Schwerpunkt

Der Islam in Europa ist sehr alt, aber in der heutigen Form vor allem ein Ergebnis der Einwanderung von Musliminnen und Muslimen im 20. Jahrhundert. Während manche sehnsüchtig von der andalusischen Goldenen Zeit schwärmen, steht der heutige Islam auf unserem Kontinent erst in den Kinderschuhen – und unter Verdacht. Dabei ist eine neue Blüte möglich.

Gestus der Überlegenheit

In zeitzeichen 12/2022 findet sich ei

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Der neue Johannes XXIII.

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Kann Franziskus jetzt zum Reformpapst werden?
Foto: Rolf Zöllner

Die Blütenträume, die mit dem Dienstantritt von Papst Franziskus vor knapp zehn Jahren erblühten, blieben leider immer dies: Träume. Die vom damals neuen Papst angestoßene große Reform der römisch-katholischen Weltkirche, ein Abschied von all dem Pomp und dem Zen­tralismus, eine Enthierarchisierung und Demokratisierung, eine Kirche nicht nur für die Armen, sondern eine arme Kirche, die sich zudem weltweit ihrer anhaltenden Schuld um sexualisierte Gewalt ernsthaft stellt, und nicht zuletzt eine wirklich ökumenisch gesonnene Gemeinschaft … all das ist seit zehn Jahren bestenfalls in Ansätzen zu erkennen.

Ein Grund dafür ist: Starken konser­vativen bis reaktionären Kreisen in der Kirche Roms, nicht zuletzt im Vatikan selbst, schmeckte das alles von Anfang an überhaupt nicht. Und dass diese Bremser mit ihrer Is-doch-alles-jut-Politik immer wieder durchkamen, lag auch daran, dass in den Vatikanischen Gärten knapp zehn Jahre lang Joseph Ratzinger lebte. Der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. hintertrieb mit seinem Umfeld, gewollt oder duldend, die möglichen Reformen von Papst Franziskus, meistens hintenrum. Zudem drohte, wie nach Ratzingers Tod noch deutlicher wurde, immer ein Schisma, das der Papst als Symbol­figur der Einheit natürlich floh wie der Teufel das Weihwasser, nämlich eine Spaltung in die Anhänger des neuen und des alten Papstes.

Übertrieben? Keineswegs. Wer sich manche Andeutungen zum Tod Ratzingers im Kirchenvolk und in der Kirchenhierarchie anhörte (etwa von US-Bischöfen oder die nun aufgedeckten Machenschaften gegen Franziskus des gerade verstorbenen Kardinal George Pell), wusste: Eine Spaltung der römischen Weltkirche war eine reale Gefahr. Auch deshalb wurde Franziskus, so ist vernünftigerweise zu vermuten, nach dem Anfangsschwung zunehmend zögerlich bei der Umsetzung seines Reformprogramms.

Die Frage ist: Könnte sich dies nun ändern nach dem Tod des von manchen so boshaft inszenierten „wahren“ Papstes Ratzinger? Sollte Papst Franziskus mit seinen 86 Jahren noch die Kraft dazu haben und nicht zurücktreten, dann ja. Allerdings ist offensichtlich, dass der Pontifex Maximus, so er dies denn wirklich will, nur noch wenige Jahre hat, wenn überhaupt. Sicher erscheint, dass der argentinische Papst in jedem Fall den Abschluss des von ihm angestoßenen weltweiten Synodalen Weges mitmachen will, nämlich die geplante Bischofssynode in Rom 2024. Die dort mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Reformvorschläge könnte er übernehmen, als letzte große Tat seines Pontifikats.

Oder, das wäre die radikale Lösung, er beruft nun anstatt dieser Synode oder in Folge dieser Synode das Dritte Vatikanische Konzil ein, um einen noch größeren Wandel in seiner Kirche zu ermöglichen. Angesichts der dafür notwendigen immensen Vorbereitungszeit würde er ein solches Konzil voraussichtlich kaum mehr erleben, mit Glück vielleicht noch die Eröffnung. Aber auch dafür gibt es in der Kirchengeschichte ein gutes Beispiel: Papst Johannes XXIII., der das letzte Konzil einberief, aber das Ende nicht mehr erlebte. Ein Reformkonzil wäre mehr als ein Blütentraum. Johannes XXIII. wurde heiliggesprochen. 

