Lucas Müller

Lucas Müller ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Exegese und Literaturgeschichte des Alten Testamentes der Humboldt-Universität Berlin.

Apartheidsbegriff ein No-Go

Aufgrund der sehr unterschiedlichen und gegensätzlichen Positionen, die in der weltweiten Christenheit zum jüdisch-christlichen Gespräch, zum Staat Israel und den Nahostkonflikten eingenomm

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Doron Kiesel

Prof. Dr. Doron Kiesel ist seit 2016 wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland. Zuvor war der Soziologe und Erziehungswissenschaftler von 1998 bis 2016 Professor für Interkulturelle und Internationale Pädagogik der Universität Erfurt. Er publizierte zahlreiche Veröffentlichungen zu antisemitismuskritischer Bildung, zu Migration und zur Integration ethnisch-kultureller Minderheiten in Deutschland.

Unsere 13 Baustellen (II)

5. Baustelle: Heilige Natur. Tatsächlich?

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Unsere 13 Baustellen (I)

Die Krisen häufen sich. Erst Corona, dann der Überfall der Ukraine durch Russland und jetzt auch noch die Energiekrise im kommenden Winter. Und mit all dem eng verknüpft ist die ökologische Dauerkrise.

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Peripherie als Chance

Peripherie als Chance

Verantwortung statt Versorgung - Reprise
Foto: privat

Der Skandal um die frühere RBB-Intendantin Patricia Schlesinger lässt unseren "z(w)eitzeichen"-Kolumnisten über die Rollenverteilung in der Kirche nachdenken. Sein Fazit: Die evangelische Kirche hat ein Peripherie-Zentrum-Problem.

In der aktuellen Ausgabe der zeitzeichen schreibt der Hochschullehrer, Rechtsanwalt und Synodale der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) Bernd Schlüter über notwendige Reformen in der evangelischen Kirche in Deutschland. Vieles, was er von Verantwortlichkeit, Professionalisierung und Standards schreibt, kann ich sofort unterschreiben. Es geht dabei um Prinzipien der good governance für die Kirche.

Über seinem Artikel steht die Überschrift: „Verantwortung statt Versorgung“. Gegen Verantwortungsübernahme der handelnden Haupt- und Ehrenamtlichen habe ich überhaupt nichts einzuwenden. Schlüter spricht systemische Hinderungsgründe wie das Missverhältnis zwischen Hauptamtlichen (Pfarrer:innen) und Ehrenamtlichen in den Synoden an, das sich nicht aus Quoren ergibt, sondern aus unterschiedlichen Professionalisierungs-, Kenntnis- und Erfahrungsgraden. Allzu sehr müssen sich die Synodalen in der evangelischen Kirche auf allen Ebenen einzig auf die Information und „freundliche Anleitung“ durch die Kirchenämter verlassen. Wie kann eine wirksame Kontrolle dieser eigentlichen Exekutive funktionieren, wenn diese im Extremfall allein bestimmt, was „nach Draußen“, die eigenen Synodalen, geht?

Richtig Bauchschmerzen bekomme ich allerdings beim zweiten großen Wort der Überschrift: Versorgung. Damit ist einmal mehr die Abdeckung „der Fläche“ gemeint. Ich verstehe unter „Fläche“ die Kontaktpunkte, die haupt- und nebenamtliche Kirchenleute zu Menschen pflegen, die nicht bei der Kirche beschäftigt sind. Mithin alle analogen und digitalen Kirchorte, an denen Menschen ihren Glauben leben, in temporärer oder verbindlicher Gemeinschaft.

Der Fläche verpflichtet

Es ist die Stärke der evangelischen Landeskirchen, dass sie sich dieser Fläche im Grunde verpflichtet sieht. Auch die Alten in jenen ländlichen Räumen des Landes, die schon wegen des demographischen Wandels und mangelnder Migration keinen Bevölkerungszuwachs erwarten dürfen, können sich bisher darauf verlassen und müssen es auch in Zukunft können, dass ihre Kirche „da“ ist: Dass Kranke und Sterbende begleitet, Verstorbene bestattet und Gemeinschaft erhalten wird, wo es geht. Das Argument, ausgerechnet dafür wäre in den Kassen der Kirchen „kein Geld mehr da“, die mit zwei- oder dreistelligen Millionensummen pro Jahr haushalten, überzeugt mich nicht.

