Isolierter radikaler Pazifist

Manchmal transportiert eine Übersetzung schon die ganze These. So geschehen beim Bericht des Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland vor der 13.

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Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Endlich, sie haben es von der Peripherie ins Zentrum der EKD-Synode geschafft!

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#ausLiebe seit 175 Jahren

Mit der neuen bundesweiten Imagekampagne #aus Liebe will die Diakonie Deutschland auf Menschen aufmerksam machen, die im Zentrum ihrer Arbeit stehen und für die sie eintritt, für Mens

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Wenn alles wackelt

Das Bild bleibt hängen: Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD-Synode, auf der Slackline, diesem schwankenden schmalen Band, das man zwischen zwei Bäume hängt um darauf zu balancieren.

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Vater der deutschen Musik

Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein, doch das Doppelkonzert zu Gedenken an den 350.

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Rund um Schöpfung und Bewahrung

Das erste Referat an diesem Magdeburger Morgen hatte es in sich: Stephan Schaede, promovierter systematischer Theologe und Regionalbischof des Sprengels Lüneburg in der Hannoverschen Landeskirche

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Halbe Apokalypse

Ja ist denn schon Weihnachten? Leicht irritiert betrachtet der Besucher des Eröffnungsgottesdienstes der 3. Tagung der 13.

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Risse im Regenbogen

Risse im Regenbogen

Warum ich als Schwuler das Selbstbestimmungsgesetz der Ampelkoalition problematisch finde
Foto: Privat

Nein, dafür haben wir Schwule (und sicherlich auch die Lesben, für die ich mir hier allerdings nicht anmaße, sprechen zu können) nicht gekämpft! Dass plötzlich in unseren mühsam selbstgeschaffenen Räumen Frauen auftauchen, also BIOLOGISCHE  Frauen, die sich als schwule Männer fühlen, und Rabatz schlagen und uns als transphob beschimpfen, wenn wir sagen: Sorry, nein, das ist ein schwuler Ort und soll es bleiben. Und die ihren Pass hervorziehen uns sagen: Ätsch, halt‘s Maul, ich bin ein Mann. Und wenn Du mich noch einmal misgenderst, dann zeig ich dich an!

Oder dass ein Junge, wenn er ein wenig zu viel an Feminität an den Tag legt, etwa gerne hübsche Kleider anzieht, Puppen liebt und jeden Fußball treffsicher in die Gegenrichtung schießt, in die er rollen sollte, in den Verdacht gerät, er könne nicht vielleicht doch eigentlich ein Mädchen sein, und er könne ja mal über die Möglichkeit nachdenken, auch Name und Geschlecht in seinen Dokumenten dementsprechend anzupassen zu lassen.  

Realitätsverzerrende Angstphantasien? Verfolgungswahn? Vielleicht ein wenig. Aber nicht ganz aus der Luft gegriffen, wenn man anschaut, was das bereits in Eckpunkten vorgestellte Selbstbestimmungsgesetz (SelbstBestG) der Ampelkoalition plant und ermöglicht: Künftig soll jedermann (m) und jederfrau (w) und jedermensch (d) durch einfache Selbsterklärung beim Standesamt den juristisch relevanten Geschlechtseintrag ins Wunschgeschlecht (m/w/d) ändern können, und den Vornamen gleich mit. Alle 12 Monate. Bei Kindern können das die Eltern tun, bei Jugendlichen ist die Zustimmung der Eltern erforderlich oder es kann ein Familiengericht angerufen werden. Eine diagnostizierte Transidentität, wie sie im bisherigen Transsexuellengesetz (TSG) vorgesehen war, ist nicht mehr nötig.

Gender ist Drag

Wofür wir Schwule gekämpft haben, das war eine Befreiung vom Terror der Geschlechterrollen, die im Patriarchat nicht nur für die Frauen, sondern auch für die Homos unerträgliche Effekte hatte.  

