Die Erfindung des Missionsbefehls

Wohl kaum ein anderer Bereich aus Kirche und Theologie ist in der kirchlichen und öffentlichen Wahrnehmung so eng mit Kolonialismus verbunden wie Mission. Im 19.

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Es war kein „Nationalmasochismus“

Vor 14 Jahren kam ich über „Aktion Sühnezeichen“ nach Tel Aviv und habe dort ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht.

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„Steuern sind das Demokratischste“

zeitzeichen: Frau Engelhorn, können Sie etwas mit dem Satz anf

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Zu viel abschätzige Rhetorik

Bisherige größere Stellungnahmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu sozialen Entwicklungen, zu gesellschaftlicher Ungleichheit und zu Menschen in Armutsla

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Warum Bert Brecht Recht hatte

Alltag in Deutschland: Senior:innen sammeln Flaschen, weil sie auf das Pfandgeld angewiesen sind, Menschen aller Altersgruppen warten in langen Schlangen an den Lebensm

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Nicht nur Mammon

Die Armutsdenkschrift der EKD aus dem Jahr 2006 weist ausdrücklich darauf hin, dass „Armut“ nicht ohne „Reichtum“ diskutiert werden kann.

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Auf der Hinterbühne

Auf der Hinterbühne

Im Club der Sachverständigen für Sterben und Tod
Foto: Christian Lademann

Ich war ziemlich genau darüber informiert, wie der Leichnam der Queen präpariert worden ist, bevor sie elf Tage lang ihre letzte Reise antrat. Die Körperflüssigkeiten wurden höchstwahrscheinlich durch Chemikalien ersetzt und ein ausgeklügeltes Kühlsystem ermöglichte die lange Transport- und Aufbarungszeit. Es ist der etwas untersetzte Friedhofsmitarbeiter mit Glatze, der mir sowas erzählt. Meistens funkeln seine Augen dabei, wenn er mir solche Dinge mitteilt, weil er sich schon seit Kindheitstagen für alles interessiert, was mit Bestattungen zu tun hat. Er ist so eine Art Sachverständiger für Sterben und Tod in allen Kulturen. Außerdem war er früher leidenschaftlicher Standarttänzer und hat alle möglichen Pokale abgeräumt. Wahrscheinlich hat mich angesichts seiner Statur diese Information mehr überrascht, als sein Wissen über die Einbalsamierung von Elizabeth II.

Diese Begegnungen mit ihm und anderen Sachverständige für Sterben und Tod finden an einem besonderen Ort statt. Für mich ist es einer der magischsten Orte meines Berufsalltags: hinter den Kulissen der Trauerhalle. Es ist ein schmaler schmuckloser Gang, den ich jedes Mal entlanggehe, bevor ich meinen Talar überziehe und eine Trauerfeier gestalte. Am Anfang dieses Ganges ein kleiner Toilettenraum für letzte Geschäfte, die noch verrichtet werden müssen. Am Ende zwei kleine Räumchen, eins links für mich und eins rechts, in dem meistens schon die anderen Sachverständigen für Sterben und Tod sitzen: Friedhofsmitarbeiter, Musiker, Bestatter. Man kennt einander. Zwei sitzen, einer steht und die Pfarrerin lehnt meistens in der Tür.  Da werden letzte Absprachen getroffen, wie professionelle Sachverständige das nunmal so tun, da wird erzählt, dass der Sohn gerade Abitur macht, da wird gescherzt und gelacht angesichts des Todes, nicht selten mit schwarzem Humor, da wird manchmal ein Augenblick geschwiegen miteinander. Dann noch eine gemeinsame Zigarette in der Raucherecke bis alle sich auf das vorbereiten, was gleich zu tun ist. Ein erster öffnet die Tür zu Trauerhalle. Die Familie hat schon Platz genommen. Alle gehen dorthin, wo sie gebraucht werden.

Wo Masken fallen

Diese Schwelle zwischen der Trauerhalle und diesem Refugium für Todessachverständige ist eine besondere Schwelle. Fast so etwas wie die rückseitige Region von Sterben und Tod scheinen mir die Räumlichkeiten neben der Trauerhalle zu sein, die nie ein Angehöriger betritt. Der Soziologe Erving Goffman nennt solche Räume Hinterbühnen. Im Gegensatz zur Vorderbühne, wo jedem seine eigene Rolle zugewiesen ist, sind Hinterbühnen solche Orte, an denen ein Moment lang die Masken fallengelassen werden können. Es sind Räume, in denen alle Kraft sammeln für das, was für sie auf der Vorderbühne zu tun ist. Während die Angehörigen in der Trauerhalle mit dem Außeralltäglichsten konfrontiert sind, ist die Hinterbühne ein Ort, an dem der Tod zur Tagesordnung gehört.

Aber irgendwie ist das, mit der Alltäglichkeit und den  professionellen Routinen., auch nur ein Schein. Ich glaube, es gibt so etwas wie ein unausgesprochenes commitment hinter den Kulissen. Das still geteilte Wissen darum, dass wir uns alle gemeinsam immer wieder im Alltag dem Tod aussetzen und dass dieser Tod auch etwas mit uns selbst und unserem eigenen Leben zu tun hat. Ich glaube, es ist dieses stille gemeinsame Wissen, was die eigentümliche Nähe zwischen denjenigen erzeugt, die sich hier treffen kurz vor der Eingangsmusik. Es ist so ein merkwürdiges Gefühl, als würde man einander kennen ohne sich zu kennen. Deshalb werden hier Geschichten miteinander geteilt. Und weil rückseitige Regionen des Todes manchmal Ventile brauchen, gibt es den schwarzen Humor, denn letztendlich gibt es ja doch niemanden, der als Einzelner wirklich sachverständig wäre angesichts des Todes. Und doch sind wir es miteinander, immer wieder.

Ich bin dankbar für meinen Club der Sachverständigen für Sterben und Tod und für die kostbaren Minuten auf der Hinterbühne, bevor es ans Eingemachte geht. Ich bin gespannt. Vielleicht gibt es kommende Woche Breaking-News über die Sepulkralkultur des englischen Königshauses. Ich denke, wenn mein tangotanzender Totengräber etwas Neues herausgefunden hat, wird er es mir erzählen in dem kleinen Räumchen auf der Rückseite von Sterben und Tod.

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