In den vergangenen Tagen zieht es ganz heftig in Berlin und Brandenburg. Ein riesiger Skandal hat sich im gemeinsamen öffentlich-rechtlichen Rundfunk der beiden Bundesländer aufgetan, der tiefer reicht als die Raffgier einer Intendantin. Wie auch die Kirche ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein Mega-System unserer Gesellschaft, in dem die Verwaltung den eigentlichen Auftrag zu verdrängen droht. Beim RBB füllen die „Freien“ und „festen Freien“ zu 90 % das Programm, das die Hörer:innen, Zuschauer:innen und Leser:innen aus Funk und Fernsehen sowie dem Internet kennen. Festangestellt sind im wichtigsten Medienhaus der Region Verwaltungs- und Führungskräfte.

Es braucht wenig Fantasie, um Ähnliches auch für die Zukunft der Kirchen zu befürchten: In der Fläche rackern sich Ehrenamtliche, Honorarkräfte (Guter Hinweis im Schlüter-Text!) und Nebenberufler:innen die Hacken ab. Sie werden von Pfarrer:innen unterstützt, betreut und angeleitet, die entweder als Überzeugungstäter:innen oder Übriggebliebene ihren Dienst tun, während sich auf bequemeren und „hochwertigen“ Stellen im Zentrum der Kirche andere mit der Verwaltung des Niedergangs befassen, mit Stellenplänen, Reformpapieren und Mitgliedschaftsuntersuchungen – und ja, auch mit redundanten Erprobungen.

Andere Bilder

Die evangelische Kirche hat ein Peripherie-Zentrum-Problem, das sich nicht allein darin erschöpft, dass es zu viele „Zentren“ gibt, an denen Menschen den im Grunde gleichen Problemen Herr werden wollen.

Auf einem digitalen Diskussionsabend beim Magazin für Kirche, Politik und Kultur „Die Eule“ (https://eulemagazin.de) in dieser Woche empfahl die württembergische Theologin Viola Schrenk, die im Frühjahr 2022 für den Posten der Landesbischöfin ihrer Kirche kandidierte und als Studieninspektorin am Evangelischen Stift in Tübingen arbeitet, der Kirche, andere biblische Bilder zur Selbstbeschreibung zu nutzen.

Statt Bildern, die Wachstum und Aufbau evozieren, oder gar nautischen Metaphern, die unbewusst doch das Bild von starken Kapitän:innen reproduzieren, die das Boot in den sicheren Hafen steuern, empfiehlt sie ein anderes Bildprogramm. Auch das Peripherie-Zentrum-Problem verdient es, „bebibelt“ zu werden.

Ich denke da an Jesaja 8. „Das Volk, das im Finstern wandelt“, werden wir in wenigen Sätzen, die direkt vor der bekannten, zu jedem Weihnachtsfest neu wiederholten Verheißung des Friedensfürsten stehen, erinnert, „findet nichts als Trübsal“. Ihr Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst aber wird ihnen nicht aus ihrer Mitte oder den Zentren der Macht entgegenkommen, sondern vom „Weg am Meer, dem Land jenseits des Jordans, dem Galiläa der Heiden“. Die Peripherie, „die Fläche“, ist die Chance auch der Institution Kirche.

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Einfach taufen

Einfach taufen

Ohne Voranmeldung, ohne Unterricht - in Hanau ist das möglich
Foto: Christian Lademann

„Jeder Moment ist der richtige, um dich taufen zu lassen.“ Für einige Menschen könnte dieser „richtige“ Moment am 17. September zwischen 16 und 20 Uhr in der Hanauer Neuen Johanneskirche sein. An diesem Tag haben Menschen die Möglichkeit einfach ohne vorherige Anmeldung in die Kirche zu kommen und dort ihre Taufe zu erleben.

Es wird eine Band vor Ort sein und die Musik spielen, welche die Täuflinge für ihren ganz persönlichen Moment auswählen. Ehrenamtliche werden dort sein und draußen am Pool mit einem Getränk begrüßen oder eine individuelle Taufkerze gestalten, die an diesen besonderen Tag erinnert und vier Pfarrerinnen und Pfarrer werden vor Ort sein, die gespannt sind, wen sie an diesem Tag kennenlernen werden. Am Ende darf natürlich ein  Eis oder eine gemeinsames Glas Sekt nicht fehlen, um diesen Anlass gebührend zu feiern.