Doch, auch ein Mann kann gefühlvoll und fürsorglich sein, pinkfarbene Röcke tragen und lila Lippenstift, mit obertuntigen Gesten und wildem Hüftschwung durch die Gegend laufen, und er kann Männer lieben und begehren. Und bleibt ein Mann. Ein schwuler Mann eben, der Respekt und Rechte von dieser Gesellschaft erwarten kann. Gegen alle Klischees, die im Umlauf sind, wie Männer zu sein haben („gender“), bringen wir die Gewissheit unserer Körper („sex“) in Stellung: als Männer, die Männer lieben. Same-sex-attraction. Und was unter den Begriff „gender“ fällt, ist eigentlich nichts als Drag. Eine Spielwiese der Freiheit, die wir durchkreuzen und parodieren und ad absurdum führen, wo wir nur können. Das hieß mal Emanzipation.

Was uns heute im queeren Aktivismus entgegentritt, ist allerdings eine völlige Umkehrung dieses Verständnisses von „Geschlechterfreiheit“. Nicht „sex“ ist der feste Boden unter den Füßen, der es erlaubt, mit „gender“ kreative Tänze zu vollziehen und die Machtarchitektur des „Geschlechts des Kapitalismus“[1] ins Wanken zu bringen. Geschlecht soll sich nunmehr allein nach der inneren Geschlechtsidentität richten, und von daher auch den biologischen Körper neu und gegen den „Augenschein der Hebamme“ definieren: Wer sich als Mann fühlt und versteht und definiert, IST ein Mann. Punkt. Egal ob Chromosomen, Gonaden oder Geschlechtsorgane, seien sie primär oder sekundär, dagegensprechen. Dabei kommt *mensch* sich ziemlich progressiv und revolutionär vor, gipfelnd in der Parole „Transfrauen sind Frauen / Transmänner sind Männer“, dem Schlachtruf aller Umetikettier*innen in Fragen der Geschlechtsbestimmung. Oder man negiert gleich ganz die Existenz von zwei naturgegebenen Geschlechtern und erklärt Geschlecht zu einem Spektrum und Kontinuum, auf dem ein*e jede*r mal mehr oder weniger nonbinär oder gar intersexuell zu verorten ist.

Sex matters
 

Das geplante Selbstbestimmungsgesetz liegt nun ganz auf dieser Linie. Wenn es allein eine subjektive „Geschlechtsidentität“ ist, die wir als gültige Definition akzeptieren, dann werden Begriffe wie Mann oder Frau eigentlich obsolet, weil inhaltsleer. Denn wie in einem Zirkelschluss kann alles, was in der inneren Selbstdefinition als weiblich oder männlich ‚wahrgenommen‘ wird, dazu dienen sich als Mann oder Frau zu definieren. Der Körper spielt dabei keine Rolle mehr.

 

Nur ärgerlich, wenn altgediente Feministinnen der zweiten Frauenbewegung oder manche „cis-schwule“ Männer, die noch vor 1990 das Nachdenken über Geschlecht und Sexualität gelernt haben, da nicht mitziehen wollen. Sex is real. Sex matters. Es gibt körperliche Unterschiede, die es rechtfertigen, an einer biologischen Definition von Geschlecht festzuhalten. Und es gibt ein homosexuelles Wissen um den geschlechtlichen Körper, der es erst logisch sinnvoll macht, von Homosexualität überhaupt zu sprechen. Oder kann mir jemand erklären, wie eine same-gender-attraction genauer beschrieben werden kann?Die neuen queeren und gender-basierten Geschlechterwelten zeigen sich zum einen in der unabschließbaren Multiplizierung von geschlechtlichen Selbstbeschreibungen (Derzeit sind es so um die 80, wenn ich es richtig ergoogelt habe). Darüberhinaus führt die Leugnung einer geschlechtlichen Binarität letztendlich zur generellen Leugnung der Existenz von Homosexualität. In unvergleichlicher Eleganz auf den Punkt gebracht wurde dies von Englands erster methodistischer Trans-Pfarrerin Joy Everingham mit dem Statement: "It's quite challenging to LGB people, because if gender is on a spectrum, then homosexuality doesn't really exist, 'cos it can only exist in a binary. [...] Sexuality is redundant."[2]