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Kaffeebauern in der Krise

Arturo Gonzales wischt sich mit seiner schmutzigen Hand den Schweiß von der Stirn.

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Wider den Fundamentalismus

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Ist der Islam eine Buchreligion?
Foto: privat

Darüber dürfte einhellige Übereinstimmung herrschen, dass weder das Judentum noch das  Christentum als Buchreligion zu verstehen sind. Zwar berufen sich beide und teilweise sogar in Übereinstimmung in besonderer Weise auf kanonisierte Texte, aber diese sind nicht der Gegenstand des Glaubens. Die Texte stehen nicht selbst für die göttliche Offenbarung. Sie genießen eine  besondere Wertschätzung, weil sie als authentische menschliche Zeugnisse auf den sich offenbarenden Gott und seine Geschichte mit dem Menschen verweisen. Werden sie da­gegen selbst als Wort Gottes verstanden, besteht die Gefahr einer fundamentalistischen Selbstzueignung, in welcher sich die Gläubigen selbst zu Anwälten der Sache Gottes erklären.

Wie aber verhält es sich im Islam? Un­abhängig von seinen unterschiedlichen Traditionen und gegenwärtigen Aktualisierungen gilt der Koran als die vom Engel Gabriel vermittelte Offen­barung Gottes an den großen Propheten Mohammad. Dabei ist einzuräumen, dass es auch im Islam  Auseinandersetzungen um die bis in die Vokalisierung hineinreichende Akkuratesse der  Übermittlung der Offenbarung gibt. Aber ein Zweifel an der konkreten inhaltlichen Zuverlässigkeit der Auditionen des Propheten würde nicht nur seinen exponierten Anspruch relativieren, sondern auch die prägende theopolitische Konzeptualisierung des Islam angreifen.

Von Anfang an gehört es formativ zur Verteidigung und Durchsetzung der den Islam ausmachenden Glaubenshingabe, mit der er Judentum und Christentum zu beerben beansprucht, dass sie auch die Auseinandersetzung mit Waffengewalt nicht nur nicht ausschließt, sondern tatsächlich mit einbezieht. Bereits der Prophet selbst trat mal erfolglos und dann aber auch erfolgreich als Feldherr  auf. In seinem Agieren sah er sich von den göttlichen Offenbarungen getragen, deren zur Rezitation bestimmte Sammlung im Koran bis heute die Stimme Gottes in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken soll.

Juden und Christen werden im Koran gern respektvoll als die „Leute des Buches“ bezeichnet. Ihnen  gilt die gleiche Glaubensofferte, die bereits in Abraham, der weder Jude noch Christ war, ihren  hingebungsvollsten Repräsentanten hervorgebracht hat, hinter den Juden und Christen schließlich aber durch eigene Zutaten zurückgefallen seien. Das besondere Sendungsbewusstsein des Propheten zeigt sich darin, dass er sich dazu berufen weiß, mit den an ihn ergangenen Offenbarungen über die strittigen Fragen von Tora und Evangelium hinauszuführen und damit der endgültigen Gestalt der von Gott gewollten Religion den Weg zu bahnen.

Der Koran wird als die Vollendung des heiligen Buches angesehen, die im Übrigen auch mit der arabischen Sprache verbunden wird. Es ist der Charakter der seinen Mitteilungen und Anweisungen zugemessenen Normativität, der darüber entscheidet, ob der Islam als eine Buch­religion zu verstehen ist. Jede Vergegenständlichung des Wortes Gottes verbindet sich gern mit seiner fundamentalistischen Inanspruchnahme. Es wird entscheidend darauf ankommen, wie sich die Repräsentanten des Islam ausdrücklich von der Versuchung distanzieren, dass Gott ihnen mit dem Koran die Durchsetzung seines Willens in der Welt überlassen habe. 

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Langer, dunkler Schatten

Welch ein Erfolg! Endlich sind sie publizistisch und intellektuell festgesetzt, die drei Verschwörer Frisch, Thomas und Körtner.

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