Schon seit einiger Zeit gibt es im Kirchenkreis Hanau eine Projektstelle „Leben.feiern“. Im Rahmen dieser Tätigkeit ermöglicht Pfarrerin Margit Zahn in vielfältiger Weise Kontaktflächen zu kirchlicher Kasualpraxis. Im Kontext dieser Initiativen ist jetzt auch das Projekt „Für dich. Segen spüren. Taufe erleben“ entstanden, welches sich an dem Vorbild der dänischen „Drop-In-Taufen“ orientiert. Das Angebot richtet sich vorrangig an Erwachsene und Jugendliche, die vielleicht schon länger darüber nachdenken, sich taufen zu lassen und für die diese besondere Einladung nun der Anlass ist, diesen Schritt zu tun.

Nähe und Distanz

Wie bei so ziemlich allem, was man in der Kirche tut oder lässt, sind die Reaktionen  aus den eigenen Reihen auf unser Vorhaben vielgestaltig. Von jubelndem Beifall bis hin zu Ablehnung in massiver Rhetorik ist eigentlich alles dabei.  Bei den Skeptikern steht nicht selten im Hintergrund der Vorwurf, hier werde zugunsten des reinen Events leichtfertig mit der Taufhandlung umgegangen. Fragen danach, wie Taufe ohne Taufkatechumenat denkbar sei tauchen auf oder die Skepsis, was eine Taufhandlung, die nicht im gemeindlichen Kontext geschieht, für die Kirchenbindung der Getauften bedeutet.

Für mich steht im Hintergrund einer Reihe dieser Reaktionen eine sehr grundlegende kirchentheoretische Frage, die mich schon seit längerer Zeit umtreibt: Welche unterschiedlichen Modi von Nähe und Distanz sind wir eigentlich bereit im Hinblick auf die Kirchenbindung von Menschen zuzulassen. Es gibt dieses unausgesprochene Mantra in der Kirche, dass Kontakt notwendig zur Maximierung von Bindung führen muss. Mich irritiert das. Ist es nicht auch vorstellbar, dass ein Mensch zunächst mal schlicht den Moment seiner Taufe erleben will und das darin spürbar werdende Ja Gottes zu seinem Leben, ohne dann regelmäßig in seiner Ortsgemeinde zu erscheinen?

Niederschwellig ist unser Angebot sicher nicht, denn es ist an die formelle Kirchenmitgliedschaft gekoppelt. Wer an diesem Tag in die Kirche kommt, um sich taufen zu lassen, ist sich darüber im Klaren.

Kontaktflächen ermöglichen

Auch die Anfragen hinsichtlich des Taufkatechumenats lassen mich eher irritiert zurück, denn Sie scheinen meiner Wahrnehmung nach mit einem Bild von Kirche zu operieren, die schon längst nicht mehr gegeben ist. Eine volkskirchliche Wirklichkeit,  innerhalb derer durch die Taufe ein gesellschaftlich kollektiv geteilter Bestand an religiöser Bildung  gesichert würde, ist doch schon längst passé.

Vielleicht ist die Frage viel weniger, was Menschen mitbringen müssen, um getauft werden zu könne, sondern wie wir als Kirche auf Menschen zugehen können, um ihnen Kontaktflächen zu eröffnen.

Ein Teil der massiven Rhetorik, die solche und andere Initiativen hervorrufen, scheinen mir eine Reaktion auf die Schrumpfungsprozesse der Institution zu sein.  Es sind Angstreflexe auf all die beginnenden Umbildungsprozesse. Das Kleinerwerden unserer Kirche schärft das Mantra nach Bindungsmaximierung und die Orientierung an Ordnungen.

Räume öffnen

Dabei scheint es mir eher der experimentelle Weg ins Offene zu sein, der es ermöglicht, dass wir uns als Kirche in einer Weise umbilden, die uns weiterhin wahrnehmbar sein lässt und uns in neue gesellschaftliche Resonanzverhältnisse führt.

Eine letzte, ganz banale wie  grundlegende Überzeugung lässt mich gern mittaufen bei diesem Experiment: Wer sind wir eigentlich, dass wir den Segen Gottes rationieren und zuteilen können? Das ist nicht unsere Aufgabe. Unsere Aufgabe als kirchlich Aktive ist es, diesem Segen Räume zu öffnen, wo er von Menschen begehrt wird.

Ich bin gespannt, wer an diesem Tag in die Neue Johanneskirche in Hanau kommt, um seinen persönlichen Segen zu spüren. Falls Sie am 17. September in der Nähe sind, kommen Sie gern vorbei, auch wenn Sie schon getauft sind. Wir bieten zwar keine Wiedertaufen an, aber wir erinnern uns gern mit Ihnen am Taufstein an ihre Taufe, dieses Ja Gottes zu Ihnen, das ein ganzes Leben lang gilt und darüber hinaus.

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