Hier ist er: der Riss im Regenbogen. Und er verläuft zwischen den Farbstreifen der sexuellen Orientierung (LGB) und denen der geschlechtlichen Identität (TQA++), die nicht in der Lage scheinen, eine gemeinsame Definition von Geschlecht hinzubekommen, in der sich alle diese Gruppen mit ihren Selbstverständnissen wiederfinden können. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Frage, wie gesellschaftlich mit dem real existierenden Phänomen der Transidentität umzugehen ist. Es gibt Menschen, und mit geschätzten 0,3 Prozent der Bevölkerung auch gar nicht einmal wenige, deren „innere“ Geschlechtsidentität (gender) nicht mit ihrem „äußeren“ Körpergeschlecht (sex) übereinstimmt. Beschrieben wird das als Geschlechtsinkongruenz oder bei hohem Leidensdruck und Ablehnung des eigenen ‚sex‘ als Körperdysphorie.

Verquaster Versuch

Die alte Regelung des Transsexuellengesetzes von 1981 war ein verquaster Versuch, dieses Auseinanderfallen von sex und gender so zu lösen, dass man für eine juristische Transition (die staatliche Anerkennung im gefühlten Geschlecht) sowohl eine soziale Transition (ein mehrjähriger Alltagstest) und eine körperliche Transition (geschlechtsangleichende Operation inklusive Unfruchtbarmachung) zur Voraussetzung und Bedingung machte. Dies war noch ganz geprägt von der Illusion, transidente Menschen möglichst perfekt in die herrschende heteronormative doppelte und gekoppelte Binarität von sex und gender einpassen zu können. Ziel war eine möglichst weitgehende ‚Unsichtbarkeit‘ von Transidentität. Durch ein körperliches und rollenkonformes ‚Passing‘, das ja auch oft dem Wunsch der transidenten Personen entsprochen hat. Als menschenrechtswidrige Zumutung ist diese Regelung immer wieder verfassungsrechtlich angefragt und korrigiert worden. So dass heute nur noch eine lästige, aber meist (zu 95 Prozent) erfolgreiche Doppelbegutachtung durch sexualmedizinische oder psychiatrische Gutachter übriggeblieben ist. Langwierig und teuer. Und in den Augen vieler schlicht verzichtbar.

Was nun aber das geplante Selbstbestimmungsgesetz vorschlägt, ist eben nicht die Anerkennung von Transidentität in seiner geschlechtlichen Doppelnatur, in der sex und gender nicht konform zueinanderpassen. Sondern die Eckpunkte affirmieren den transsexuellen Wunsch, dass allein ‚gender‘ das Geschlecht bestimmen möge, und das ärgerliche bis anstößige ‚sex‘ möglichst keine Erwähnung mehr fände. Obwohl es möglich sein soll, ohne jede hormonelle oder operative Geschlechtsangleichung juristisch in ein anderes Geschlecht zu wechseln, wird es gleichzeitig tabuisiert ja verboten, das bisherige - und faktisch ja nicht gänzlich änderbare - Körpergeschlecht zu benennen, was als misgendern (Pronomen gemäß dem körperlichen Geschlecht zu benutzen und nicht gemäß der abweichenden Geschlechtsidentität) oder deadnaming (Verwendung des abgelegten Vornamens, der zum Körpergeschlecht passend ausgewählt war) unter Strafe gestellt werden soll.

Eine Verkrampfung wird durch eine neue ersetzt. Und die entsprechenden paradoxen Parolen wie „Transfrauen sind Frauen/Transmänner sind Männer“ finden allgemeine Unterstützung, wie zuletzt auch durch eine Solidaritätserklärung der evangelischen Frauenarbeit.[3]

Begutachtung entschärfen

Dass so einfach „sex“ nicht durch „gender“ ersetzt werden kann, scheint niemandem aufzufallen, niemanden zu stören, oder um die Schonung vulnerabler Minderheiten willen schlicht unter den Tisch gekehrt zu werden. Anerkennung, die auf Kosten der Wahrheit geht? Das kann wohl nicht eine befriedigende Lösung sein!

