins, das geschwisterlich geteilt wurde. Bei dem Teilungsritual lobte Eberhardt den günstigen Bierpreis in der Hotelbar. „Da kannste doch nix zu sagen…!“ sagte er und schaute wechselnd Uschi und mich an und wartete auf zustimmendes Nicken.  Bei jedem Satz, den Uschi sagte, reagierte Eberhardt mit einem eindringlichen wie liebevollen „Ach Uschilein…“, so als brauchte jeder Satz von Uschi diesen Nachklang, um wahr zu sein.

Einen Tisch weiter saß immer die Rumänin, die mir von ihren nächsten Ausflugszielen erzählte und großzügig ihre Salzstangen mit mir teilte. Noch einen Tisch weiter saß  der Brite mit dem gelben Basecap. Mit ihm gab es irgendwie den unausgesprochenen Deal, dass man sich nicht unterhielt und trotzdem war er voll akzeptiertes Mitglied unserer Hotelbar-Community.

Jeden Abend kehrte ich eine Zeit lang ein und verbrachte den Abend mit Uschilein, Eberhardt, meiner Salzstangen-Kumpanin und Gelb-Cap-Brite. Wir waren der harte Kern. Dazu kamen hin und wieder Zaungäste, die sich entweder ins Gespräch einmischten oder in Gelb-Cap--Manier einfach zeitweise schweigend Teil unserer Runde wurden.

Wir erzählten uns von den Erlebnissen des Tages, gaben einander Tipps, was einen Ausflug wert wäre, lachten, zeigten uns die besten Schnappschüsse, ließen die Gläser klirren beim Anstoßen. Eberhardt hielt engagierte Monologe darüber, wie ich mich genau zu verhalten hätte, wenn ich im Meer in einen Strudel gerate und ich hörte ebenso engagiert zu, obwohl ich ahnte, dass ich dieses Wissen bei den paar Metern, die ich ins Meer gehe, nicht brauchen würde. Uschilein war jeden Abend damit beschäftigt, eine neue Ansicht der Bucht in ihren Whatsapp-Status zu stellen, wobei Unterschiede zwischen diesen Bildern wohl keine andere als Uschilein erkennen konnte.

Mit Mallorca-Auge

Am letzten Abend gab es keine großen Abschiedstiraden, kein Austausch von Telefonnummern. Was in der Hotelbar war, bleibt in der Hotelbar. Einzig Eberhardt schob mir ein kleines Mallorca-Auge rüber, das Gehäuse einer Meeresschnecke, die man mit etwas Glück am Strand finden kann. Dann winkten wir einander zu und verschwanden in unsere Leben.

Hier zu Hause an meinem Schreibtisch mit Blick auf das kleine Mallorca-Auge fasziniert mich diese Hotelbar mit ihrer ganz eigenen sozialen Logik immer noch. Nähe bei maximaler Unverbindlichkeit. Gemeinschaft auf Zeit. Dazugehören und nicht festgehalten werden. Und ich frage mich beim langsamen Hinübergleiten in den Arbeitsalltag, ob meine Kirche nicht auch ein klein wenig so sein könnte wie diese Hotelbar. Ich würde hingehen und einen Gin Tonic bestellen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung (online-Bezug) oder über dem Versandetikett Ihrer Zeitschrift. Bei der Kundennummer handelt es sich um eine 8-stellige Zahl, die mit der Ziffer 1 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt, Sie müssen sich dann bei Ihrem nächsten Besuch erneut anmelden.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Ihre Meinung


Weitere Beiträge zu "Kirche"

Wenn Bilder töten

Bilder können töten – darauf machte vor einiger Zeit Micha Brumlik in seinen kleinen Bändchen zum Antisemitismus aufmerksam.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung (online-Bezug) oder über dem Versandetikett Ihrer Zeitschrift. Bei der Kundennummer handelt es sich um eine 8-stellige Zahl, die mit der Ziffer 1 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt, Sie müssen sich dann bei Ihrem nächsten Besuch erneut anmelden.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus

Fremde Perspektiven

Über Havannas Häuser schwebt etwas Großes. Ein metallisch glänzendes Objekt, zigarrenförmig mit einem kleinen Fortsatz im unteren Drittel, könnte es ein UFO sein?

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Inhalt ist nur für zeitzeichen-Abonnenten zugänglich. Bitte geben Sie Ihre Kundennummer ein *:
Ihre Kundennummer finden Sie entweder auf Ihrer Rechnung (online-Bezug) oder über dem Versandetikett Ihrer Zeitschrift. Bei der Kundennummer handelt es sich um eine 8-stellige Zahl, die mit der Ziffer 1 beginnt.

* Das einmalige Einloggen reicht aus, Sie erhalten damit automatisch Zugang zu allen anderen Artikeln. Beim Verlassen der Webseiten von zeitzeichen werden Sie automatisch ausgeloggt, Sie müssen sich dann bei Ihrem nächsten Besuch erneut anmelden.

Online Abonnement

Die komplette Printausgabe und zusätzlich aktuelle Texte als Web-App

Print
Abonnement

Wir schicken Ihnen zeitzeichen ins Haus
abonnieren