Aber wie könnte aus dieser ‚verqueren‘ Konstellation ein Weg herausführen? Mehrere Optionen sind denkbar:

Einmal wäre es denkbar, dass man den Geschlechtseintrag so differenziert erfasst, wie es eigentlich Stand der Geschlechterforschung ist: nach Körpergeschlecht UND Geschlechtsidentität UND ggf. auch noch nach Geschlechtspräsentation. So wäre es möglich, in unterschiedlichen Situationen das jeweils relevante Kriterium zur Geltung zu bringen. Es würde von Transpersonen allerding verlangen, dass sie die Doppelnatur ihrer Geschlechtlichkeit auch offen zeigen und sie nicht einseitig zur Geschlechtsidentität hin auflösen wollen. Ob ein solch komplexer Geschlechtseintrag allerdings praktikabel und überhaupt sauber durchführbar wäre, sei dahingestellt.

Eine weitere Option ist, auf einen Geschlechtseintrag komplett zu verzichten. Das dürfte angesichts der bestehenden Benachteiligung von Frauen, die dadurch unsichtbar gemacht würde und politisch nicht mehr zu bekämpfen wäre, weder wünschenswert noch politisch durchsetzbar sein.

Bliebe noch, das Transsexuellengesetz so zu reformieren, dass die überschaubaren Unzumutbarkeiten der Begutachtung entschärft würden, aber es weiterhin nur einem begrenzten  und nach klaren Kriterien diagnostizierten Personenkreis erlaubt würde, das Körpergeschlecht im juristischen Sinne durch die Geschlechtsidentität zu ersetzen. Damit werden sich aber vermutlich die Trans-Interessenverbände nicht zufriedengeben.

Ignoranz der Fakten

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass es problematisch ist, das juristische Geschlecht zu einem Kampffeld der Anerkennung zu gebrauchen/missbrauchen. Wo es doch eigentlich eine gesellschaftliche Öffnung dahingehend bräuchte, auf der Grundlage der Gegenebenheit körperlicher Unterschiede eine Vielzahl möglicher Rollen und Identitäten zuzulassen und fair und gleich zu behandeln. Ohne dass es nötig ist, ihre natürlichen Voraussetzungen zu leugnen und zu bekämpfen. Denn wenn wir das geplante Selbstbestimmungsgesetz bekommen, dann wären dieser Sieg der „Genderist*innen“ eine Form der Faktenignoranz, wie wir sie sonst eigentlich nur bei den Klimawandel-Leugnerinnen finden können.

Und zu Guterletzt: allen Evangelikalen und AfDlern, die glauben, ich hätte hier Wasser auf ihre Mühlen leiten wollen, kann ich nur hinterherrufen: Fuck off. Denn im Zweifel stehen die Schwulen doch an der Seite derer, die den Mut haben, eine reaktionäre Geschlechterordnung anzuklagen und aufzubrechen. Nur auslöschen lassen sie sich nicht.

 

[1] Vgl. dazu Roswitha Scholz: Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorien und die postmoderne Metamorphose des Patriarchats, Bonn 2000.

[2] https://www.youtube.com/watch?v=b1sN7_QFGSI

[3] https://evangelischefrauen-deutschland.de/images/stories/efid/Positionspapiere/ positionspapier_efid_positionierung_zum_transsexuellengesetz_13_oktober_2022.pdf

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Thomas Zeitler

Thomas Zeitler ist Kulturpfarrer an der Egidienkirche in Nürnberg. Er hat 2001 den Nürnberger Queergottesdienst mitbegründet und engagiert sich im lokalen Bündnis gegen Trans- und Homophobie.


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Vom hohen Ross gestiegen

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Wo sind die durchgestrichenen Kürbisse geblieben?
Foto: Christian Lademann

Gerade war Halloween. Zumindest für die Familie in meiner Siedlung, die ihr Haus zu einem beeindruckenden Gruselkabinett umgestaltet hat, war am 31.10. ganz bestimmt Halloween. Jedes Mal, wenn ich an den Kürbisfratzen in ihrer Einfahrt vorbeigegangen bin, war ich ein wenig froh, dass die Zahl des ausgeschnitzten Gemüses im Zweifelsfall sicher reichen würde, um böse Geister aus der ganzen Wohnsiedlung fernzuhalten. Ich selbst hatte keinen Kürbis vor meinem Pfarrhaus stehen. Das war weniger ein öffentliches Statement pro Reformationstag als viel mehr der Tatsache geschuldet, dass ich derart wenig handwerkliches Geschick habe, dass die bösen Geister sich sicher kaputtlachen würden.

Ich selbst habe am 31. Oktober Reformationstag gefeiert. Da ich Urlaub hatte, konnte ich ausnahmsweise mal ganz in Ruhe bei einer Tasse Kaffee in der Morgensonne darüber nachsinnen, wo die Welt Neuaufbrüche braucht. Natürlich erst nachdem ich noch kurz meinen Süßigkeitenvorrat aufgefüllt hatte, falls kleine Geister an der Haustür klingeln. Irgendwann öffnete ich zum ersten Mal an diesem Tag meine social-media-accounts. Ich erwartete wie jedes Jahr am 31. Oktober mit massenweisen durchgestrichenen Halloween-Kürbissen und empörten Beiträgen konfrontiert zu werden, die mich darüber belehren wollen, worum es heute eigentlich geht und was mit der Welt verkehrt ist, in der man sich lieber verkleidet und „Süßes oder Saures“ ruft. Dass ich kaum solches Halloween-Bashing gelesen habe, verblüfft mich. Nachdenkliches über die Rechtfertigung habe ich von kirchlich Aktiven wahrgenommen, Engagiertes zu dem,  was die Reformation für die Frage nach den gegenwärtigen kirchlichen Entwicklungen beiträgt, Humorvolles von unserer Präses Nicole Heinrich. Viel Kluges und Offenes habe ich gesehen anstelle des gewohnten Abschottungs-Bashings.

Veränderter Zungenschlag

Ich glaube, in diesem veränderten Zungenschlag zeigt sich etwas. Offenbar haben die Krisen einen beginnenden Realitätsschub inmitten der Kirche bewirkt. Nachdem die großen Kränkungen, die sich nicht zuletzt an dem unsäglichen Wort "Systemrelevanz" aufgehangen haben, langsam verdaut sind, scheint sich in der Tat ein verändertes kirchliches Selbstverständnis auszubilden. Das Narrativ, dass die Kirche noch die allumfassende kulturelle Deutungshoheit über alles und jeden habe, hat auch vorher kaum noch getragen. Nun endlich scheint sich ein kollektives Wissen dazu einzustellen. Es scheint sich sukzessive ein kirchliches Selbstverständnis auszubilden, das von seinem hohen Ross heruntergekommen ist und endlich den eigenen Platz im Kontext gesellschaftlicher Vielstimmigkeit anerkennt. Die Kirche beginnt zu lernen, dass sie eine gleichberechtigte Stimme neben anderen ist. Sie beginnt die eigene Partikularität spielerisch anzunehmen und experimentiert, wie sich aus dieser Position heraus wirksames kirchliches Handeln entfalten lässt. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein solches Selbstverständnis nicht der Anfang vom Ende ist, sondern der wesentliche reformatorische Impuls, den unsere Kirche braucht, um relevant und zukunftsfähig zu sein.

Wenn an meinen Wahrnehmungen zum Fehlen des Halloween-Bashings etwas dran sein sollte, wäre das ein deutliches Zeichen, dass es sich gegen allen Anschein am Ende bei der Kirche doch um eine lernende Organisation handelt. Das wäre ein echter Grund zum Feiern. Nicht nur im Gottesdienst zum  Reformationstag oder auf Halloween-Partys.

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